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Kindertransporte nach England – Ein kleines Zeitfenster der Rettung

Artikel von Jan Jan Sellner
Stuttgarter Zeitung 05.02.2024 – 12:07 Uhr

Aus dem Brief eines Vaters, dessen Tochter 1939 mit einem Kindertransport nach England ausreisen könnte. Foto:

Vor 85 Jahren wurden rund 10 000 jüdische Kinder vor der Nazis nach England in Sicherheit gebracht. Etliche von ihnen kamen auch aus Stuttgart. Eine Ausstellung in Berlin und eine Veranstaltung in Stuttgart widmen sich diesen in Deutschland wenig bekannten Kindertransporten.

Erinnerungsarbeit ist Arbeit gegen das Vergessen. Die Mitarbeiter der Wiener Holocaust Library Collection, der nach eigenen Angaben weltweit ältesten Institution, die zum Holocaust forscht, sind großartig darin. Sie geben Verfolgten und Ermordeten ihre Persönlichkeit zurück. Auch ihre Stimme, von denen die Nationalsozialisten glaubten, dass sie sie zum Verstummen gebracht hätten. Das haben sie nicht. Davon zeugen aufbewahrte Briefe, die jüdische Eltern an ihre Kinder geschrieben haben, nachdem sie mit sogenannten Kindertransporten nach England in Sicherheit gebracht worden waren.

„Einen Blick auf die Sonne werfen und alle im selben Moment beisammen sein“
Im Rückblick haben viele dieser Briefe einen Nimmerwiedersehen-Charakter. Geschrieben wurden sie in der Hoffnung, es möge anders kommen und sie, die Eltern, würden ihre Kinder in einer besseren Zukunft wieder in die Arme schließen können. Diese Hoffnung erstarb nach und nach. Viele der Eltern wurden Opfer des Holocaust.
Ihre Kinder wuchsen in England in Pflegefamilien oder Heimen auf. Sie überlebten, doch sie wurden in ein anderes Leben katapultiert. Die älteren von ihnen erlebten dies bewusst, die jüngeren – manche waren erst wenige Jahre alt – entdeckten erst sehr viel später den Bruch in ihrer Geschichte.
Einer dieser Originalbriefe ist Teil der Ausstellung „I said ,Auf Wiedersehen‘“, die aktuell im Berliner Paul-Löbe-Haus an die Kindertransporte vor 85 Jahren erinnert. Er stammt von Arnold und Erna Stein, die damals in Prag wohnten. Ihre elfjährige Tochter Gerda kam im März 1939 in England an. Mit herzlichen Worten und liebevollen Zeichnungen versuchten die Eltern, Gerda das Gefühl zu geben, dass sie weiterhin Teil ihres Lebens ist. An ihrem zwölften Geburtstag am 13. April 1939 schrieb Vater Arnold aus Prag: „Punkt 12 Uhr mittag einen Blick auf die Sonne werfen und alle im selben Moment aus Prag = London = Lemberg beisammen sein und hoffen, dass wir einmal Hand in Hand zusammen sind.“

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Tante Truus rang Adolf Eichmann die Erlaubnis ab
Es kam anders. Der Vater Arnold kam nach seiner Flucht aus dem Konzentrationslager Nisko in einem sowjetischen Zwangsarbeiterlager um. Die Mutter wurde in Auschwitz ermordet. Gerda blieb in England, heiratete und machte sich als Gerda Mayer einen Namen als Lyrikerin. In ihren Gedichten verarbeitete sie den Holocaust. Andere widmete sie Kindern. Im Juli 2021 verstarb sie 93-jährig in London.
Gerda Stein steht für eines von rund 10 000 Schicksalen, die sich mit den Kindertransporten der Jahre 1938/39 verbinden. Ein kleines Zeitfenster lang war es jüdischen Eltern im Deutschen Reich möglich, mit Unterstützung von Wohltätigkeitsorganisationen, ihre Kinder nach England zu bringen. Menschen wie die Niederländerin Geertruida Wijsmuller-Meijer, bekannt geworden als Tante Truus, spielten dabei eine zentrale Rolle. 1938 hatte sie Adolf Eichmann die Erlaubnis abgerungen, zunächst 600 jüdische Kinder außer Landes bringen zu dürfen. Unter dem schockierenden Eindruck der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 erklärte sich die Regierung Großbritanniens unter bestimmten Voraussetzungen bereit, jüdische Kinder aufzunehmen. Mit dem Überfall Hitlers auf Polen endete die Rettungsaktion.

