Menü Schließen

Pressemitteilung: 48. Stuttgarter STOLPERSTEIN-Verlegung am 18. November 2026

„Stolpersteine sind lebendige Erinnerungskultur im Kampf gegen Rechtsextremismus“

 Die Stuttgarter Stolperstein-Initiativen verlegen am 18. November 2026 weitere 15 Erinnerungssteine im Rahmen von Gemeinschaftsverlegungen (d.h. ohne den Künstler und Initiator des europaweiten Stolperstein-Projekts Gunter Demnig, der an diesem Tag nicht in Stuttgart sein kann). In festlichen Zeremonien wird dabei der Menschen gedacht, die wegen ihrer Herkunft oder ihres Glaubens, ihrer Krankheit oder weil sie im Widerstand gegen die regierenden Nazis brutalste Gewalt erfahren haben.

Wie wichtig Erinnerungsarbeit gerade heute ist, macht Werner Schmidt für die Koordination der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen deutlich und warnt vor einer Wiederbelebung der für die Nachkriegszeit typischen „Schlussstrichmentalität“. Derzeit geht es beim Kampf um die Erinnerung um nichts weniger als die „Zukunft der Demokratie“. Stolpersteine für NS-Opfer sind „lebendige Erinnerungskultur“ und dürfen nicht wie jüngst in der sächsischen Provinzstadt Heidenau durch eine „unheilige Allianz“ von AfD, CDU und „besorgten Bürger:innen“ aus dem öffentlichen Raum entsorgt werden.

Nachdem zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik in Sachsen-Anhalt die AfD (mit Hilfe der politischen Abenteurer des BSW und offenbar auch mit Stimmen einiger geschichtsvergessener CDU-Abgeordneter) einen Landtagspräsidenten stellt und dadurch auch ein AfD-Ministerpräsident wahrscheinlicher geworden ist, droht ein kultur- und bildungspolitischer Kahlschlag zu Lasten der Zivilgesellschaft verbunden mit einer Relativierung und Verharmlosung der Verbrechen des Nationalsozialismus. Dagegen ist entschiedener Widerstand nötig, was auch heißt, die AfD von den Schalthebeln der politischen Macht fernzuhalten und sich nicht zum „Steigbügelhalter“ eines neuen Faschismus zu machen!

Projekte wie die Stolpersteine sind wichtige Mosaiksteine im Kampf gegen Menschenfeindlichkeit und Rechtextremismus, sie allein können die extreme Rechte aber nicht stoppen: „Dazu muss das Wohlstands- und Zukunftsversprechen der sozialen Marktwirtschaft glaubwürdig erneuert werden“, fordert Schmidt. „Der Sozialstaat darf nicht länger als eine Belastung für das Wachstum diffamiert werden. Um der extremen Rechten den Wind aus den Segeln zu nehmen, braucht es eine antifaschistische Wirtschaftspolitik als Grundlage für soziale Sicherheit, wirtschaftliche Teilhabe und demokratische Stabilität!“

Die deutsche Geschichte und die Lebensläufe der Widerstandskämpfer (siehe unten) zeigen, dass Bestrebungen zum autoritären Umbau von Staat und Gesellschaft frühzeitig entschieden entgegengetreten werden muss. Ein AfD-Verbotsverfahren beim Bundesverfassungsgericht sollte auf jeden Fall eingeleitet werden, solange die Demokratie noch nicht dauerhaft beschädigt oder gar abgeschafft ist!

