Stolpersteine gegen Geschichtsvergessenheit - weitere Verlegungen am 15. November 2018 und auch im nächsten Jahr

Stolpersteine erinnern und ermahnen - Verlegung in Stuttgart am 15. November 2018

Stolpersteine erinnern an Menschen, die in deutschem Namen in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. Stolpersteine ermahnen aber auch dazu, sich unserer Geschichte bewusst zu sein und damit Verantwortung für die Demokratie in unserem Land zu übernehmen, damit sich angesichts zunehmender antisemitischer, rassistischer und fremdenfeindlicher Hetze und Übergriffe, dem Aufkommen neuer rechter Bewegungen und rechtspopulistischer Parteien und deren Versuche, nationalsozialistisches Gedankengut wieder hoffähig zu machen, der angebliche "Vogelschiss" der deutschen Geschichte nicht wiederholt.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig macht mit den Stolpersteinen, seinem Kunstprojekt für Europa, die deutliche Aussage "Nie wieder!" Am Donnerstag, 15. November 2018, wird er zum zweiten Mal in diesem Jahr in Stuttgart Stolpersteine verlegen. Die Verlegungen werden wie immer von den Stolperstein-Initiativen in den einzelnen Stadtbezirken organisiert. Das aus ihrer Arbeit hervorgegangene Projekt StolperKunst wird bei einigen Stolperstein-Verlegungen einen künstlerischen Akzent setzen, denn mit "StolperKunst" beziehen auch Stuttgarter Künstlerinnen und Künstler Position zu den Ereignissen der Geschichte in Stadt und Land. Mit den Mitteln der Künste treten sie den Leugnern und Verharmlosern der NS-Verbrechen entgegen. Die Verlegungsaktion ist Teil der Veranstaltungsreihe „VIELFALT—0711 für Menschrechte“ zum 70jährigen Jubiläum der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte.

Die Verlegungen beginnen in Degerloch, wo in der Großen Falterstraße 13 ein Stolperstein für Gustav Friedrich Scheerer verlegt wird. Scheerer war als Soldat im Ersten Weltkrieg durch einen Kopfschuss verletzt worden. Er arbeitete danach zwar bei der Post, musste aber wegen gesundheitlicher Probleme immer wieder in Heimen untergebracht werden. Der Dank des Vaterlandes für seinen Kriegseinsatz: Als unwertes Leben wurde er in Grafeneck ermordet.

Kurz nach dem Ende des Deutsch-französischen Kriegs 1870/71 waren die Brüder Löb und Aaron Rothschild mit ihren Familien von Gemmingen im Kraichgau nach Cannstatt gezogen. Die Berufe in den beiden großen Familien waren oftmals Pferde- und Viehhändler sowie Kaufleute. Zahlreiche Kinder und Enkel der Brüder wurden im NS-Staat ermordet. Für die Tochter Sara Rothschild sowie deren Tochter Lucie mit Ehemann Benno Bieringer liegen Steine in der Taubenheimstraße 35 in Cannstatt bzw. in der Arminstr. 11 in Stuttgart. Im Beisein von eigens aus den USA angereisten Angehörigen, wird jetzt zwei weiteren Söhnen und einer Schwiegertochter mit Stolpersteinen gedacht: An der Stelle, wo früher das Haus Rotebühlstraße 106 A stand, an Riekchen Rothschild, geb. Weinthal, ermordet in Izbica; in der Leuschnerstraße 9 A an den in Riga ermordeten Otto Rothschild (wegen einer Baustelle kann dieser Stein erst zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich verlegt werden); in der Königstraße 19 B an den in Treblinka ermordeten Aron Rothschild. In der Königstraße wird auch eine Gedenkfeier unter Mitwirkung der Klasse 9 D des Mädchengymnasiums St. Agnes, von amerikanischen Schülern der Stuttgart High School in Böblingen und der Initiative StolperKunst stattfinden.

In der Hölderlinstraße 35 wird ein Stein an Julie Heilbronner erinnern, die in einem deutschen Konzentrationslager in Polen ermordet wurde. Für ihre Tochter und ihren Schwiegersohn sind hier bereits Steine verlegt. Angehörige aus Israel werden dazu erwartet, darunter der in Stuttgart geborene 92 Jahre alte Enkel von Julie Heilbronner.

Karl Graf, der im Feuerbacher Weg 200 wohnte, wurde als psychisch Kranker 1902 in die Heilanstalt Stetten eingewiesen, von wo er 1940 nach Grafeneck "verlegt" wurde, um noch am gleichen Tag in der Gaskammer dort ermordet zu werden.

Emma Weischedel wohnte in Feuerbach in der Dieterlestraße 30. Sie wurde im Jahr 1932 als geistig Behinderte in die Heilanstalt Winnental eingewiesen, wo sie im Jahr 1939 zu Tode kam.

Wird das Morden einmal staatlich erlaubt, kennt es bald keine Grenzen mehr: Ingrid Rieth, deren Familie in Neuwirtshaus, Juiststr. 14, wohnte, kam am 18. November 1943 als Frühgeburt zur Welt. Am 14. Januar 1944 wurde sie in der Kinderfachabteilung der Kinderklinik Türlenstraße ermordet. Die vorgebliche Todesursache lautete: Frühgeburt, Mongolismus, Lungenentzündung. Die Diagnose "Lungenentzündung" wurde in der "Kinderfachabteilung" genutzt, um eine Vergiftung mit Luminal zu vertuschen, da dieses bei Überdosierung ähnliche Symptome hervorruft. Ingrid wurde keine zwei Monate alt.