Ein Vater gab seiner Tochter zehn Leitsätze für ihr Leben mit
Das Leben von Gerda Stein und anderer „Kinder“ ist dank der Association of Jewish Refugees (AJR) in London, die ihrerseits hervorragende Erinnerungsarbeit leistet, gut dokumentiert. Die Sozialanthropologin und Historikerin Bea Lewkovicz führte viele Interviews, die heute Bestandteil des AJR-Refugee-Voices-Testimony-Archivs sind. In der von der Berthold-Leibinger-Stiftung finanzierten und von Ruth Ur, der Geschäftsführerin des Freundeskreises Yad Vashem Deutschland, kuratierten Ausstellung „I said ,Auf Wiedersehen‘“ fließt all dies zusammen und vermittelt einen starken, berührenden Eindruck. Dazu tragen auch zehn Leitsätze bei, die der Berliner Ferdinand Brann 1939 seiner Tochter Ursula in einem jüdischen Gebetsbuch mit auf die Reise gab. Einer lautet: „Achte jedes Menschen Überzeugung, jede Religionsanschauung, übe Toleranz und denke, wie sehr wir selbst unter Intoleranz gelitten.“

Anders als in England sind die Kindertransporte in Deutschland im kollektiven Gedächtnis kaum präsent. Das soll sich durch die Berliner Ausstellung ändern. Parallel gibt es Bemühungen, sie auch nach Stuttgart zu bringen. Die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller, die auch Vorsitzende des Kuratoriums der Berthold-Leibinger-Stiftung ist, erklärte vergangene Woche bei der Eröffnung in Berlin: Die Ausstellung mit Briefen und Postkarten aus jener Zeit „führt uns die große Kraft des Wortes vor Augen“. Und sie lässt ahnen, welche Kraft Eltern damals abverlangt wurde, „das eigene Kind fortfahren zu sehen, wohl wissend, dass man einander nie wieder sehen würde“, wie Leibinger-Kammüller sagte.
Es brauchte dazu auch die Kraft anderer. In Stuttgart war es der Geschäftsführer der Israelitischen Gemeinde Württembergs, Julius Wissmann, der maßgeblich half, Kindertransporte zu organisieren, die mit vielen Auflagen verbunden waren, etwa Altersbeschränkungen. Julius Wissmann, so haben es die Stuttgarter Stolperstein-Initiativen – ebenfalls vorbildliche Erinnerungsarbeiter – recherchiert, war eine wichtige Anlaufstelle. Er führte auch Visaverhandlungen zur Auswanderung von Juden nach Amerika.
Im November 1938 wurde Julius Wissmann von der Gestapo verhaftet. Zehn Tage lang saß er in der „Büchsenschmiere“ ein, dem berüchtigten Polizeigefängnis in der Büchsenstraße. Nach seiner Entlassung setzte er sich ungebrochen weiter für die Rettung von Juden ein. Im April 1939 gelang ihm selbst die Flucht. Mit seiner Familie verließ er Stuttgart in Richtung Brasilien. Seit Juli 2023 erinnern Stolpersteine vor dem früheren Wohnhaus in der Neuen Weinsteige 1 an die Wissmanns.