1 Stolperstein für Hermine Edheimer, Zeremonie um 8:30 Uhr in der Wolframstr. 61, S-Nord
Hermine Helene Edheimer geboren am 17. Juni 1866 ist die Älteste von zehn Geschwistern, mit ihrer drei Jahre jüngeren Schwester Ida pflegt sie ein inniges Verhältnis. Im Alter von 23 heiratet Hermine in Heilbronn den Weinhändler Kalman Edheimer. 1890 kommt Sohn Heinrich zu Welt. Im Sommer 1905 ziehen die Edheimers nach Stuttgart. Hermine ist Hausfrau und Mutter, sie hilft ihrer Schwester Ida und Schwager Albert Westheimer, deren Hotel in Stuttgart zu betreiben. Am 10. Mai 1932, im Alter von 70 Jahren, stirbt Hermines Ehemann. Sein Tod stürzt sie in tiefe Depressionen, noch im selben Jahr wird sie mit der Diagnose „Altersmelancholie“ ins Bürgerhospital eingeliefert. Laut den Adressbüchern der Stadt wohnt Hermine Edheimer von 1933 bis 1941 im Bürgerhospital, Wolframstr. 61. Ida Westheimer muss am 17. September 1939 ins Altenhaus nach Herrlingen nahe Ulm umziehen. Hermine Edheimer folgt ihr zwei Jahre später. 10 Monate ist sie dort. Am 22. August werden beide Schwestern – 76 und 73 Jahre alt – vom Sammellager auf den Killesberg aus, über den Inneren Nordbahnhof ins KZ Theresienstadt transportiert. Dort werden die Schwestern getrennt. Hermine stirbt am 17. September 1942.
(Info: Jupp Klegraf, 0711/226 4694, jupp@klegraf.net)

1 Stolperstein für Jakob Weimer, Zeremonie um 9:00 Uhr in der Rotenwaldstr. 66/1, S-West
Jakob Weimer ist einer der letzten Demokraten, die 1933 versuchen, die Weimarer Republik gegen die NS-Diktatur zu verteidigen. Eine Ehrentafel im Reichstagsgebäude in Berlin erinnert an ihn. Weimer wird am 25. Mai 1887 in Gültstein – heute ein Stadtteil von Herrenberg – als Sohn einer Dienstmagd geboren. Er besucht die Volksschule und absolviert eine Ausbildung zum Schlosser und Mechaniker. In Stuttgart heiratet er am 5. März 1910 Elise Leibius. Sohn Walter kommt zur Welt. Weimer ist seit 1905 Mitglied der SPD und des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMAV). 1927 zieht er – zunächst als Nachrücker – in den württembergischen Landtag ein; bei den Wahlen 1928 und 1932 wird er wiedergewählt. Am 5. März 1933 folgt die Wahl in den Reichstag. Parlamentarische Arbeit ist aber nicht mehr möglich. Die NSDAP verfolgt politische Gegner wie Kommunisten und Sozialdemokraten mit brutaler Gewalt. Dennoch stimmen die SPD-Abgeordneten am 23. März 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz. Bei der Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933 wird Weimer verhaftet und kommt kurzzeitig ins Konzentrationslager Heuberg auf der Schwäbischen Alb. Durch das Verbot der SPD im Juni 1933 verliert er sein Reichstagsmandat und später seine Stelle bei der Gewerkschaft. Ohne Anspruch auf Unterstützung arbeitet er für verschiedene Versicherungen. Er erkrankt an einem schweren Herzleiden. Trotzdem nimmt er an Treffen der Widerstandsgruppe um Wilhelm Leuschner und Carl Friedrich Goerdeler teil. In die Attentatspläne auf Hitler vom 20. Juli 1944 ist Weimer eingeweiht. Nach dem Scheitern wird die Gestapo schnell auf ihn aufmerksam. Zunächst schützt ihn seine Herzkrankheit. Er liegt im Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus. Doch die Gestapo verhört Weimer im Keller der Klinik. Er wird brutal misshandelt und stirbt an den Folgen am 21. November 1944.
Zur Verlegung werden zwei Urenkelinnen anreisen. Ein Ururenkel hat einen Rap auf seinen mutigen Vorfahren komponiert, der bei der Zeremonie zu hören sein wird. Die Finanzierung des Stolpersteins für Jakob Weimer hat die SPD Stuttgart-West übernommen.
(Info: Susanne Stephan, Tel. 0711/63 19 09, su-stephan@t-online.de)

