Aktionsseite zur "Kinderfachabteilung" Stuttgart
Chronologie einer Wahrnehmung

Auf dieser Seite hält Sie das Aktionsbündnis aus "Anstiftern", Personalrat des Klinikums und AK-"Euthanasie" der Stuttgarter Stolpersteininitiativen auf dem Laufenden über den Fortgang und die Hindernisse auf dem Weg zu einer angemessenen Auseinandersetzung der Stadt Stuttgart mit ihrer eigenen Geschichte.

Es geht speziell um die öffentliche Wahrnehmung und Bearbeitung der Existenz einer sog. "Kinderfachabteilung" am ehemaligen Städtischen Kinderkrankenhaus; es geht aber auch um die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der NS-Medizin und deren Menschenbild insgesamt - eine öffentliche Aufgabe, die vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten hochbrisant ist.

Verfolgen Sie hier den (hoffentlich nicht zu langen) Prozess, der mit der Idee begann, diesen Teil der Stadtgeschichte öffentlich sichtbar zu machen. Zur Konkretisierung haben wir diesen Vorschlag um die Aufforderung zur Schaffung einer Arbeitsgruppe NS-Medizin in Stuttgart ergänzt.

Diese Aktionsseite wurde Ende 2015 eingerichtet, also nach fast 2 Jahren mit keinen oder gar ablehnenden Reaktionen durch die zuständigen Vertreter der Stadt. Wir gewähren hier detailliert Einblick in unsere Bemühungen und dokumentieren alle wesentlichen Eckpunkte, die neuesten Ereignisse werden jeweils oben angefügt:

 

4. März 2016

  • Informative Veranstaltung erzeugt Aufbruchstimmung

Veranstaltung: Behandlung empfohlenUnter der vieldeutigen Überschrift "Behandlung empfohlen" konnten wir unser Projekt gemeinsam mit Lern- und Gedenkort Hotel Silber und unterstützt von den Gemeinderatsfraktionen SÖS-LINKE-PluS und SPD einmal ausführlich darstellen. In der gut besuchten Veranstaltung im Stuttgarter Rathaus fasste Dr. Marquart nochmal die Fakten aus seinem Buch zusammen. Ergänzend zeigte Inge Möller von der Stolpersteingruppe Zuffenhausen die Schicksale zweier betroffener Kinder aus ihrem Stadtteil auf und Matthias Herbert Enneper erzählte von seiner Begegnung mit der Mutter der im damaligen Kinderkrankenhaus des Dr. Lempp ermordeten Gerda Metzger.

Die Zuhörer zeigten sich erstaunt, wie bei solch klarer Faktenlage die Existenz der Kinderfachabteilung Stuttgart jemals angezweifelt werden konnte. Diese Frage war dann auch Gegenstand der anschließenden Diskussion, die darum kreiste, daß man sich in Stuttgart - im Vergleich zu anderen Städten - offenbar besonders schwer tut, sich mit der eigenen NS-Geschichte zu beschäftigen.

Martin Rexer vom AK "Euthanasie" erinnerte in seinem Referat an zahlreiche Beispiele, wie etwa den Skandal um die Stadtchronik in den 70er-Jahren, wo ebenfalls qualitativ hochwertige, z.T. ehrenamtlich geleistete Arbeit unterdrückt und durch auslassende und beschönigende Publikation ersetzt worden war. Andererseits wurde auch darauf hingewiesen, daß in der Erinnerungskultur Stuttgarts, etwa in der Struktur des Hotel Silber, bürgerschaftliches Engagement einen relativ hohen Stellenwert erfährt.

Die lähmende Summe aus ausbleibender Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit und mangelhaftem Engagement der öffentlichen Organe war schließlich der Ausgangspunkt für die Idee von Harald Stingele von der Initiative Hotel Silber: Sein Vorschlag, bald eine Zusammenkunft der Gemeinderatsfraktionen zu organisieren um gemeinsam Stategien gegen die "Geschichtsvergessenheit" Stuttgarts zu entwickeln wurde allseits begrüßt und von den anwesenden Ratsmitgliedern Laura Halding-Hoppenheit (Linke) und Judith Vohwinkel (SPD) als Aufgabe mitgenommen.
Übrigens: Bürgermeister Wölfle wurde zwar auf dem Gang gesichtet, hat aber den Weg zur Veranstaltung schließlich nicht gefunden.

