Dr. med. Simon Schmal und Grete Schmal

Simon Schmal wurde am 12. Juli 1898 in Laupheim geboren.Simon Schmal

Seine Eltern, Julius Schmal und Betty, geb. Oberdorfer, hatten vier Kinder. Das älteste, Heinrich, starb wenige Monate nach der Geburt. Simon war der zweite Sohn. Als erster in seiner Familie erhielt Simon eine weiterführende Schulbildung. Er absolvierte das Gymnasium in Ulm und schrieb sich dann als Medizinstudent an der Universität Tübingen ein. Der erste Weltkrieg unterbrach sein Studium, das er erst nach zwei Jahren Militärdienst wieder aufnehmen konnte. Sein Staatsexamen legte Simon Schmal 1923 in Freiburg ab. Nach einer Zeit als Assistenzarzt in Berlin gründete er eine Kinderarztpraxis in Stuttgart-Bad Cannstatt, wo er seine künftige Frau kennenlernte. Grete Schmal geb. Schmidt wurde am 11. Januar 1906 in Stuttgart geboren. Ihre Eltern waren Julius Schmidt und Clara Schmidt geb. Levi. Grete war das jüngste ihrer fünf Kinder. Sie hatte auch einen Halbbruder aus Julius‘ erster Ehe. (Julius‘ erste Frau starb kurz nach der Geburt des ersten Kindes.) Julius Schmidt hatte eine Firma gegründet – Julius Schmidt & Cie., kurz ISCO – die hauptsächlich Unterwäsche herstellte und bis zu 500 Mitarbeiter beschäftigte. Als Tochter einer wohlhabenden Familie konnte Grete Zeit in England und Frankreich verbringen, wo sie kochen lernte, und unternahm ausgedehnte Reisen durch weite Teile Europas. Simon und Grete heirateten 1936 in Stuttgart. Trotz wachsenden Drucks seitens der Nationalsozialisten führte Simon seine Praxis fort. Erst 1938 begannen er und Grete über die Emigration nachzudenken. Nach der Reichspogromnacht im November 1938 war Simon kurzzeitig in Dachau interniert. Wenig später - im Dezember 1938 - verließen er und Grete Deutschland und gingen in die Vereinigten Staaten. Nach einer kurzen Zeit in New York City, wo sich Simon um die amerikanische Anerkennung als Arzt bemühen musste, beschlossen Simon und Grete, sich in der Universitätsstadt Ithaca im Staat New York niederzulassen. Simon praktizierte über 50 Jahre als Arzt - in den USA als Allgemeinmediziner. Er liebte seinen Beruf sehr. Seine Diagnosen waren präzise und er hielt sich immer auf dem Laufenden, was die Forschung betraf. Seine herausragendste Eigenschaft war aber die Zuwendung, die er seinen Patienten entgegenbrachte. Grete führte mit großer Ruhe den Haushalt und konnte sich - da sie mehr Zeit hatte - stärker mit der Erziehung der Söhne befassen: Stephen, der heute in San Diego lebt und Ronald, der im Jahr 2020 gestorben ist. Zudem unterstützte sie die Familie finanziell 1939, als Simon sich um die ärztliche Anerkennung in den USA bemühen musste und 1945, als er schwer krank war.

Grete Schmal starb am 15. Januar 1975, Simon Schmal am 20. September 1979.

Simon Schmal was born on July 12, 1898, in Laupheim.  His parents were Julius Schmal and Betty Schmal (nee Oberdorfer).  They had four children. The first, Heinrich, died only a few months after being born.  Simon was the second.  
He was the first in his part of the Schmal family to receive a substantial education.  After attending Gymnasium in Ulm, he matriculated as a medical student at the university in Tübingen.  World War I interrupted his studies – he served for almost two years in the German army – but after being released from military service he resumed his studies.  He receiving his medical degree from the university in Freiburg in 1923.  After his residency, in Berlin, he established a pediatric medical practice in Stuttgart, in Bad Cannstatt, which is where he met his future wife.
Grete Schmal (nee Schmidt) was born on January 11, 1906, in Stuttgart.  Her parents were Julius Schmidt”s and Clara Schmidt (nee Levi).  She was the youngest of their five children.  She also had a half-brother as Julius had been married earlier but his first wife died quite soon after bearing their only child.
Julius Schmidt had founded a company – Julius Schmidt & Company, or ISCO for short – that manufactured undergarments and employed up to 500 people.  As the family was well to do, Grete had the benefit of spending time in England and France  .  .  .  she took cooking lessons there  .  .  .  as well as extensive travel in different parts of Europe.
Simon and Grete married in 1936 in Stuttgart.  Simon maintained his medical practice despite the restrictions imposed by the National Socialist regime but at some point during 1938, Simon and Grete began planning to emigrate.  Simon was interned briefly in Dachau after Pogromnacht and not soon after that, in December of 1938, he and Grete left Germany for the United States.  
After living for a short time in New York City so that he could prepare for the medical state board exam, which he passed, Simon and Grete decided to settle in the university town of Ithaca, New York.  They had two sons – Stephen, who now lives in San Diego, and Ronald, who died in 2020.
Simon practiced medicine  .  .  .  he became a general practitioner in the U.S.  .  .  .  for over 50 years.  His profession was one of the great loves of his life.  While he was a gifted diagnostician and always kept abreast of medical developments, his devotion to his patients was really the hallmark of his life’s work.  
Grete very quietly ran the household and was more involved  .  .  .  she had more time  .  .  .  in raising their two sons -- Stephen, who now lives in San Diego, and Ronald, who died in 2020.  She even supported the family financially during two critical periods, while Simon was studying for the medical state board exam in 1939 and when he was quite ill in 1945.
Grete died on January 15, 1975.  Simon died on September 20, 1979.
Die Stolpersteine für Dr. Simon Schmal und seine Frau Grete Schmal, geb. Schmidt, werden am 1. Dezember 2021 vor dem Haus in Bad Cannstatt, König-Karl-Str. 44, verlegt, in dem sich bis 1938 die Praxis und die Wohnräume der Familie befanden.

Spenderin: Frau Anneliese Dobler, ehemalige Stuttgarter Patientin von Dr. Schmal
Englischer Text: Stephen Schmal, San Diego/USA
Deutsche Übersetzung: Michael Ammann, Berlin
Recherche: Gudrun D. Greth, Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost
Fotoquelle: Familienbesitz

 

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Das Sprecherensemble der Akademie für gesprochenes Wort spricht die Geschichte der Personen hinter den Stoplersteinen. Ein gemeinsames Projekt der Akademie für gesprochenes Wort und der Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost

 

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