1 Stolperstein für Gerhard Metz, Zeremonie um 9:00 Uhr in der Lehenstr. 48, S-Süd
Gerhard Walter Metz kommt am 31. Mai 1939 zur Welt. Die Familie wohnt in der Lehenstr. 48. Vermutlich ist das Kind von Geburt an schwerbehindert. Das einzige erhaltene Foto der Familie zeigt Vater und Sohn bei einem Spaziergang im Schnee, vermutlich im Winter 1941/42. Auf Grundlage eines vertraulichen Erlasses des Reichsinnenministers werden ab August 1939 Kinder mit Behinderungen oder Missbildungen von Ärzten per Fragebogen erfasst und nach Berlin gemeldet. Dort entscheiden Ärzte des „Reichsausschusses“ über den „Lebens- und Nutzwert“ der Kinder. Ein Kreuz bedeutet „Behandlung“, also Tötung. Im März 1942 wird Gerhard Walter Metz in die „Kinderfachabteilung“ der Landesheilanstalt Eichberg eingewiesen. Dort sterben bis Kriegsende mehr als 500 Kinder und Jugendliche, die meisten durch überdosierte Schlaf- oder Beruhigungsmittel. Zwei Monate nach seiner Aufnahme wird Gerhard Metz am 7. Mai 1942 ermordet, offizielle Todesursache: Herzstillstand. In der Familie wird über das Schicksal des Kindes jahrzehntelang geschwiegen. Seine nach dem Krieg geborenen Schwestern wissen kaum etwas über ihren Bruder. Erst vor wenigen Jahren, kurz vor ihrem Tod, bricht eine Kusine das Schweigen. Eine Nachfrage beim Garten- und Friedhofsamt bringt im Sommer 2026 Klarheit: Gerhard Metz ist auf dem Heslacher Friedhof beigesetzt.
(Info: Marion Weber, weber_genealogy@web.de)

 2 Stolpersteine für Gertrud und Hans Müller, Zeremonie um 10:00 Uhr
in der Lindenbachstr. 59, Weilimdorf
Hans Müller wird 1909 geboren, Gertrud, geborene Wieland, im Jahr 1915. Beide sind schon in jungen Jahren gegen den aufkommenden Faschismus aktiv und werden bereits in den frühen 1930er Jahren inhaftiert. 1937 heiraten sie. Als sie versuchen, Zwangsarbeiterinnen im Bosch-Lager “Lehmgrube” in Weilimdorf Brot über den Zaun zu werfen, und weil sie mit Nachbarn “feindliche Sender” abhören und möglichst viele Menschen informieren, werden sie denunziert und im Juni 1942 inhaftiert: Hans Müller kommt in Gefängnisse in Stuttgart und Ravensburg, Gertrud Müller ist im Gefängnis in Bad Cannstatt, im Arbeitserziehungslager Rudersberg, im Frauen-KZ Ravensbrück, im KZ-Arbeitslager Geislingen an der Steige sowie im Lager Allach. Hans wird am 24. April 1945 entlassen, Gertrud am 30. April 1945 von der US-Armee befreit. Auch nach dem Krieg setzen sie ihre antifaschistische Arbeit fort. Hans stirbt 1984, Gertrud warnt und mahnt noch bis zu ihrem Tod 2007 etwa in Schulen, Vorträgen, Reden bei Demonstrationen und Gedenkfeiern sowie in Schriften: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“
Im Anschluss an die Gedenkfeier findet mit Schülerinnen und Schülern des Solitude-Gymnasiums ein Gang zu weiteren Stolpersteinen im Stadtbezirk statt. Dabei werden Kurzbiografien der Opfer vorgetragen und die Steine gereinigt. Interessierte sind herzlich dazu eingeladen!
(Info: Hildegard Wienand, Tel. 0711/81 21 63, huh.wienand@t-online.de)

