Ermordet, weil er eine Behinderung hatte
Rudi Kleemann, geboren am 31. Juli 1943 in Stuttgart, wurde am Tag seiner Geburt in der ‚Kinderfachabteilung‘ der städtischen Kinderklinik ermordet.
Sein Vater war der Maschinenarbeiter Julius Kleemann. Rudi Kleemann war eine Frühgeburt und hatte Trisomie 21 (Down-Syndrom).
Ab 1942 mussten die Hebammen und Ärzte melden, wenn ein Kind mit Behinderungen geboren wurde. Den Eltern wurde vorgegaukelt, dass man ihren Kindern in einer Kinderfachabteilung helfen könne. Tatsächlich wurden sie dort als Forschungsobjekt missbraucht und schließlich ermordet, meist mit Luminal, das ähnliche Symptome wie eine Lungenentzündung hervorrief. Die Ärzte unterschrieben eine Sterbeurkunde mit falschem Namen und einer gefälschten natürlichen Todesursache.
In einem Prozess nach 1945 deckten sich die Täter gegenseitig. Von Karl Lempp, dem Haupttäter, Leiter des Jugendamtes und der städtischen Kinderklinik, wurde behauptet, er habe die Kinder „aufopferungsvoll gepflegt“. Erst Karl-Horst Marquart brachte in dem Buch „Stuttgarter NS-Täter“ und später in dem Buch „Behandlung empfohlen“ die Wahrheit über Morde an Kindern und Jugendlichen in Stuttgarter Kliniken und Heimen ans Licht.
Am 19. Mai 2026 wurde in der Stammheimer Str. 94 ein Stolperstein für Rudi Kleemann verlegt.
HIER WOHNTE
RUDI KLEEMANN
GEB. 1943
EINGEWIESEN 31.7.1943
STÄDT. KINDERKRANKENHAUS
STUTTGART
´KINDERFACHABTEILUNG`
ERMORDET 31.7.1943
Recherche und Text: Karl-Horst Marquart, Stolperstein-Initiative Vaihingen, und Inge Möller, Stolperstein-Initiative Zuffenhausen
Die Verlegung wurde finanziell von der Wolfgang Dürr-Stiftung unterstützt.



