Stolpersteine für Stuttgart am 8. Mai 2007

Stolpersteine für Naziopfer jetzt auch in Stammheim, Luginsland und Botnang

Die Anfänge liegen im Stuttgarter Osten und reichen ins Jahr 2003 zurück. Seitdem haben sich Stolperstein-Initiativen in vielen Stadtteilen gebildet. Sie haben die Schicksale von mittlerweile rund 250 Naziopfern erhellt und ihnen Stolpersteine gewidmet. Jetzt sind Nachforschungen in Stammheim, Luginsland und Botnang so weit gediehen, dass auch Bürger dieser Stadtteile aus dem Millionenheer der Toten wieder als Individuen mit eigener Geschichte und Persönlichkeit hervortreten. Ihr Leben und Sterben und das von weiteren 20 Bürgern unserer Stadt wurden so weit dokumentiert, dass sie jetzt mit der Setzung eines Stolpersteins dauerhaft in die Erinnerung zurückgeholt werden sollen.

In Stammheim hat zum Beispiel Gustav Stange gelebt, der als Zeuge Jehovas keine Waffe in die Hand nahm. Dafür wurde der 39-Jährige im Februar 1942 wegen Wehrkraftzersetzung erschossen. Ein Stolperstein in der Münchinger Straße 5 wird künftig an ihn erinnern (Verlegung ca. 8 Uhr). Das tödliche Schicksal Theresienstadt erlitten Clothilde und Jakob Mannheimer, weil sie Juden waren. Jakob Mannheimer hat als Fotograf viele Menschen im Bild festgehalten, die später auf dieselbe oder ähnliche Weise wie er umgebracht wurden. Beispiele seiner Porträtkunst werden bei der Verlegung vor seinem Wohn- und Geschäftshaus Königstraße 60 (ca. 13:45 Uhr) zu sehen sein. Wenn das Ehepaar Kandler aus New York am 8. Mai zur Stolpersteinverlegung nach Stuttgart kommt, erweist sich einmal mehr, welche Ausstrahlung diese Erinnerungsarbeit weit über Stuttgart hinaus hat. Henry Kandler entkam seinerzeit als Neunjähriger mit einem ?Kindertransport? nach England, aber seinen Großeltern Martin und Lolo Loeb wurden Zwangsumsiedlung und Deportation zum Verhängnis. Dass ihrer in der Hohenzollernstraße 12 (Verlegung ab 10:30 Uhr) mit einem Stolperstein gedacht wird, nehmen die Kandlers nicht nur zum Anlass einer Reise nach Stuttgart, der Kinder- und Jugendpsychiater Henry Kandler wird darüber hinaus in Schulen über seine Kindheit in Stuttgart und den beginnenden Rassenwahn berichten.

Die Stuttgarter Stolperstein-Initiativen sehen sich von immer mehr lebendigem Interesse vor allem junger Menschen und wachsender bürgerschaftlicher Beteiligung getragen. Wertvolle Unterstützung gewährt auch das Tiefbauamt, das dem Künstler Gunter Demnig die Schwerarbeit des Pflasteröffnens abnimmt. Wie die Arbeit der verschiedenen Stadtteil-Initiativen auch im Rathaus beachtet wird, kommt darin zum Ausdruck, dass Frau Bürgermeisterin Müller-Trimbusch an einem Empfang teilnimmt, der die Gäste, den Künstler Gunter Demnig und die Mitwirkenden der Stolpersteinverlegung am 8. Mai zusammen führt.

Stolpersteine für Stuttgart am Dienstag, den 8. Mai 2007 (Uhrzeit~Steinverlegung):

Die angegebenen Uhrzeiten können nur eine grobe Orientierung für den Zeitpunkt der Verlegung sein, Verschiebungen nach vorne oder hinten lassen sich trotz sorgfältiger Planung nicht ausschließen!
Wer bei einer Steinverlegung dabei sein will, sollte sich deshalb möglichst frühzeitig am Verlegungsort einfinden!
Über die vor Ort stattfindenden Rahmenveranstaltungen informieren die jeweiligen Stadtteilinitiativen, deren Vertreter ebenfalls schon vor dem genannten Zeitpunkt am Verlegungsort sein werden.
Zur Verlegung und dem anschließenden Empfang in Stuttgart-Nord wird auch Frau Bürgermeisterin Müller-Trimbusch erwartet, worüber sich die Stuttgarter Stolperstein-Initiativen sehr freuen.
Näheres zum Schicksal der Opfer, für die Steine gesetzt werden, finden Sie demnächst unter dem Menüpunkt "Biografien". Wer weitere Informationen zu den Opfern hat, möge dies bitte der jeweiligen Stadtteilinitiative mitteilen.