1 Stolperstein für Alice Stoll, Zeremonie um 10:00 Uhr in der Meistersingerstr. 17, S-Degerloch
Alice Stoll wird am 29. Oktober 1899 in Stuttgart geboren. Bereits in ihrem ersten Lebensjahr treten Krankheitssymptome auf. 1916 beginnen die stationären Aufenthalte in diversen Einrichtungen; ab 1930 ist sie ständig in der Heilanstalt Stetten. Sie bekommt regelmäßig Besuch und ist immer wieder zuhause in der Meistersingerstraße 17 bei den Eltern im Urlaub. Trotzdem steht sie am 16. Oktober 1940 auf der Liste des Innenministeriums, die Bewohner:innen der Heilanstalt als „lebensunwertes Leben“ einstufen und deshalb nach Grafeneck deportieren wollen. Die Anstaltsärztin Leonie Fürst kann den Transport zunächst stoppen, aber nicht verhindern, dass Alice Stoll am 5. November 1940 nach Grafeneck „verlegt“ und dort noch am selben Tag in der Gaskammer ermordet wird.
(Info: Anne Roller-Salm, Tel. 0177/149 3772, a-ro-sa@t-online.de)

1 Stolperstein für Hans Gasparitsch, Zeremonie um 11:00 Uhr in der Haußmannstr. 174, S-Ost
Hans Gasparitsch wird am 30. März 1918 in Stuttgart geboren und wächst im Arbeiterstadtteil Ostheim auf. Geprägt durch den Vater, ein Kriegsgegner und Pazifist, erfährt er früh den Wert von Solidarität und Freundschaft bei Vereinen wie den „Kinderfreunden“, den „Roten Falken“ und dem „Arbeiterschwimmverein“. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 werden sämtliche Arbeitervereine verboten. Die Jugendlichen formieren sich fortan im Untergrund zur „Gruppe G“ (Gemeinschaft).
Der 16-jährige Hans pinselt 1935 die Parolen „Rot Front“ und „Hitler=Krieg“ auf die Rossebändiger-Statuen im Schlosspark und wird wegen Hochverrats zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Anschließend verbringt er weitere zehn Jahre in Gefängnissen und Konzentrationslagern. Er ist 27 Jahre alt, als das Konzentrationslager Buchenwald befreit wird. 1946 heiratet er Lilly, das Paar bekommt zwei Töchter. Hans macht Abitur und studiert in Leipzig Publizistik. Bis zum Verbot der KPD 1956 arbeitet er als Journalist für die KPD-Zeitung „Volksstimme“. Wieder in der Illegalität gibt er im Stuttgarter Osten die Stadtteilzeitungen „Aktion trotz Verbot“ und „Solidarität“ heraus. Er ist in der Friedens-, Anti-Atomkraft- und Ostermarsch-Bewegung aktiv und gibt als Zeitzeuge in Schulen, an Gedenkstätten und bei den alternativen Stadtrundfahrten des Stadtjugendrings seine Erfahrungen weiter. 2002 stirbt er.
(Info: Gudrun D. Greth, Tel. 0711/262 5949, gudrun.greth@web.de)

