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Max und Elsa Sontheimer, Schlosserstr. 23

Max (1919) und Elsa (1924) Sontheimer

Max Sontheimer kam am 14. März 1873 als ältestes Kind von Sali und Pauline Sontheimer geborene Ellinger in Stuttgart zur Welt. Er wurde nach seinem Großvater väterlicherseits genannt. Max hatte drei jüngere Geschwister: Leopold, Felix Sali und Ella. Die Familie lebte in der Kronzprinzstraße in der Stadtmitte. Da er keinen schriftlichen Lebenslauf hinterlassen hat, kann nur vermutet werden, dass Max wie sein jüngerer Bruder Felix Sali zur lokalen Grundschule ging und anschließend das Realgymnasium besuchte.

Max‘ Vater arbeitete in den 1870er Jahren als Partner in der Firma Heymann und Cie. Später gründete er seine eigene Firma Sontheimer & Cie., Band- und Seidenwaren.

Als Max 23 Jahre alt war, starb sein Vater unerwartet. Der plötzliche Tod im Sommer 1896 traf die Familie sehr, wie aus der Traueranzeige hervorgeht. Max übernahm zunächst gemeinsam mit seiner Mutter die Firma Sontheimer und Cie. Später führten sein Bruder Leopold und er die Geschäfte. Ab dem Jahr 1910 war Max alleiniger Inhaber des Familienunternehmens. Die Firma zählte zu den bedeutenden Stuttgarter Großhandlungen im Bereich Textilien und war Mitglied im Zentralverband des Deutschen Großhandels.

Am 12. Dezember 1901 heiratete Max die am 4. Dezember 1878 geborene Elsa Levy. Elsas Vater Sigmund Levy war Inhaber eines Baumwollgeschäfts in der Stuttgarter Christophstraße und später eines Juteleinenimportgeschäfts in der Heusteigstraße. Nach ihrer Hochzeit lebten Max und Elsa in der Paulinenstraße 18 und ab 1911 in der Schlosserstraße 23. Am 8. Oktober 1902 bekamen Max und Elsa eine Tochter, die sie Alice nannten. In der Schlosserstraße lebte die kleine Familie nah bei den Großeltern Levy, der Großmutter Pauline Sontheimer und den Brüdern von Max, Leopold mit Familie und Felix Sali mit Familie. Max‘ Schwester Ella lebte mit ihrer Familie in Köln.

Das nächste aus den Quellen bekannte Ereignis im Leben von Max und Elsa ist die Hochzeit ihrer Tochter Alice mit Josef Lauchheimer am 17. Juni 1926. Josef war am 29. Mai 1898 in Esslingen geboren worden und Kaufmann wie sein Schwiegervater Max. Drei Jahre nach der Hochzeit wurde Schwiegersohn Josef Lauchheimer Geschäftspartner in der Firma Sontheimer und Cie. Im selben Jahr zog die Firma von der Marienstraße 1C in neue Geschäftsräume in der Tübinger Straße 6.

Tübinger Straße 6, 1942, ehemals Firmensitz der Sontheimer & Cie

Schon kurz nach der Machtübernahme durch Hitler 1933 mussten Max und Elsa Sontheimer aus ihrem angestammten Zuhause in der Schlosserstraße 23 in den Oberen Hoppenlauweg 2 umziehen, wo sie nur vier Jahre bleiben konnten. Schon 1937 mussten sie weiterziehen, und zwar in die Sattlerstraße 6B. Mitte 1937 ließen sich ihre Tochter Alice und ihr Schwiegersohn Josef Lauchheimer scheiden. Damit verließ Josef auch die Firma Sontheimer und Cie. Max führte diese wieder alleine.

Für weitere knapp anderthalb Jahre konnte Max die Firma halten. Nach den Novemberpogromen 1938 musste Max die Firma im Dezember 1938 weit unter Wert verkaufen. Er musste Judenvermögensabgabe bezahlen, sein Bankguthaben wurde ihm entzogen und gleichzeitig musste er Zwangsabgaben an die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland leisten sowie das Familiensilber an die Pfandleihanstalt Stuttgart abgeben. Zudem mussten Max und Elsa 1938 in die Hölderlinstraße 51 umziehen.

Max und Elsas Tochter Alice gelang es im März 1939, nach Großbritannien zu fliehen. Ihre gesamten Möbel und Umzugskisten wurden im Hamburger Hafen beschlagnahmt, aber sie selbst kam sicher in London an. Die Eltern Max und Elsa mussten für ihre Tochter Alice Reichsfluchtsteuer bezahlen, die sie aus dem Verkauf ihrer Grundstücke bestritten. Ab September 1941 waren Max und Elsa gezwungen, den Judenstern zu tragen. Ihre gesamte Wohnungseinrichtung wurde 1942 beschlagnahmt.

Am 28. Februar 1942 wurden Max und Elsa in ein jüdisches Zwangsaltersheim in Dellmensingen bei Ulm umgesiedelt. Dorthin wurden auch Max‘ Mutter Pauline und sein Bruder Felix Sali im März 1942 zwangsumgesiedelt. Max und Elsa wurden im August 1942 in ein Sammellager am Stuttgarter Nordbahnhof eingewiesen. Max und Elsa wurden, wie auch Pauline und Felix Sali, mit dem Zug Da 505, Transport XIII/I, in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert.

Am 26. September 1942 wurden Max und Elsa per Zug, Transport Br-1080, von dem Konzentrationslager Theresienstadt in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Dort wurden sie ermordet.

Die Erinnerung an Max und Elsa wird an der Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“ am Nordbahnhof Stuttgart und seit dem 19. Mai 2026 auch auf zwei Stolpersteinen vor dem ehemaligen Familienwohnsitz in der Schlosserstraße 23 wachgehalten.

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Max und Elsas Tochter Alice überlebte den Krieg in London, wo sie 1950 eingebürgert wurde. Sie versuchte ab 1949, die Immobilien, Möbel und andere Wertgegenstände ihrer Eltern in Stuttgart zurückzuerhalten, für die jeweils eigene Wiedergutmachungsanträge gestellt werden mussten. Auf der Rückreise von einer Gerichtsverhandlung in Stuttgart nach London kam sie bei einem Schiffsunglück im Ärmelkanal im Mai 1953 ums Leben. Ihre Erben mussten bis 1968 mit der deutschen Bürokratie um Wiedergutmachung ringen.

Recherche und Text: Margret Frenz

Photos: Landesarchiv Baden-Württemberg (Staatsarchiv Ludwigsburg) (F201Bü498, F215Bü342), Stadtarchiv Stuttgart (101FN250/1/450/E4)

Quellen: Landesarchiv Baden-Württemberg (Staatsarchiv Ludwigsburg), Stadtarchiv Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, The National Archives (UK)