Die Dokumentationsstelle des Landes bezeugt etliche Fälle aus Stuttgart
Wie viele jüdische Kinder aus Stuttgart es in die rettenden Kindertransporte schafften, ist nicht bekannt. Albrecht Ernst, stellvertretender Leiter des Hauptstaatsarchivs und ein weiterer herausragender Erinnerungsarbeiter, hat stichprobenartig in den Erfassungsbögen nachgeschaut, die in seinem Archiv lagern. Sie stammen aus dem Fundus der 1962 vom Landtag eingerichteten Dokumentationsstelle zur Erforschung der Schicksale der jüdischen Bürger im Südwesten während der NS-Zeit. Der Archivar wurde schnell fündig. Anders als die Briefe der Eltern an ihre Kinder enthalten diese Bögen nur Stichworte; die Nüchternheit wirkt auf ihre Weise beklemmend.
Die Einträge lesen sich so: „Doris Bloch, geb. 26.11.1926 in Stuttgart, Besuch des Hölderlin-Gymnasiums. Jan. 1939 allein nach England, Eltern folgten im März 1939. März 1940 nach USA.“ Oder so: „Max Donnerstag, geb. 10.12.1932 in Stuttgart, Römerschule, Juni 1939 mit Bruder Gustav, geb. 1926 in Stuttgart, nach England (Kindertransport, Kinder-Camp). Nach dem Krieg zur Mutter nach Australien.“
Rettung bedeutete nicht automatisch Glück
Ein anderes Beispiel sind Hans-Peter Einstein und seine Schwester Lorelinde, beide geboren in Nürnberg und dann nach Stuttgart übergesiedelt. Die zwölf und zehn Jahre alten Geschwister kamen am 19. Juli 1939 mit einem Kindertransport nach England. Später wanderten sie in die USA aus. Über Hans-Peter steht im Archiv: „Musste die höhere Schule in Stuttgart – er wollte Arzt werden – aus Rassegründen verlassen.“ Ebenso seine Schwester. In den USA brachte Hans-Peter Einstein es später zum Medizin-Laboranten. Lorelinde, die ursprünglich Jura studieren und in die Kanzlei ihres Vaters eintreten wollte, wurde Büroangestellte. In der Akte ist auch vermerkt: „Eltern – Alfred und Johanna ,Hansi‘ Einstein – blieben in Stuttgart zurück.“ Das bedeutete vielfach den Tod.
Auch im Fall von Oskar Dymschiz, geboren am 10. Oktober 1928 in Stuttgart, schafften es die Eltern nicht nachzukommen. In seiner Akte heißt es: „Jüdische Schule Stuttgart, Mai 1939 mit Kindertransport nach England zur Schwester.“ Dass dies Rettung bedeutete, aber noch lange nicht Glück, zeigt der Eintrag über die beruflichen Stationen von Oskar Dymschiz in der neuen Heimat: „Laufjunge, Hilfsmechaniker, Filmvorführer.“ Und der Hinweis: „Durch seinen schlechten Gesundheitszustand aufgrund TBC kann er kaum genug für seinen Unterhalt verdienen. Seine Einkünfte liegen unter denen eines ungelernten Arbeiters.“ Dürre Zeilen, die ein Schicksal erahnen lassen.

Veranstaltung
Die Kindertransporte sind auch Thema eines Gesprächsabends am Donnerstag, 8. Februar, um 19 Uhr im Hospitalhof in Stuttgart. Ruth Ur, Kuratorin der Ausstellung „I said, ‚Auf Wiedersehen‘“, und Andrea Hammel, Professorin an der Aberystwyth University in Wales und Autorin des Buches „The Kindertransport: What Really Happened“, geben einen Einblick in die Geschichte.

85 Jahre Kindertransporte
Züge, die die Rettung bedeuteten

Artikel von Jan Sellner
Stuttgarter Zeitung 30.01.2024 – 22:21 Uhr

Ruth Ur, Geschäftsführerin des Freundeskreises Yad Vashem Deutschland, vor einer Tafel mit den Empfehlungen, die ein jüdischer Vater 1939 seiner Tochter mitgegeben hat. Sie sahen sich nie wieder. Foto: Sellner

10 000 jüdische Kinder überlebten den Nazi-Terror, weil sie 1938/39 Aufnahme in England fanden. Diesen wenig bekannten Kindertransporten vor 85 Jahren ist eine Ausstellung in Berlin und ein Vortrag im Stuttgarter Hospitalhof gewidmet.