 

26. Februar 2016

  • Wir machen mit

Klar, daß wir uns an der Gründung dieser Arbeitsgruppe beteiligen. Das haben wir heute auch dem Rathaus mitgeteilt. Unser dabei geäußerter Vorschlag, auch den Personalrat des Klinikums einzuladen, wird nun offenbar berücksichtigt.

 

22. Februar 2016

  • Bürgermeister Wölfle gründet eine "Arbeitsgruppe"

Heute ist das Schreiben eingetroffen, mit welchem die Stadtverwaltung ihre Ablehnung offiziell zurückgenommen hat! Der Weg zu einem angemessenen Gedenken an die NS-Medizinverbrechen in Stuttgart ist also sozusagen wieder bei Null angekommen.

Doch es gibt nun gewichtige Gründe für die Hoffnung auf einen qualitativen Fortschritt. Denn nicht nur, daß die - im Wesentlichen von Dr. Karl-Horst Marquart - vorgelegte "Indizienkette" nun als Grundlage für eine  "eindeutige Aussage" gemeinsam anerkannt wurde, man war sich auch einig, daß nun "eine Gedenktafel oder Vergleichbares im Gedenken an die ermordeten Kinder angebracht werden soll".

In dem Schreiben wird auch erkennbar, daß die zahlreichen Stellungnahmen externer Experten - für die wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken - durchaus ihre Wirkung erzielt haben.

Ganz Administrator schreitet der Bürgermeister im Weiteren zur Tat - und benennt die Mitglieder einer Arbeitsgruppe, die er demnächst zu einem Vor-Ort-Termin einladen möchte. Daß er damit sowohl den Kreis derer, die mitreden dürfen bestimmt als auch schonmal die Aufgabenstellung vordefiniert, gehört vermutlich zur Verwaltungsroutine.

interpretieren Sie hier selbst

Im Aktionsbündnis freut man sich auf jeden Fall über den erreichten Meilenstein und sieht dem weiteren Fortgang hoffnungsfroh entgegen.

 

18. Februar 2016

  • Bürgermeister Wölfle lenkt ein

Das ist zumindest aus der Stuttgarter Zeitung zu erfahren (eine direkte Info ans Aktionsbündnis steht weiterhin aus). In dem Artikel wird von einem Gespräch zwischen Wölfle, Stadtarchivar Müller und dem Buchautor Karl-Horst Marquart berichtet, in welchem die historische Faktenlage nochmals erörtert worden sei. Der Ablehnungsbescheid Wölfles wird darin als Folge von Missverständnissen beschrieben, die nun ausgeräumt seien.

Wölfle wolle nun "zeitnah mit allen Beteiligten einen Termin in der Türlenstrasse" anstreben. Das liegt zwar leicht neben dem Vorschlag des Aktionsbündnisses, zunächst eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu bilden, die Grundlagen und Form für ein angemessenes Gedenken erarbeiten soll, lässt aber doch erstmals auf einen echten Fortschritt hoffen.

 

27. Januar 2016

  • "... wir Ehrenamtlichen danken es Ihnen nicht."

Unter dem Eindruck des Holocaust-Gedenktages läßt sich Martin Rexer dazu hinreissen, dem Stuttgarter Oberbürgermeister einmal ausführlich und unverblümt die Meinung zu sagen.

aus dem Brief von M. Rexer an OB Kuhn

Martin Rexer ist Mitglied des AK "Euthanasie" der Stuttgarter Stolpersteininitiativen, hat in seiner Eigenschaft als Kulturwissenschaftler u.a. das Konzept für das erste württembergische Psychiatriemuseum in Zwiefalten entwickelt und hat darüber vielfältige Erfahrungen mit öffentlichen Entscheidungsträgern gesammelt.