4 Stolpersteine für Karl, Betty, Ruth und Edith Ellenberg, Zeremonie um 11:00 Uhr in der Hasenbergsteige 7, S-West
Karl Ellenberg stammt aus Galizien und gründet 1907 in Stuttgart eine überaus erfolgreiche Eiergroßhandlung. Neben seinem eigenen Unternehmen übernimmt Ellenberg, der in zweiter Ehe mit Betty Offenbacher verheiratet ist, ab 1920 die Geschäftsführung der „Vereinigte Eierimporteure Württemberg“. Die Töchter Ruth und Edith werden 1913 und 1916 geboren. Sie besuchen das Karl-Olga-Stift, wo Ruth 1932 das Abitur ablegt. Edith macht ihren Abschluss an der Höheren Mädchenhandelsschule, dem heutigen Wirtschaftsgymnasium West. Der NS-Staat schikaniert jüdische Unternehmer ab 1933 systematisch und macht ihnen schließlich 1935 den Betrieb ihrer Geschäfte unmöglich. Karl Ellenberg verliert sein Unternehmen und muss sein Haus weit unter Wert verkaufen. Edith flüchtet 1938 nach Palästina, Karl und Betty Ellenberg folgen kurze Zeit später. Ruth Ellenberg kommt mit ihrem Mann Erich Lewin zunächst in Schweden unter. Zwei Jahre später rettet das Ehepaar Lewin eine Gruppe von 44 jüdischen Jugendlichen – gemeinsam flüchten sie nach Palästina.
(Info: Julia Henke, Tel. 0151/1572 1664, henke@moarefi.de)

1 Stolperstein für Bernhard Fleischer, Zeremonie um 11:30 Uhr in der Schlosserstr. 24, S-Süd
Bernhard Fleischer, geboren 1879 in Göppingen, studiert Rechtswissenschaften in Tübingen. Ab 1905 dürfte Stuttgart sein Wohnsitz sein. Im Adressbuch von 1906 ist er als Mitarbeiter der Rechtsanwaltskanzlei von Martin Rothschild in Cannstatt verzeichnet. Vier Jahre später heiratet Bernhard Fleischer Emma Bikard, die aus einer jüdischen Familie stammt. Im Juni 1911 kommt Tochter Anneliese zur Welt. Bernhard Fleischer, der mittlerweile eine eigene Rechtsanwaltskanzlei führt, wird 1919 von Emma geschieden. Sorgen bereiten Fleischer berufliches Pech und eine Augenkrankheit, die sich bald verschlimmert. Zudem leidet seine Kanzlei in der Nazi-Zeit unter den Boykott-Aufrufen gegen jüdische Rechtsanwälte. Die Kanzlei muss 1936 schließen. In der „Arierin“ und Witwe Grete Häussermann findet er eine neue Gefährtin. Beide geraten in die Fänge von Alfred Amthor, der im “Judenreferat“ der Staatspolizei arbeitet. Bernhard Fleischer wird am 18. Mai 1942 verhaftet. Nach zwei Wochen im Polizeigefängnis wird der blinde 63-Jährige in das KZ Buchenwald deportiert. Im Häftlingskrankenbau stirbt er am 17. September. Sein Grab befindet sich auf dem Pragfriedhof.
(Info: Suse Bouché-Gauger, Tel. 0711/47 48 19, susebouche@t-online.de)

1 Stolperstein für Ludwig Hess, Zeremonie um 12:00 Uhr in der Gaußstr. 109 A, S-West
Ludwig Hess wird am 11. November 1864 als fünftes von zehn Kindern des Buchhändlers Moritz (Moses) Hess und seiner Frau Karoline geb. Weinmann in Ellwangen geboren. Nach dem Abitur 1883 studiert er Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen. Er wird Ende 1890 als Rechtsanwalt am Landgericht Ellwangen zugelassen. Hess führt dort gemeinsam mit seinem Schwager, dem Rechtsanwalt Ernst Lahnstein, eine Anwaltskanzlei. 1904 siedeln Hess und seine Ehefrau Marie geb. Lahnstein nach Stuttgart um. Um 1931 erwerben sie Eigentum in der Gaußstraße 109A. Die Religion spielt keine große Rolle, 1931 tritt das Ehepaar aus der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs aus. Hess konzentriert sich auf Beruf, Vereinsaktivitäten und seine schriftstellerische Tätigkeit. Mit der Machtübernahme der Nazis wird er aus Beruf und öffentlichem Leben gedrängt. Etwa Mitte März 1942 werden er, seine Schwestern Fanny Haarburger und Emma Hess sowie Cousine Fanny Hess für kurze Zeit in das jüdische Zwangsaltenheim Dellmensingen eingewiesen. Bereits am 22. August 1942 werden Hess und seine Schwester Emma vom Stuttgarter Nordbahnhof aus ins KZ Theresienstadt deportiert. Dort stirbt Ludwig Hess am 13. September 1942 im Alter von 77 Jahren. Eine Stunde später stirbt Emma Hess mit 71 Jahren an „Marasmus“ und „Altersschwäche“. Marie Hess ist bereits am 27. Oktober 1939 gestorben.
An der Verlegung wird ein Großneffe teilnehmen, Christian Lahnstein, Sohn des Schriftstellers Peter Lahnstein. Außerdem Eva Weyl, die über die Familie der Malerin Alice Haarburger mit Ludwig Hess verwandt ist und die als Holocaust-Überlebende in derselben Woche Vorträge an Stuttgarter Schulen halten wird.
(Info: Susanne Stephan, Tel. 0711/63 19 09, su-stephan@t-online.de)