Eine neue Ausstellung im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestags lenkt den Blick auf ein wenig bekanntes Kapitel der Geschichte: die sogenannten Kindertransporte, mit denen auf Initiative von Wohltätigkeitsorganisationen 1938/39 mehr als 10 000 jüdische Kinder aus dem Deutschen Reich zumeist nach England in Sicherheit gebracht wurde.
Ruth Ur, die Geschäftsführerin des Freundeskreises Yad Vashem Deutschland, die die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Berthold-Leibinger-Stiftung, der Holocaust Library in Wien und der Association of Jewish Refugees kuratierte, machte bei der Vorbereitung nach eigenen Worten die Erfahrung, „dass viele Deutsche das Wort ,Kindertransporte‘ mit Auschwitz in Verbindung bringen“. Dabei geht es hier nicht um das Thema Vernichtung, sondern um ein kleines Zeitfenster der Rettung. Unter dem Eindruck der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 und auf Bitten von Juden in England hatte die britische Regierung die Einreise von jüdischen Kindern aus dem Deutschen Reich unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. „Kindertransport“ ist auf der Insel bis heute ein Begriff.

Die Kindertransporte sind auch Thema im Stuttgarter Hospitalhof
Der erste Zug mit 196 jüdischen Kindern startete am 30. November 1938 von Berlin aus. In den neun Monaten bis zum Kriegsausbruch brachten Züge Kinder aus vielen deutschen Städten – auch aus Stuttgart – nach Holland, von wo aus die Kinder nach England übersetzten. Viele von ihnen sahen ihre Eltern nie wieder, weil diese dem Nazi-Terror zum Opfer fielen. In England fanden die Kinder Aufnahme und Sicherheit, jedoch nicht automatisch Glück. Den psychischen Belastungen, denen sie ausgesetzt waren, wurde erst spät Aufmerksamkeit geschenkt und ist Gegenstand von Forschungen der in Wales lehrenden Wissenschaftlerin Andrea Hammel, die am 8. Februar auch im Hospitalhof in Stuttgart (Beginn 19 Uhr) vorgestellt werden.
Die sehenswerte Ausstellung in Berlin unter dem Titel „I said ,Auf Wiedersehen’ – 85 Jahre Kindertransport nach Großbritannien“ stellt exemplarisch fünf Kinder-Schicksale vor. Dabei werden bis 23. Februar auch Original-Briefe der Eltern und der Kinder aus der Gedenkstätte Yad Vashem und der Wiener Holocaust Library gezeigt. Sie stellen berührende Zeugnisse der damaligen Rettungsaktion dar, die mit Verlust und Trennung verbunden war. Zwei der fünf „Kinder“ leben heute noch in London und Jerusalem.


Zeitzeugen: Hella Pick und Alfred Dubs kamen 1939 im Alter von zehn und sechs Jahren mit einem Kindertransport nach England, wo sie bis heute leben. Foto: Sellner

Zwei andere „Kinder“, die 1929 in Wien geborene britische Journalistin Hella Pick und der 1933 geborene Lord Alfred Dubs, waren am Dienstag bei der Präsentation und Eröffnung der Ausstellung in Berlin anwesend und berichteten von ihren Erinnerungen. Sie waren damals zehn und sechs Jahre alt. Beide hatten das Glück, einen Elternteil in England wiederzutreffen. Die ebenso plakativ wie punktgenau gestaltete Ausstellung war für sie nach ihren Worten eine zutiefst emotionale Reise in die Vergangenheit. „Sie bringt viele Erinnerungen zurück – schmerzvolle, aber auch gute“, sagte der 91-jährige ehemalige Labour-Abgeordnete.
Dubs warb dafür, die Ausstellung an möglichst vielen Orten zu zeigen – auch im britischen Parlament. Vor allem junge Menschen sollten die Ausstellung besuchen, um zu verstehen, was geschehen sei. „Die Ausstellung ist „eine Lehre für uns alle“, sagte er. Beide Zeitzeugen sprachen sich nicht zuletzt aufgrund der eigenen Erfahrungen dafür aus, Flüchtlingen wohlwollend zu begegnen. Deutschland habe den anderen Europäern in jüngerer Vergangenheit hier ein gutes Beispiel gegeben. An die britische Regierung gewandt sagte er im Hinblick auf gegenwärtige Fluchtbewegungen: „Wenn es damals möglich war, 10 000 unbegleitete Kinder aufzunehmen, sollte das auch heute möglich sein.“