Sein persönlich gehaltenes Statement wird vermutlich vielen Ehrenamtlichen aus der Seele sprechen, indem es den obersten Entscheidungsträger dieser Stadt auffordert, ehrenamtliches Engagement nicht nur zu konsumieren, sondern ernsthaft zu fördern.

Bleibt zu hoffen, dass sein Appell dazu beiträgt, die zähe Unbeweglichkeit der Stadt Stuttgart bei der Aufarbeitung der hier begangenen NS-Medizinverbrechen aufzulösen -und daß wir bald an dieser Stelle eine Erwiderung von OB Kuhn lesen können.

Hier der Brief

 

26. Januar 2016

  • hochkarätige Experten fühlen sich provoziert ...

Diesmal Prof. Dr. med. Dr. phil. Udo Benzenhöfer, Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Frankfurt, der sich durch das oberflächliche Ablehnungsschreiben der Stadt Stuttgart zu einer Stellungnahme genötigt sah - die wir erst heute in die Hand bekamen und die wir natürlich sofort zugänglich machen:

Stellungnahme von Prof. Dr. Dr. Benzenhöfer

Prof. Benzenhöfer ist hier nicht irgendein Kommentator, sondern seine Aussagen gehören zur Pflichtlektüre eines jeden Bürgermeisters, der zu diesem Thema irgendeine Entscheidung treffen will - besonders wenn er sich dabei anmaßt, über historische Faktenlagen zu urteilen. (Das erkennt übrigens auch  der Stuttgarter Stadtarchivar Roland Müller an, mit dessen Gutachten BM Wölfle seine Ablehnung begründet hat)

Benzenhöfer ist u. a. Autor der Grundlagenwerke ""Kinderfachabteilungen" und "NS-Kindereuthanasie"" und "Der Fall Leipzig (alias Fall "Kind Knauer") und die Planung der NS-"Kindereuthanasie"". Neben Ernst Klee und Karl-Horst Marquardt ist er einer der wichtigsten Forscher in diesem Bereich und er beschäftigt sich auch weiterhin schwerpunktmäßig mit der Geschichte und Ethik von "Euthanasie" und Sterbehilfe.

zum Download der Stellungnahme

 

19. Januar 2016

  • zum Beispiel Heidelberg: 20 Jahre Vorsprung ...

Dr. Hans-Werner Scheuing, gebürtiger Stuttgarter, weist in seinem Brief an Bürgermeister Wölfle darauf hin, daß es seit fast 20 Jahren ein vergleichbares Mahnmal in Heidelberg gibt.

Mahnmal ZPM Heidelberg

Dr. Scheuing hat bereits im Rahmen seiner Dissertation an der Universität Heidelberg die NS-Geschichte einer Diakonie-Einrichtung für Menschen mit schwerer Behinderung bei Mosbach erforscht und unterstützt seitdem verschiedene Projekte zur Erforschung der Opfer der NS-Euthanasie in Baden -aktuell in Neckargemünd. Ein Verhalten wie in Stuttgart ist ihm dabei offenbar noch nicht begegnet, weshalb er dem zuständigen Bürgermeister Wölfle das Beispiel Heidelberg ausführlich beschreibt.

Den Opfern zum Gedenken - uns zur MahnungGanz bewußt wurde das Mahnmal direkt am Eingang zum Zentrum für Psychosoziale Medizin platziert, der Heidelberger Bürgermeister Schaller (auch Grüne) hat bei der Enthüllung die Bedeutung eines solchen Mahnmals gerade für die aktuelle Auseinandersetzung in der zivilen Gesellschaft betont. Daß die wissenschaftliche Beweislage in Heidelberg durchaus ebenso anfechtbar wäre wie in Stuttgart, hat die Heidelberger Initiatoren (Stadt u. Universitätsklinikum) nicht davon abgehalten, eindeutig Stellung zu beziehen.

