Menü Schließen

Hildegard Herzog, Lauterburgstr. 2A

Hildegard Herzog wurde am 27.11.1918 geboren. Mit ihrem Vater, Johann Herzog, von Beruf Chemigraf, und ihrer Mutter Emma Johanna, geborene Beermann, lebte sie nur wenige Jahre in der Lauterburgstraße in Feuerbach. Denn schon im frühen Alter erkrankte sie an Kinderlähmung, wodurch der linke Arm und das linke Bein gelähmt waren. Zudem ist in einem Schriftstück betreffs „überstandene Krankheiten“ vermerkt: „Hirnentzündung“.

Zunächst wurde das Kind in der Werner’schen Kinderheilanstalt Ludwigsburg untergebracht, und mit 6 Jahren, am 29. Dezember 1924, erfolgte die Aufnahme in der Kinderabteilung im „Schwachsinnigenheim“ Gottlob-Weißer-Haus in Schwäbisch Hall.

Im Schreiben des einweisenden Arztes Dr. Wagner, Ludwigsburg, heißt es: „Hildegard Herzog von Feuerbach leidet an halbseitiger Krampflähmung, kann nicht gehen, kann nicht selber essen, sondern muss gefüttert werden, ist noch nicht vollkommen reinlich. – Infolge dieses Leidens ist es natürlich unerlässlich, dass das Kind auch weiterhin eine sachgemäße Pflege erhält; eine solche ist im Privathaus unmöglich.“

An ihrem 14. Geburtstag, am 27. November 1924, wurde Hildegard Herzog dann verlegt in die Erwachsenenabteilung der Diakonissenanstalt Schwäbisch Hall.

Das Gottlob-Weißer-Haus und die „Euthanasie“ (nach Informationen des Haller Archivs): Seit 1900 wurden in der Haller Diakonissenanstalt schwerst Geistigbehinderte und Psychischkranke betreut. Am 9. Oktober 1939 trafen aus Berlin Meldebogen ein zur „planwirtschaftlichen Erfassung der Heil- und Pflegeanstalten“. Trotz Terminvorgabe reagierte der Anstaltsleiter Pfarrer Breuning nicht auf das Schreiben. Im Juli 1940 mahnte das Reichsinnenministerium die Rücksendung der Bogen an. Um einem Eingreifen der staatlichen Stellen (wie z.B. in Stetten/Remstal) zuvorzukommen, wurden schließlich 170 Meldebogen ausgefüllt und nach Berlin zurückgeschickt. Die Verantwortlichen der Diakonissenanstalt wussten um die Gefahr für die Anstaltspatienten. Pfarrer Breuning informierte daraufhin über die Gemeindeschwestern die Angehörigen der Patienten mit dem Ziel, dass sie ihre Angehörigen zu sich nehmen. Nur sieben Patienten wurden von ihren Angehörigen nach Hause geholt.

Am 14. November 1940 beschlagnahmte die Haller Kreisleitung der NSDAP das Gottlob-Weißer-Haus und das Feierabendhaus mit der Vorgabe, dass das Gebäude innerhalb einer Woche von Mensch und Mobiliar geräumt sein müsse „für die Unterbringung von 1.400 „Volksdeutschen“ aus Bessarabien“. Damals lebten im Heim rund 600 Patienten, Frauen und Kinder. Ein Großteil von ihnen konnte in der Diakonissenanstalt selbst untergebracht werden. Jedoch 33 Patienten mussten der Heilanstalt Christophsbad in Göppingen und 240 der Heilanstalt in Weinsberg überstellt werden. 194 von ihnen, darunter 51 Kinder, wurden 1940 und 1941 in Grafeneck und Hadamar getötet. Das jüngste Opfer war 3 Jahre alt, das älteste 84 Jahre.

Bei der Verlegung der Patienten nach Weinsberg mussten die Patientenakten mitgegeben werden. Von den meisten Akten konnten Kurzabschriften angefertigt werden, die sich im Archiv befinden. Zudem gibt es noch die Verwaltungsakten. Beide Akten sind zu Hildegard Herzog erhalten.

Am 20.11.1940 wurde Hildegard Herzog verlegt in die Heilanstalt Weinsberg. Am 4.12.1940 wurde sie mit dem Bus nach Grafeneck gefahren und dort am selben Tag getötet. Auf den Papieren stand „in eine andere Anstalt verlegt“ und „als ungeheilt entlassen“.

Damit das traurige Schicksal von Hildegard Herzog nicht vergessen wird, bekommt sie am 19. Mai 2026 einen Stolperstein an der Stelle, an der ihr Elternhaus stand. Die Inschrift lautet:

HIER WOHNTE
HILDEGARD HERZOG
JG. 1918
1924 DIAKONISSENANSTALT
SCHWÄBISCH HALL
1940 ANSTALT WEINSBERG
‚VERLEGT‘ 4.12.1940
GRAFENECK
ERMORDET 4.12.1940
‚AKTION T4‘


Recherche: Elke Martin und Hildegard Wienand (Text)

Quellen:
Staatsarchiv Ludwigsburg
Archiv der Diakonissenanstalt Schwäbisch Hall, Informationen der Leiterin Dr. Krause