Wilhelm Oschmann

Wilhelm Oschmann hat ein ganz besonders tragisches Schicksal hinter sich. Er wurde am 20. Januar 1900 in Altenbergen (Thüringen) geboren und litt schon als Kind an beträchtlichen gesundheitlichen Störungen. Nach dem Schulabschluss arbeitete er war Maler. Er blieb ledig.
In den 1930er Jahren wurden bei ihm schizophrene Störungen diagnostiziert. Damals galt Schizophrenie als Erbkrankheit. Mit dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ hatte der Reichstag schon 1933 die Voraussetzung zur Unfruchtbarmachung der Kranken geschaffen. So wurde auch Wilhelm Oschmann 1936 zwangssterilisiert. Ab 1937 hielt er sich in diversen Heilanstalten auf, zuletzt in der staatlichen Heilanstalt Zwiefalten. Hier wurde er am 15. Juni 1944 ermordet.
Wilhelm Oschmann wurde nicht wie die meisten anderen „Euthanasie“-Opfer in der Tötungsanstalt Grafeneck umgebracht, sondern ist in der Heilanstalt Zwiefalten „verstorben“. Als Todesursache wird „Erkrankung der Kreislauforgane“ angegeben – eine der von der Anstalt Zwiefalten üblicherweise vermerkten Todesursachen.
Der Stolperstein für Wilhelm Oschmann soll beispielhaft an die über 1500 Menschen erinnern, die zwischen 1941 und 1945 in Zwiefalten zu Tode gebracht wurden. Die meisten starben an den Folgen der katastrophalen Überbelegung, der extremen Unterversorgung und der pflegerischen Vernachlässigung.
Doch die Ärzte in Zwiefalten haben auch aktiv getötet, z.B. durch Einspritzen von Scopolamin. Die leitende Ärztin Martha Fauser hat diese Tötungen im Grafeneck-Prozess von 1949 zugegeben.
Martha Fauser stammte aus einer angesehenen Stuttgarter Arztfamilie. Ihr Vater war jahrelang Leiter der psychiatrischen Abteilung am Bürgerhospital in Stuttgart. Auch Martha Fauser war dort lange als Assistenzärztin tätig. Im Grafeneck-Prozess wurde sie zwar wegen der aktiven Tötungen verurteilt. Unter Anrechnung ihrer „langen“ Untersuchungshaft musste sie jedoch nicht ins Gefängnis. Auch die Ärztekammer sah keinen Anlass, sie an der Weiterarbeit als Ärztin zu hindern.
Der Stolperstein für Wilhelm Oschmann wurde am 28. April 2017 verlegt.
Die Inschrift lautet:

    HIER WOHNTE
    WILHELM OSCHMANN
    JG. 1900
    EINGEWIESEN 1937
    HEILANSTALT ZWIEFALTEN
    ERMORDET 5.6.1944

Recherche und Text: Initiative Stolperstein Stuttgart-Ost

 

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Das Sprecherensemble der Akademie für gesprochenes Wort spricht die Geschichte der Personen hinter den Stoplersteinen. Ein gemeinsames Projekt der Akademie für gesprochenes Wort und der Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost

 

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