Scheuing beendet seinen Brief mit den Worten: "... meine Hochachtung gilt auch Ihnen, wenn Sie sich dazu durchringen, das Ergebnis ihrer Forschungen durch Anbringen einer Gedenktafel an der Klinik in der Türlenstr. 22 zu würdigen und so all jene couragierten Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen, die sich für eine offene Aufarbeitung der NS-Geschichte von Stuttgart einsetzen."

 

 

28. Dezember 2015

    • Hoffnung auf Versachlichung

Bürgermeister Wölfle lässt bei einem Mitglied des AK "Euthanasie" anrufen: Ziel ist die Findung eines gemeinsamen Termins zur Erörterung der unterschiedlichen Positionen. Das Zustandekommen des Termins wird dabei von der Teilnahme des Stadtarchivars Dr. Roland Müller abhängig gemacht, der derzeit krankheitsbedingt nicht erreichbar ist.

Über den Newsletter des Fritz Bauer Freundeskreises wird bekannt, daß Bürgermeister Wölfle dessen offenen Brief beantwortet hat. Darin verweist er auf die Stellungnahme des Stadtarchivars und dessen Empfehlung: "eine Gedenktafel als öffentliche, auch geschichtspolitische Bekundung kann schwerlich auf der Basis einer (hohen) Wahrscheinlichkeit errichtet und formuliert werden"Zitat Wölfle vom 10.12.2015

Lesen Sie hier das ganze Schreiben (irgendwie schade, daß es erst auf Umwegen bekannt wird - wo es doch eigentlich Gesprächsbereitschaft signalisieren soll (der "Setzer")

Kleine Anmerkung in diesem Zusammenhang: Von den Initiatoren ist der Begriff "Gedenkplatte", wenn überhaupt, dann stets als ein Beispiel für eine angemessene Gedenkform benutzt worden. Die Findung einer solchen Form sollte nach dem Vorschlag der Initiatoren eine noch zu bildende Arbeitsgruppe leisten.

Die Debatte befindet sich also derzeit in einer Phase, wo es zunächst einmal um die allseitige Anerkennung der Notwendigkeit zur Auseinandersetzung mit den Medizinverbrechen der Nationalsozialisten und deren Unterstützer überhaupt geht. Wer in einer solchen Phase bereits Ablehnungen ausspricht, muss sich aus der Perspektive der Initiatoren allerdings fragen lassen, ob er Bürgerinitiativen hinreichend ernst nimmt - und wie er sich die Bearbeitung einer solchen Thematik ohne Einbindung derselben vorstellt. 

 

21. Dezember 2015

  • Wölfles Briefkasten bekommt keine Ruhe

Diesmal wendet sich die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ans Stuttgarter Rathaus und bezeichnet die Haltung der Stadt als "(...) sachlich nicht nachvollziehbar; sie erschient geradezu geschichts und lebensfremd angesichts der vorliegenden Ergebnisse der historischen Forschung."

Im Auftrag der Historischen Kommission der DGKJ hatte im Jahr 2013 Prof. Dr. phil. Thomas Beddies gemeinsam mit Bürgermeister Wölfle die Veranstaltungsreihe zur Kindereuthanasie in Stuttgart eröffnet. Nun gehört er zu den Unterzeichnern dieses Protestschreibens welches mit einem eindeutigen Statement endet:

"Die Historische Kommission der DGKJ plädiert nachdrücklich für die Anbringung einer Gedenk- und Informationstafel in der Türlenstrasse 22."

 

08. Dezember 2015

  • Wölfle will reden?!

Die Grüne Landtagsvizepräsidentin und u.a. Mitglied im Verein "Zeichen der Erinnerung" Brigitte Lösch teilt dem Aktionsbündnis mit, daß Bürgermeister Wölfle "... zugesagt hat ein gemeinsames Treffen Ende Januar/Februar einzuberufen um das weitere Vorgehen zu besprechen.." 

Wir dürfen gespannt sein!