Zehn Ratschläge für die Tochter und ein Abschied für immer
Zu den bleibenden Eindrücken der Kindertransporte-Ausstellung zählen die in großen Lettern gedruckten Ratschläge, die 1939 ein Vater seiner Tochter in einem jüdischen Gebetsbuch mit auf den Weg nach England gegeben hat. Sie lesen sich wie zehn zeitlose Gebote für ein gelingendes Leben: „Vergiss nie, dass Du Jüdin bist, dass Du für das Judentum gelitten, dass Du es trotzdem oder gerade deswegen lieben musst“, heißt es da. Oder: „Vergiss trotz allem niemals Deutschland und die deutsche Sprache. Denke, dass es die Heimat Deiner Ahnen war.“ Oder: „Sei stets voll Dankbarkeit gegen die Regierung des Landes, in das Du kommst, weil es Dir Zuflucht gewährt. Sei dankbar gegen die, die Dir ihr Heim selbst öffnen.“ Der Vater, Ferdinand Brann, wurde, wie auch seine Frau und seine zweite Tochter, von den Nazis ermordet. Die überlebende Tochter Ursula nahm sich die Ratschläge ihres Vaters zu Herzen. 2015 verstarb sie in England.

Die Bundestagspräsidentin bedankt sich bei den Briten
Eröffnet wurde die Ausstellung am Dienstagabend wenige Tage nach dem internationalen Holocaust-Gedenktag im Beisein vieler Schülerinnen und Schüler und der britischen Botschafterin Jill Gallard. Sie fand lobende Worte für die Bemühungen in Deutschland, die NS-Vergangenheit aufzuarbeiten. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, die in England mehrere Zeitzeugen der Kindertransporte getroffen und einen Impuls zu der Ausstellung gegeben hatte, sprach ihrerseits von einer „beispiellosen Rettungsaktion“ und hob dabei die Rolle der Briten hervor: „Im Namen des Deutschen Bundestags danke ich Großbritannien heute für die Rettungsaktion vor 85 Jahren.“
Bas verwies darauf, „dass Judenhass gegenwärtig wieder mit erschreckender Offenheit zutage tritt – auch in der Mitte der Gesellschaft“. Sie bekräftigte: „Deutschland muss eine sichere Heimat für Jüdinnen und Juden sein und bleiben“. Es gelte, das historische Wissen lebendig zu vermitteln und an die junge Generation weiterzugeben.

Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller, die auch Vorsitzende des Kuratoriums der Berthold-Leibinger-Stiftung ist, betonte in ihrer Rede, seit dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober sei bei Juden das Gefühl der Bedrohung durch antisemitischen Hass „in einer seit Langem nicht gekannten Dimension gewachsen. Dagegen müssen wir uns als Gesellschaft mit aller Kraft zur Wehr setzen.“ „Nie wieder ist jetzt!“, sagte sie. Die Ausstellung sei auf beklemmende Weise aktuell, das zeige auch die Schändung des am Bahnhof Friedrichstraße aufgestellten Mahnmals für die Kindertransporte vor wenigen Wochen. Geschäftsführer Markus Wener, erklärte angesichts demokratiefeindlicher Tendenzen sei es ein wichtiges Anliegen der Berthold-Leibinger-Stiftung, parallel zur Erinnerungskultur das Demokratieverständnis zu fördern“. Man sei bemüht, die Kindertransporte-Ausstellung auch in Stuttgart zu zeigen.