Sofie Rosenfeld, geb. Ledermann
Haußmannstr. 6

Sofie Rosenfeld, geb. Ledermann stammte aus Weiler, einem Stadtteil von Sinsheim, der höchstgelegenen Amtsstadt im Kraichgau.

Bereits im 14. und 15. Jahrhundert lebten Juden in Weiler. Im 18. Jahrhundert wuchs die jüdischen Gemeinden in der Gegend so stark an, dass Sinsheim 1827 zum Bezirksrabbinat wurde. Die Synagoge, deren Bau 10 Jahre gedauert hatte, steht leider nicht mehr. 1890 hatte die israelitische Gemeinde noch 150 Mitglieder, verlor aber durch Auswanderung mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder, so dass 1933 noch etwa 70 jüdische Menschen dort lebten, von denen etwa die Hälfte noch die Auswanderung schafften, die andere Hälfte wurde im Holocaust ermordet.

Sofie Rosenfeld wurde am 13. März 1864 in Weiler geboren. 1933 lebte sie in Heilbronn, dann in Stuttgart. Am 23. August 1942 wurde sie mit dem Transport XIII/1 Nr. 290 von Stuttgart aus ins „Ghetto“ Theresienstadt deportiert. Das „Ghetto“ Theresienstadt war in Wirklichkeit ein Lager war, das der systematischen Vernichtung jüdischer Menschen durch das NS-Regime diente.

Ein Viertel der 141 184 Menschen, die in diesem Lager unter unmenschlichen Umständen festgehalten wurden, starben an der entsetzlichen Situation voll Hunger, Krankheiten und Misshandlungen. Von den 88 000 Menschen, die aus Theresienstadt in die Vernichtungslager in Auschwitz, Treblinka, Majdanek oder Sobibor deportiert wurden, überlebten nur etwa 4000 Menschen.

Sofie Rosenfeld, geb. Ledermann starb am 13. Oktober 1942 – ermordet im Alter von 78 Jahren in Theresienstadt. Die Todeserklärung ist einzusehen unter www.holocaust.cz

Der Stolperstein für Sofie Rosenfeld am 10. Oktober 2010 von dem Kölner Künstler Gunter Demnig in der Haußmannstraße 6 verlegte worden war, kam bei Bauarbeiten abhanden. Die Stadt Stuttgart ersetzte den von der Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost aus Spenden finanzierte Stolperstein, so dass er am 9. Juni 2021 wieder an den Ort kam, wo Sofie Rosenfeld ihren letzten frei gewählten Wohnort hatte.

Recherche: Gebhard Klehr, Gudrun D. Greth

Nachweise:  
o    ITS Arolsen - Lebensdatennachweis
o    Maria Zelzer „Weg und Schicksal der Stuttgarter Juden“
o    Staatsarchiv Ludwigsburg FL 3300/33 I Bü 1354
o    Todeserklärung online einzusehen unter www.holocaust.cz

Das nachfolgende Gedicht wurde von der Schriftstellerin Ilse Weber in Theresienstadt vor ihrer Ermordung geschrieben. Ilse Weber schrieb dort zahlreiche Lieder und Gedichte, auch für die Kinder, um die sie sich in Theresienstadt kümmerte. Als sie mit den Kindern den Gang in die Gaskammern antreten musste, soll sie das Lied „Wiegala“ gesungen haben. Das Gedicht stammt aus  dem Buch "Wann wohl das Leid ein Ende hat", von Ilse Weber, herausgegeben von Ulrike Migdal, Carl Hanser Verlag, München, 2008 ".

Das ist der Weg nach Theresienstadt
Das ist der Weg nach Theresienstadt,
den Tausende mühsam beschritten,
und jeder von all den Tausenden hat
das gleiche Unrecht erlitten.

Sie gingen ihn mit gesenktem Haupt,
den Davidstern über dem Herzen,
die müden Füße wund und bestaubt,
die Seelen zerquält von Schmerzen.

Von schwerer Bürde zerschunden die Hand,
getrieben von rauhen Befehlen,
o endloser Weg im Sonnenbrand,
mit durstgepeinigten Kehlen.

Das ist der Weg nach Theresienstadt,
der unser Herzblut getrunken,
wo sterbend auf den steinigen Pfad
manch müder Greis gesunken.

Es ist ein Weg voller Elend und Grauen,
wo Ströme von Tränen geflossen,
die klagende Kinder und stöhnende Frauen
in hilflosem Jammer vergossen.

Hier wankten Greise mit irrem Blick
im ergebenen Trott der Herde.
Wieviele gehn nie mehr den Weg zurück,
denn gnädig umschließt sie die Erde.

Das ist auch der Weg, den hinab mit Hast,
laut dröhnend rollten die Wagen,
die unablässig die ächzende Last,
die Totgeweihten, getragen.

Das ist der Weg nach Theresienstadt,
mit Leiden ungemessen,
und wer ihn einmal gesehen hat,
der wird ihn nie mehr vergessen.

 

STOLPERBLICK - StolperKunst in Corona-Zeiten

Künstler*innen bleiben gerade auch in diesen Zeiten präsent und begegnen einem konkreten Stuttgarter Stolperstein oder einem anderen Ort, der in Stuttgart an die Verfolgungen in der NS-Zeit erinnert

 

http://www.stolperkunst.de/stolperblick-stolperkunst-in-coronazeiten/

 

Silke Arning auf SWR2 über das Los der Zwangsarbeiter im Lager auf der Schlotwiese

StolperKunst belebt Erinnerung

 

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...ein Projekt der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen gegen Geschichtsvergessenheit!

 

http://www.stolperkunst.de

Warum Stolpersteine?

Für Hannelore Levi und ihre Eltern Berta und Ernst, letztere 1942 in Riga ermordet, wurden im Herbst 2017 Stolpersteine in Stuttgart verlegt. Pip McCosh (*1965, Neuseeland), Tochter von Hannelore Levi (*1928, Stuttgart,  gest. 2012, Neuseeland) schrieb am 22. Januar 2018 eine e-mail, die anschaulich zeigt, dass Stolpersteine ihre Schleifen bis ins Hier und Jetzt ziehen...

 

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in der Reihe TÜBINGER JUDAISTISCHE STUDIEN erschienen:

Briefe zur JÜDISCHEN EHEVERMITTLUNG 1911-1921

 

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Broschüre „Der Killesberg unterm Hakenkreuz"
 

 

Broschüre JudenladenDer Stuttgarter "Judenladen": Ein fast vergessenes Stück Stuttgarter Stadtgeschichte
 

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Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern

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Das jüdische Zwangsaltenheim in Eschenau und seine Bewohner

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Aus dem KZ Theresienstadt: "Was mich aufrecht erhielt, war die Post ..."

Postkarten aus Theresienstadt von Gertrud Nast-Kolb an ihre Tochter Ilse in Stuttgart (1944-1945)

Was mich aufrecht erhielt, war die Post... Titelblatt

 

heraus-gegeben von Margot Weiß

 

 

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Verlegt

Krankenmorde 1940-41 am Beispiel der Region Stuttgart
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heraugegeben von Elke Martin

 

 

 

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im August 1940 in Grafeneck ermordet - weil er krank war
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die ganze Familie wurde von den Nazis auf erschreckend gründliche Weise vernichtet weiter

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die Tochter in Grafeneck ermordet, die Mutter in Theresienstadt weiter

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