 

04. Dezember 2015

  • Fritz Bauer Freundeskreis schreibt an Bürgermeister Wölfle

Als Mitglieder des Fritz Bauer Freundeskreises, Braunschweig von den Vorgängen in Stuttgart erfahren, sind sie erstmal entsetzt "... hat mich zunächst sprachlos gemacht. Hier in Braunschweig haben wir ja den Fritz Bauer Freundeskreis, und im Sommer hatte ich hier im Rahmen des Begleitprogramms zum „Denkmal der Grauen Busse“ einen Vortrag über Fritz Bauer und die Ermittlungen zur NS-„Euthanasie“ gehalten. Da ging es um die Anklageschrift von Bauer gegen Werner Heyde aus dem Jahr 1962. Im Mittelpunkt gerade dieser Anklageschrift steht die sogen. „Kinder-Euthanasie“. Erstmalig wurde hier dieser Komplex sorgfältig aufgearbeitet, auch Ernst Klee konnte darauf aufbauen.Dass nun gerade in der Geburtsstadt von Bauer das Thema „Kinder-Euthanasie“ dermaßen fragwürdig behandelt wird, ist schon ein Unding. Auch in unserem Rundbrief werde ich drauf aufmerksam machen, Sicher ist es gut, wenn Herr Marquardt an dem Thema dran ist. Aber sicher ist auch weitere Unterstützung nötig. Von unserer Seite wird diese gern kommen. Wie gesagt, zunächst muss ich einmal diese Sprachlosigkeit überwinden. Die Stadt müsste auch einmal zeigen, wie sie selber an dem Thema dran ist ..."

... und dann schicken sie diesen Brief nach Stuttgart - was das Aktionsbündnis sehr hilfreich und nachahmenswert findet.

 

02. Dezember 2015Der gespaltenen Wölfle

  • Die Presse wundert sich über Wölfle

Gleich mit 2 Beiträgen geht die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitung Kontext auf die Ablehnung durch Bürgermeister Werner Wölfle (Grüne) ein: Dietrich Heißenbüttel wundert sich über den "gespaltene(n) Wölfle" und Karl-Horst Marquart stellt sein neues Buch vor: "Behandlung empfohlen".

  • "Behandlung empfohlen": Neue Forschungsergebnisse von Dr. Karl-Horst Marquart

"Behandlung empfohlen"Nach akribischen Materialstudien kann Dr. Karl-Horst Marquart nun weitere Belege für die Existenz einer "Kinderfachabteilung" am ehem. Städtischen Kinderkrankenhaus vorlegen. So hat er etwa in der Korrespondenz der NS-Stellen eindeutige Verweise auf die Kinderfachabteilung des Dr. Lempp gefunden. Das 332 Seiten starke Buch erscheint anfang 2016 im Peter Grohmann Verlag.

 

 

01. Dezember 2015

  • Eine Zeugin meldet sich

Aufgrund seines Artikels in der Stuttgarter Zeitung meldet sich eine ehemalige Kinderkrankenschwester beim Autor Thomas Faltin und berichtet von "merkwürdig apathischen Kindern" in der damaligen "Kinderfachabteilung" 

 

27. November 2015

  • "... Entscheidung überdenken.."

Auch im Sächsischen Psychiatriemuseum Leipzig, fragt man sich, was die Qualität der historischen Beweislage eigentlich mit der Bereitschaft zur Erinnerung zu tun hat: lesen Sie hier

 

25. November 2015

  • Dr. Frank Janzowski schreibt ans Rathaus

... genügt das nicht?Dr. Frank Janzowski hat mit seinem  Buch "Die NS-Vergangenheit in der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch" den Landespreis für Heimatforschung Baden Württemberg 2015 erhalten, war lange als Psychotherapeut in Wiesloch tätig - und fordert in einem Schreiben an die Stadt zum nochmaligen Nachdenken über diese Entscheidung auf.

