Else Josenhans
Carlos- Grethe-Weg 4

Josenhans Else FotoElse Josenhans, geb. Meyer wurde 1896 als Tochter einer jüdischen Bankiersfamilie in Heilbronn geboren.  Sie heiratete in ihrem Heimatort den ein Jahr älteren evangelischen Beamten Wilhelm Josenhans;  1918 und 1920 kamen dort die Töchter Annemarie und Lieselotte zur Welt.  1922 zog die Familie nach Stuttgart um, wo sie 1933 ihr eigenes Einfamilienhäuschen im Carlos-Grethe-Weg 4 in der neu errichteten Kochenhofsiedlung beziehen konnte.  Sie fühlten sich wohl in der neuen Umgebung.  Doch bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begannen die Repressalien, die sich das Regime für die jüdischen Bürger ausdachte.  Der Ehemann verlor wegen seiner jüdischen Frau 1937 seine Arbeit als Verwaltungsoberinspektor  und versuchte seine Familie mit der Produktion  und dem Vertrieb von Werbegeschenken über Wasser zu halten.
Nach dem 9. November 1938, als in Stuttgart die Synagogen angezündet worden waren, wurde das Haus der Familie ganz mit Lehm und Dreck beworfen und mit der Aufschrift „Jude“ denunziert.  Im Herbst 1941 bekam Else Josenhans einen Judenpass, mit dem ihr der Judenstern und der Zwangsname Sarah verpasst und gleichzeitig die  Ausreise aus Deutschland verboten wurde.  
Ein Teil des Familienvermögens wurde als „Judensteuer“ eingezogen.  
Mit Schrecken registrierte man, dass im benachbarten Killesberg die ersten
Judentransporte in den Osten begannen.  Allerdings waren sogenannte „Mischehepartner“ vorläufig noch ausgenommen.  Bei Bombenalarm wurde Else Josenhans der Zutritt zum Bunker verwehrt.  Als nach einem Luftangriff das Haus in Flammen stand, brannte es ab, weil man den „Juden“ nicht beim Löschen half.  Als dann Ende Januar 1945 Else Josenhans den Bescheid zur Deportation in den Osten erhielt, wusste sie, dass für sie jetzt auch die Stunde geschlagen hatte.  Doch inzwischen war schon offensichtlich, dass der Krieg verloren  und die Rettung nahe war.  Nach einer entsprechenden Behandlung durch eine befreundete Ärztin ließ sich Else Josenhans deshalb als transportunfähig ins Robert-Bosch-Krankenhaus einweisen.  Während ihrer Genesung
besuchte sie dort ein Mann, der ihr anbot, die ganze Familie gegen Auslieferung des Familienschmucks über die Schweizer Grenze zu bringen.  Jedoch als sie sich am vereinbarten Treffpunkt einfanden, wurden sie alle von der Gestapo verhaftet und in verschiedene Gefängnisse gebracht.  Der scheinbare Helfer Josef Burra war ein Polizeispitzel gewesen.  Else Josenhans kam in das berüchtigte Gestapo-Gefängnis im ehemaligen „Hotel Silber“.  Als die alliierten Truppen auf dem Vormarsch auf Stuttgart waren und das Ende des Regimes bevorstand, befahl der Stuttgarter Gestapochef Mußgay die Tötung der verbliebenen Gefangenen im „Hotel Silber“.  Else Josenhans wurde in der Nacht zum 11. April durch den sadistischen SD-Hauptscharführer Anton Dehm auf grausame Weise ermordet:
 
„Ja ich hab das Weib gehenkt.  Aber zuerst ist die Schnur abgekracht.  
Die Frau sagte dann zu mir:  >Sie haben doch auch eine Mutter, lassen sie mich doch am Leben<.  Da schlug ich sie aufs Maul, dann war sie ruhig und dann habe ich sie vollends aufgehängt.“ – so Dehms Aussage 1946 über den Mord an Else Josenhans.   Das Opfer wurde im jüdischen Teil des Steinhaldenfriedhofs ohne Sarg heimlich verscharrt.  Als man sie nach dem Umsturz des Regimes in das Familiengrab auf dem Waldfriedhof umbetten ließ, hatte sie noch die dreifach gelegte Schnur um den Hals.  
Die traumatisierte Familie Josenhans wollte nach dem Krieg so schnell wie möglich Deutschland verlassen.  Die Tochter Annemarie ging 1946 in die Schweiz, wo sie sich als Annemarie Hermann in Zürich verheiratete.  
Ihre Schwester Liselotte, verheiratete Brockstedt, versuchte mit ihrem Mann in die USA auswandern, bekam aber im Gegensatz zur Tochter des ehemaligen örtlichen NS-Ortsgruppenleiters Must keine Einreiseerlaubnis.  Der Vater Wilhelm Josenhans wurde im Juni 1945 als Stv. Arbeitsamtsleiter in Ludwigsburg wieder eingestellt und zum Regierungsrat befördert.  Allerdings starb er bereits Ende 1946, offensichtlich in Folge der erlittenen körperlichen und psychischen Strapazen.  Bilder zeigen ihn als schwer gealterten Mann.
Der Mörder Dehm wurde 1948 wegen der gleichzeitigen Tötung von zwei Franzosen von einem französischen Gericht in Rastatt angeklagt und zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, kam aber aufgrund eines Gnadenerlasses 1954 schon wieder frei.

Recherche und Text: Jörg Kurz, Initiativkreis Stolpersteine für Stuttgart-Nord in der Ge-schichtswerkstatt S-Nord (www.stolpersteine-stuttgart.de), c/o Jupp Klegraf, Wartberg-straße 30, 70191 Stuttgart.

Quellen:  Gespräche mit Frau Liselotte Brockstedt, geb. Josenhans, Jahrgang 1920, Nach-barin HK,  Kochenhofsiedlung,  Jahrgang 1929 „Spiegel-Artikel“  v. 26.11.1958 „Gestapo-Morde vergisst man nicht“.
Staatsarchiv Ludwigsburg Akte EL 350 I – Bü 33753 (ES 23454) –  Familienpass F 215, Bü 375
„Stuttgarter NS-Täter“ herausgegeben von G. Abmayr, Stuttgart 2009.
„Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern“ –    Herausgegeben von I. Bauz, S. Brüggemann u. R. Maier – Schmetterling - Verlag, Stuttgart 2013.

 

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