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Walter Engemann, Goldbergstr. 17

KJVD Stuttgart-Luginsland Ende der 1920er Jahre. Walter Engemann steht ganz rechts. Willi Bleicher sitzend rechts, hinter ihm Getrud Schlotterbeck; ganz links: Frieder Schlotterbeck, sitzend links: Eugen Podrabsky

Walter Engemann (Jahrgang 1906), Dreher aus Stuttgart-Luginsland, arbeitete aktiv im kommunistischen Widerstand. Schon kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde er zu Hause verhaftet und über drei Monate im „Schutzhaftlager“ Heuberg inhaftiert. Nach seiner Freilassung setzte er sofort wieder seine antifaschistische Arbeit fort, wurde aber am 3. Januar 1936 erneut an seinem Arbeitsplatz verhaftet und im Gestapo-Hauptquartier Hotel Silber in Einzelhaft gehalten. Von November 1937 bis Juli 1938 verbüßte er die verhängte Strafhaft im Zuchthaus Ludwigsburg, wo er als Zwangsarbeit Hausschuhe zu nähen hatte.

Unmittelbar nach seiner Haftentlassung wurde Engemann von der Gestapo ins KZ Welzheim und ein Jahr später in das Strafgefangenenlager II Aschaffendorfer Moor (Emslandlager) eingeliefert. Eine weitere Station war von März 1940 bis April 1945 das KZ Sachsenhausen. Dort arbeitete er zunächst im Klinkerwerk, danach in der Häftlingsschreibstube. Er wurde zunächst als Kartenschreiber eingesetzt und ab Ende 1943 bis zur Evakuierung des Lagers zum ersten Lagerschreiber „befördert“.

Walter Engemann gelang bei der Evakuierung des Lagers die Flucht. Mit schweren gesundheitlichen Schäden überlebte er die Haftzeit. Als ehemaliger Lagerschreiber musste er mehr als hundert Mal vor Gericht aussagen, was ihn immer wieder traumatisierte. – Walter Engemann war Mitglied in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN).

Walter Engemann vor Gericht ca. 1949. Als ehemaliger Lagerschreiber im KZ Sachsenhausen musste Walter Engemann über 100 Mal vor Gericht aussagen.

Walter Engemann gehörte zu dem Autorenkollektiv der 14 ehemaligen Häftlinge, die das historische Sachbuch “Damals in Sachsenhausen” 1961 zeitnah zur Eröffnung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen im April 1961 herausgaben – ein zentrales Werk der antifaschistischen Erinnerungskultur.

Am 18. November 2026 wurde in der Goldbergstraße 17 ein Stolperstein für Walter Engemann verlegt.

HIER WOHNTE
WALTER ENGEMANN
JG. 1906
IM WIDERSTAND
´SCHUTZHAFT` 1933
VERHAFTET 1936
1937 LUDWIGSBURG
1938 ASCHENDORFERMOOR
1940 KZ SACHSENHAUSEN
FLUCHT 1945 / ÜBERLEBT

Projektgruppe: Christa Engemann, Schwiegertochter von Walter Engemann, Gudrun Greth, Stolperstein-Initiative Stuttgart-Ost, Gretel Hofstetter, Naturfreunde Untertürkheim-Luginsland, Liesel Mauch, Naturfreunde Untertürkheim-Luginsland, Oskar Mauch, Naturfreunde Untertürkheim-Luginsland
Fotos: Familie Engemann