 

24. November 2015

  • "... schäme ich mich, zu den Bürgerinnen Stuttgarts zu gehören"

Auch Dr. Hähner-Rombach wendet sich entrüstet ans Rathaus:

"Sehr geehrte Damen und Herren,
ich empfinde die Ablehnung der Stadt Stuttgart, eine Gedenktafel für die Kinder der „Fachabteilung“ an dem betr. Gebäude anzubringen, als äußerst beschämend. Dass 70 Jahre nach dem Ende der NS-Herrschaft noch immer Opfer als solche in Frage gestellt werden, ist unerträglich.
Die Begründung im Ablehnungsbescheid ist fadenscheinig, diejenige von Bürgermeister Wölfle, die im Bericht der STZ vom 21. November wiedergegeben wurde, ist skandalös und zeugt von extremer Unkenntnis: Die bereits und zum Teil schon lange bestehenden Gedenktafeln und Mahnmale zu den  Krankenmorden in der Psychiatrie haben dort nicht zur Verunsicherung der Patientinnen und Patienten geführt, sondern im Gegenteil eine offene Gesprächsatmosphäre geschaffen.
Wenn sich die Haltung der Stadt nicht ändert, schäme ich mich, zu den Bürgerinnen Stuttgarts zu gehören.
Mit freundlichem Gruß
Dr. Sylvelyn Hähner-Rombach"

22. November 2015

  • Zeitungsbericht: "Historiker streiten über getötete Kinder"

Merkwürdige Überschrift, aber immerhin: Die Stuttgarter Zeitung berichtet über die Ablehnung durch Werner Wölfle. Für aufmerksame Leser taucht die Frage auf, ob die schwierige Beweislage vielleicht als vorgeschobenes Argument missbraucht worden sein könnte ...

 

18. November 2015

  • Der Stadtarchivar legt seine Fakten auf den Tisch

"... Selbstredend bin ich (...) an einer weiteren Erforschung und Klärung des Sachverhalts sowie an einem zielführenden Diskurs sehr interessiert und stehe dafür gern zur Verfügung" schreibt der Leiter des Stadtarchivs, Roland Müller, und stellt dem Aktionsbündnis den Text seiner Stellungnahme an Bürgermeister Wölfle zur Verfügung. Es wird klar: Diese Stellungnahme eignet sich nicht wirklich zur Ablehnung des beantragten Gedenkens.

 

11. November 2015

  • Wir wenden uns an die Presse

In einer Pressemitteilung macht das Aktionsbündnis auf das fragwürdige Verhalten der Stadt aufmerksam und kontert deren Verschleppungstaktik mit dem Satz: "Vergessen ist menschlich - Wahrnehmungsverweigerung aber katastrophal".

 

10. November 2015

  • Verständnis? Wie bitte?

Das Aktionsbündnis fordert den Bürgermeister auf, die Grundlagen seiner Entscheidung zu präzisieren, statt um "Verständnis" zu bitten.

hier unser Brief

 

30. Okober bis 30. November

  • Bebauungsplan-Aufstellung für Bürgerhospital / Türlenstrasse

Im Rahmen der "frühzeitigen Bürgerbeteiligung" sind für einen kurzen Zeitraum die ersten Planungen für die Neubebauung bzw. Umnutzung dieses Areals öffentlich. Daß bei den Planern der Stadt kein Bewußtsein über die historischen Aspekte besteht, erkennt man daran, daß in der vorgesehenen Machbarkeitsstudie dieses Thema nicht vorkommt und daß wir im selben Zeitraum zwar ein lapidares Ablehnungsschreiben aber keine Info über diesen Vorgang bekommen haben. 
Wir haben diesen Aspekt schriftlich eingebracht und folgende (Standard-)Antwort bekommen:
"... Die eingegangenen Argumente werden geprüft und in den zuständigen Gremien behandelt. Nach der Ausarbeitung des Bebauungsplanentwurfs wird dieser mit Begründung einen Monat lang öffentlich ausgelegt; der Zeitraum wird im Amtsblatt der Landeshauptstadt bekannt gegeben. (...). Sie haben dann wiederum die Möglichkeit, zur Planung Stellung zu nehmen. Sollten Sie in der Zwischenzeit noch Fragen haben, können Sie sich gerne an den zuständigen Sachbearbeiter, Herrn Dörle, Tel.: 216-20124, wenden..."