8:00 h, Stammheim, Münchinger Str. 5 für Gustav Stange (1 Stein)

8:40 h, Feuerbach, Kruppstr. 15 für Waldemar Völker (1 Stein) 

9:00 h, Feuerbach, Dieselstr. 5 für Hermann Weißhaupt (1 Stein) 

9:20 h, Feuerbach, Zavelsteinstr. 6 für Karl Wilhelm (1 Stein) 

10:00 h, Botnang, Beethovenstr. 48 für Walter Häbich (1 Stein) 
               (früher: Neue Stuttgarter Str. 48)

10:40 h, Süd, Hohenzollernstr. 12 für Martin + "Lolo" Loeb (2 Steine) 

11:20 h, Nord, Seestr. 89 für "Helle" Hirsch (1 Stein) 

11:40 h, Nord, Relenbergstr. 66 für Maximilian + Emma Veit (2 Steine) 
               und Relenbergstr. 64  für Johanna Metzger (1 Stein) 

12:00 h, Mittagspause und Empfang mit Frau Bürgermeisterin Müller-Trimbusch, Vertretern aller Stolperstein-Initiativen, Angehörigen, Medienvertretern und Vertretern des Tiefbauamtes

13:45 h, Mitte, Königstr. 60 für Jakob + Clothilde Mannheimer (2 Steine) 

14:30 h, Süd, Immenhoferstr. 30a für Wolf + Martha Lomnitz (2 Steine) 

14:50 h, Süd, Schnellweg 6 für Albert + Anna Falk (2 Steine) 

15:10 h, Süd, Böblinger Str. 27b für Isaak, Martha + Hermann Fortgang (3 Steine) 

15:30 h, Süd, Hohenstaufenstr. 19 für Karl-Bernhard Rothschild (1 Stein) 

16:00 h, Luginsland, Nägelesäcker 55 für Ernst Rohatsch (1 Stein) 

16:30 h, Luginsland, Manfredstr. 17 für Sofie Klenk (1 Stein) 

StolperKunst belebt Erinnerung

 

Logo StolperKunst

 

...ein Projekt der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen gegen Geschichtsvergessenheit!

 

http://www.stolperkunst.de

Warum Stolpersteine?

Für Hannelore Levi und ihre Eltern Berta und Ernst, letztere 1942 in Riga ermordet, wurden im Herbst 2017 Stolpersteine in Stuttgart verlegt. Pip McCosh (*1965, Neuseeland), Tochter von Hannelore Levi (*1928, Stuttgart,  gest. 2012, Neuseeland) schrieb am 22. Januar 2018 eine e-mail, die anschaulich zeigt, dass Stolpersteine ihre Schleifen bis ins Hier und Jetzt ziehen...

 

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in der Reihe TÜBINGER JUDAISTISCHE STUDIEN erschienen:

Briefe zur JÜDISCHEN EHEVERMITTLUNG 1911-1921

 

Info von Rainer Redies

im November erschienen:

Unerwünscht

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im Januar erschienen:

Buchcover: "Behandlung empfohlen"

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Publikationen aus dem Stuttgarter Norden

Else-Kahn-Broschüre Broschüre über „Else Kahn, geb. Jeselsohn. Nachgetragene Würde – nachgetragene Liebe. Eine Lebensgeschichte“

 

Broschüre „Der Killesberg unterm Hakenkreuz"
 

 

Broschüre JudenladenDer Stuttgarter "Judenladen": Ein fast vergessenes Stück Stuttgarter Stadtgeschichte
 

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Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern

Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier

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Das jüdische Zwangsaltenheim in Eschenau und seine Bewohner

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Aus dem KZ Theresienstadt: "Was mich aufrecht erhielt, war die Post ..."

Postkarten aus Theresienstadt von Gertrud Nast-Kolb an ihre Tochter Ilse in Stuttgart (1944-1945)

Was mich aufrecht erhielt, war die Post... Titelblatt

 

heraus-gegeben von Margot Weiß

 

 

Infos und Bezug

Verlegt

Krankenmorde 1940-41 am Beispiel der Region Stuttgart
buchumschlag-verlegt-elke

 

heraugegeben von Elke Martin

 

 

 

Info und Bestellung

Neu aufgelegt: Spuren vergessener Nachbarn

Titel Stolpersteinbuch
Das
Stuttgarter
Stolpersteinbuch
 

 

 Info und Bestellung

Ernst Köhler

im August 1940 in Grafeneck ermordet - weil er krank war
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Walter, Hanna, Sofie, Rose, Erich, Auguste, Albert und Werner Levi

die ganze Familie wurde von den Nazis auf erschreckend gründliche Weise vernichtet weiter

Max und Mathilde Henle

Letzter frei gewählter Wohnort:
Hohentwielstrasse 146 B, Stuttgart Süd

Lydia Heilborn und ihre Tochter Gertrud

die Tochter in Grafeneck ermordet, die Mutter in Theresienstadt weiter

Hermine Wertheimer

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