Willy Rettich wurde am 2. Mai 1898 in Zuffenhausen geboren. Schon als Kind kam er 1908 in die Anstalt in Stetten im Remstal, besuchte dort die Schule für geistig behinderte Kinder und verbrachte in der Anstalt bis 1923 den größten Teil seiner Kindheit und Jugend. Er wurde als stark in sich gekehrt beschrieben.
1923 kehrte er wieder ins Elternhaus nach Zuffenhausen zurück. Sein Vater, Hermann Rettich, ein Telegrapheninspektor, lebte mit der Familie in der Landhausstraße 20, die 1938 in Wattstraße umbenannt wurde.
Nach dem Tod der Mutter bat sein Vater, der wieder geheiratet hatte, 1930 die Anstalt in Stetten, den Sohn wieder dort aufzunehmen. Seither lebte Willy Rettich in Stetten und arbeitete dort in der Landwirtschaft, 1936 bis 1939 zeitweise auch im Bruderhaus der Gustav-Werner-Stiftung in Reutlingen.
1939 kehrte er wieder nach Stetten zurück. Am 13. September 1940 wurde Willy Rettich wie mehr als 300 weitere Patient*innen aus Stetten „auf Anordnung des Innenministeriums nach Grafeneck verlegt“ und dort am selben Tag ermordet.
Am 26. November 2024 wurde in der Wattstraße 20 ein Stolperstein für Willy Rettich verlegt.
Recherche und Text: Sonja-Maria Bauer, Stolperstein-Initiative Stuttgart-Zuffenhausen
Quellen:
– Geburt: Auszug aus dem Familienregister des Standesamts Stuttgart von 1930, beigelegt der „Krankenakte“ (vgl. nächster Nachweis).
– Aufenthalte in den Anstalten in Stetten und Reutlingen sowie die Deportation nach Grafeneck: „Krankenakte“ Willy Rettich [nicht ärztliche Krankenakte, sondern Berichte der pädagogischen und pflegerischen Betreuung in Stetten], Archiv Stetten, Außenstelle des Landeskirchlichen Archivs, Ansprechperson 2024: Andreas Stiene).
– Brief des Vaters Hermann Rettich vom 17.03.1930 mit der Bitte um erneute Aufnahme seines Sohnes in Stetten, ebd.
– Adresse Hermann Rettichs 1928 [=Vater von Willy Rettich], Telegraphen-Insp., Landhausstraße 20 p in Zuffenhausen [seit 1938: Wattstraße]: Adressbuch der Stadt Zuffenhausen, bearb. Von Ratschreiber Fauth, hg. mit Genehmigung der Stadtverwaltung: Buchdruckerei Eugen Heinz, August 1928, S. 51. Für 1930 konnte keine Adresse ermittelt werden. Das letzte Adressbuch von Zuffenhausen erschien 1928. 1930 wurde Zuffenhausen nach Stuttgart eingemeindet, im Stuttgarter Adressbuch der Jahre 1930-1933 ist Hermann Rettich nicht eingetragen.



