Nachruf auf Hannelore Marx

Pressemitteilung des Träger- und Fördervereins Ehemalige Synagoge Rexingen und der Stuttgarter Stolperstein Initiativen vom 23.2.2017

Am Montag, 13. Februar 2017, ist die Riga-Überlebende Hannelore Marx, geborene Kahn in New York verstorben.
Hannelore Marx ist am 19. August 1922 in Stuttgart geboren und hat ihre Kindheit und Jugend in der Landeshauptstadt verbracht. Ihr Elternhaus war in der Stitzenburgstraße. 1936 musste Hannelore Kahn ihre Schule verlassen, weil sie Jüdin war. Ihr ein Jahr älterer Bruder Heinz konnte 1939 nach England fliehen und dort eine Familie gründen.
Zusammen mit ihren Eltern Max und Hilda Kahn und 1000 anderen jüdischen Menschen wurde Hannelore Marx am 1. Dezember 1941 vom Stuttgarter Killesberg nach Riga deportiert. Im Lager Jungfernhof verlor sie ihre Mutter, in einem anderen Lager ihren Vater. Nach einem langen Leidensweg überlebte Hannelore Marx verschiedene Lager und kehrte nach fast vier Jahren im Oktober 1945 nach Stuttgart zurück. Dort heiratete sie im Winter 1945 Victor Marx, der am 1943 in Baisingen bei Rottenburg geboren wurde. Die Vorfahren von Victor Marx kamen aus Rexingen bei Horb am Neckar. Auch Viktor Marx war mit seiner Frau Marga und seiner Tochter Ruth am 1. Dezember 1941 über Stuttgart nach Riga deportiert worden. Seine Frau und seine Tochter wurden am 26. März bei einer Massenerschießung beim Lager Jungfernhof umgebracht.
Die Eheleute Hannelore und Victor Marx emigrierten im Mai 1946 in die USA und ließen sich in New York nieder. Sie mussten beide die englische Sprache lernen und sich mühsam eine neue Existenz aufbauen. Am 17. Januar 1947 wurde ihr Sohn Larry geboren.
In New York fand das Ehepaar vor allem Anschluss zu jüdischen Familien, die ihren Wurzeln in Rexingen hatten. Im der „Rexinger Benevolent Association“ – einem Wohltätigkeitsverein der Rexinger Juden in New York – wurde das Ehepaar aktiv. Hannelore Marx wirkte dort lange Jahre als Kassiererin und war bis zu ihrem Lebensende Mitglied in diesem Verein.
Nach 1945 besuchte das Ehepaar Marx zweimal Stuttgart und Tübingen, wo Victor Marx mit seiner Familie in den 1930er Jahren gelebt hatte.
1984 starb Victor Marx in New York. Hannelore Marx begann ihre Lebenserinnerungen niederzuschreiben. 2005 wurde dieser ergreifende Bericht vom Rexinger Synagogenverein mit Unterstützung des Archiv der Stadt Stuttgart herausgeben. Hannelore Marx: Stuttgart – Riga – New York. Mein jüdischer Lebensweg.
Zur Vorstellung des Buches besuchte Hannelore Marx im Dezember 2015 zum letzten Mal
Deutschland und Stuttgart und traf sich dort auch mit ehemalige Mitschülerinnen.

Die Erinnerungen von Hannelore Marx sind ein wichtiges Zeitzeugnisse über das Leben einer jüdischen Familie in Stuttgart, das Aufkommen des Nationalsozialismus in Württemberg und den Neuanfang deutscher jüdischer Emigranten in den USA.

Hannelore Marx hat bis zu ihrem Lebensende immer den Kontakt zu jungen Menschen gesucht. In New York hat sie über viele Jahre vor Schulklassen aus ihrem Leben erzählt und für eine demokratische Gesellschaft geworben. Noch im Mai 2016 gab sie Stuttgarter Jugendlichen die Gelegenheit, sie in ihrer Wohnung im New Yorker Stadtteil Washington Heights in einem Filminterview zu befragen. Dieser Film wird im Mai 2017 Premiere haben. Er entsteht im Rahmen des Projektes „FRAGEZEICHEN“, einem Projekt des Stadtjugendrings und der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen.  Er ist das letzte Zeugnis einer ehemaligen Stuttgarterin.

Für Nachfragen:

Heinz Högerle und Barbara Staudacher, Träger- und Fördervereins Ehemalige Synagoge Rexingen,
Tel: 07451-620689

Harald Stingele, Koordination Stuttgarter Stolperstein Initiativen,
Tel.: 0711-467066, Mobil: 0160-97756186

 

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