 1 Stolperstein für Helene Deininger, Zeremonie um 12:30 Uhr in der Dobelstr. 14, S-Mitte
Helene Pauline Deininger geb. Matthäs wird am 21. Januar 1879 in Stuttgart geboren. In der Dobelstraße lebt sie gemeinsam mit ihrem Ehemann August und ihrem Sohn Karl, der promoviert und Bauingenieur wird. Am 3. September 1914 wird Helene Deininger auf ärztlichen Rat des Nervenarztes Dr. Gross in das Bürgerhospital aufgenommen. Am 13. Oktober 1914 kommt sie in die Heilanstalt Weinsberg. Am 8. Mai 1940 wird sie entlassen und sofort in die Tötungsanstalt Grafeneck überführt. Noch am selben Tag wird sie dort ermordet. Helene Deininger wird 61 Jahre alt. Sie lebt 26 Jahre lang ununterbrochen in verschiedenen Heilanstalten, bis zu ihrer Ermordung.
(Info: Jennifer Lauxmann-Stöhr, Tel. 0711/248 8399, jennifer@lauxmann.de)

1 Stolperstein für Walter Engemann, Zeremonie um 13:00 Uhr in der Goldbergstr. 17, Luginsland
Walter Engemann (Jahrgang 1906), Dreher aus Stuttgart-Luginsland, arbeitet aktiv im kommunistischen Widerstand. Schon kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wird er zu Hause verhaftet und für drei Monate im „Schutzhaftlager“ Heuberg inhaftiert. Nach seiner Freilassung setzt er seine antifaschistische Arbeit fort, wird aber am 3. Januar 1936 erneut verhaftet und im Gestapo-Hauptquartier Hotel Silber in Einzelhaft genommen. Von November 1937 bis Juli 1938 verbüßt er eine Haftstrafe im Zuchthaus Ludwigsburg, wo er Hausschuhe zu nähen hat. Unmittelbar nach seiner Haftentlassung wird Engemann von der Gestapo ins KZ Welzheim und ein Jahr später in das Strafgefangenenlager II Aschaffendorfer Moor (Emslandlager) eingeliefert. Eine weitere Station ist von März 1940 bis April 1945 das KZ Sachsenhausen. Dort arbeitet er zunächst im Klinkerwerk, danach in der Häftlingsschreibstube. Walter Engemann gelingt bei der Evakuierung des Lagers die Flucht. Mit schweren gesundheitlichen Schäden überlebt er die Haftzeit. Als ehemaliger Lagerschreiber muss er mehr als hundert Mal vor Gericht aussagen, was ihn immer wieder traumatisiert.
(Info: Gudrun D. Greth, Tel. 0711/262 5949, gudrun.greth@web.de)

Zeitplan der Verlegungen