Weitere Informationen zu den Opfern und den Verlegungen erhalten Sie bei den beteiligten Stadtteil-Initiativen, die auch ehrenamtlich die Schicksale der Opfer erforscht haben.

Im angefügten Verlegungsplan finden Sie die vorgesehenen Zeiten für die einzelnen Steinverlegung. Bitte denken Sie daran, dass sich diese zeitlich auch nach vorne verschieben können.

Stolpersteine für Stuttgart am Donnerstag, den 15. November 2018 (Uhrzeit~Steinverlegung):

9:00 Degerloch Große Falterstr. 13 1 Stein für GUSTAV FRIEDRICH SCHEERER
9:30 S-Mitte Königstr. 19 B 1 Stein für ARON ROTHSCHILD
10:15 S-Mitte Leuschnerstr. 9 A 1 Stein für OTTO ROTHSCHILD
10:45 S-Mitte Rotebühlstr. 106 A 1 Stein für RIEKCHEN ROTHSCHILD
11:15 S-Nord Hölderlinstr. 35 1 Stein für JULIE HEILBRONNER
11:45 Feuerbach Feuerbacher Weg 200 1 Stein für KARL GRAF
12:00 Feuerbach Dieterlestr. 30 1 Stein für EMMA WEISCHEDEL
12:45 Neuwirtshaus Juiststr. 14 1 Stein für INGRIED RIETH

 

Alle angegebenen Uhrzeiten können nur eine grobe Orientierung für den geplanten Zeitpunkt der Verlegung darstellen, es empfiehlt sich daher, möglichst frühzeitig vor Ort zu sein. Außerdem wird um Verständnis gebeten, dass Gunter Demnig an den Rahmenveranstaltungen zu den einzelnen Verlegungen jeweils nur kurz teilnehmen kann. Mehr Infos über die einzelnen Stadtteilinitiativen und in der Tagespresse!

Die öffentlichen Stolperstein-Verlegungen werden von ausschließlich ehrenamtlich tätigen Stadtteilinitiativen organisiert, über die Sie auch Informationen zu den einzelnen Opferschicksalen sowie weitere Aktivitäten erhalten. Alle Stuttgarter Stolperstein-Initiativen freuen sich über Ihre Unterstützung, beispielsweise bei der Erforschung der Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus oder der Pflege bereits verlegter Stolpersteine.

Den aktuellen Plan für die Verlegung am 15. November 2018 gibt es hier zum Ausdrucken

StolperKunst belebt Erinnerung

 

Logo StolperKunst

 

...ein Projekt der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen gegen Geschichtsvergessenheit!

 

http://www.stolperkunst.de

in der Reihe TÜBINGER JUDAISTISCHE STUDIEN erschienen:

Briefe zur JÜDISCHEN EHEVERMITTLUNG 1911-1921

 

Info von Rainer Redies

im November erschienen:

Unerwünscht

Mehr Infos

im Januar erschienen:

Buchcover: "Behandlung empfohlen"

Jetzt bestellen...

Publikationen aus dem Stuttgarter Norden

Else-Kahn-Broschüre Broschüre über „Else Kahn, geb. Jeselsohn. Nachgetragene Würde – nachgetragene Liebe. Eine Lebensgeschichte“

 

Broschüre „Der Killesberg unterm Hakenkreuz"
 

 

Broschüre JudenladenDer Stuttgarter "Judenladen": Ein fast vergessenes Stück Stuttgarter Stadtgeschichte
 

Mehr Infos

Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern

Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier

Weitere Infos

Das jüdische Zwangsaltenheim in Eschenau und seine Bewohner

Herausgegeben von Martin Ulmer und Martin Ritter

Infos und Bezug

Aus dem KZ Theresienstadt: "Was mich aufrecht erhielt, war die Post ..."

Postkarten aus Theresienstadt von Gertrud Nast-Kolb an ihre Tochter Ilse in Stuttgart (1944-1945)

Was mich aufrecht erhielt, war die Post... Titelblatt

 

heraus-gegeben von Margot Weiß

 

 

Infos und Bezug

Verlegt

Krankenmorde 1940-41 am Beispiel der Region Stuttgart
buchumschlag-verlegt-elke

 

heraugegeben von Elke Martin

 

 

 

Info und Bestellung

Neu aufgelegt: Spuren vergessener Nachbarn

Titel Stolpersteinbuch
Das
Stuttgarter
Stolpersteinbuch
 

 

 Info und Bestellung

Ernst Köhler

im August 1940 in Grafeneck ermordet - weil er krank war
weiter

Walter, Hanna, Sofie, Rose, Erich, Auguste, Albert und Werner Levi

die ganze Familie wurde von den Nazis auf erschreckend gründliche Weise vernichtet weiter

Max und Mathilde Henle

Letzter frei gewählter Wohnort:
Hohentwielstrasse 146 B, Stuttgart Süd

Lydia Heilborn und ihre Tochter Gertrud

die Tochter in Grafeneck ermordet, die Mutter in Theresienstadt weiter

Hermine Wertheimer

zwangsevakuiert, deportiert und enteignet weiter