20. Oktober 2015

  • Die Ablehnung

Mit einem unverschämt oberflächlich begründeten Schreiben läßt Bürgermeister Wölfle den Antrag des AK "Euthanasie" ablehnen. Er beruft sich auf die schlechte Beweislage - Kunststück bei einem Forschungsgegenstand, der bekanntlich von den Nazitätern systematisch vernichtet wurde. (Wenn ihm dieses Vorgehen 'mal nicht auf den Zehen fällt ....)

 

im August 2015

  • Das Gutachten

Bürgermeister Wölfle lässt sich von Stadtarchivar Roland Müller eine "Stellungnahme zum historischen Hintergrund geben. Versatzstücke daraus wird er 2 Monate später als Begründung für sein "Njet" verwenden. Das Aktionsbündnis erhält auf Nachfrage im November Einblick.

 

17. Juli 2015

Alle möglichen Kommunikationsformen nutzend, gingen Mitglieder des AK "Euthanasie" sogar soweit, das Instrument der "Gelben Karte" auf der Web-Seite der Stadt Stuttgart zu nutzen, um sich über das verzögernde, bürokratische Gebaren der Stadt zu beschweren.

Hier die Eingabe

 

06. bis 29. November 2013

Erstmals wird in Stuttgart das Thema Kindereuthanasie für eine breitere Öffentlichkeit dargestellt: Auf Initiative des AK "Euthanasie" wird die Ausstellung der Historischen Kommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) im Stuttgarter Rathaus gezeigt. Der AK organisiert zusätzlich zahlreiche Veranstaltungen mit unterschiedlichen Partnern. Bürgermeister Wölfle eröffnet die Ausstellung mit Dr. phil. Thomas Beddies vom Institut für Geschichte der Medizin an der Charité.

Bei der Abschlussveranstaltung bekennt sich Bürgermeister Wölfle zur Weiterarbeit am Thema.

 

08. Mai 2013

  • Kontext Wochenzeitung: "Vertuschter Kindsmord"

Hermann G. Abmayr berichtet über Gerda Metzger und nennt auch die Täter beim Namen.

 

14. April 2013

Durch das Bekenntnis einer Mutter auf dem Sterbebett bekommt das Schicksal eines Stuttgarter Opfers Eine Nachbarin: 's had gheißa, se sei fortkomme ...der Kindereuthanasie erstmals ein Gesicht und die Forschungen von Dr. Karl-Horst Marquart eine konkrete Bestätigung. In einer bewegenden Zeremonie unter Mitwirkung von Gruppen von Menschen mit Behinderungen und Unterstützung durch das Bauamt der Stadt Stuttgart verlegt Gunter Demnig einen Stolperstein am Tatort in der Türlenstrasse.

zum Zeitungsartikel vom 3. April 2013

 

04. März 2013

  • Kontext Wochenzeitung: "Stuttgarter Kindsmord"

Als Erster erzählt Hermann G. Abmayr in der Presse vom Schicksal der kleinen Gerda Metzger, die in der sogenannten "Kinderfachabteilung" des Stuttgarter Kinderkrankenhauses ermordet wurde. In seinem Artikel setzt er sich auch mit der historischen Faktenlage und den (durchaus fragwürdigen) Thesen von Leugnern der Existenz einer solchen Abteilung in Stuttgart auseinander: Neben dem Enkel des verantwortlichen Leiters Lempp der Backnanger Geschichtslehrer Rolf Königstein - auf dessen Thesen sich später die von Bürgermeister Wölfle für seine Ablehnung herangezogenen Zweifel beziehen sollen.

 

 

 

 

im November erschienen:

Unerwünscht

Mehr Infos

im Januar erschienen:

Buchcover: "Behandlung empfohlen"

Jetzt bestellen...

Publikationen aus dem Stuttgarter Norden

Else-Kahn-Broschüre Broschüre über „Else Kahn, geb. Jeselsohn. Nachgetragene Würde – nachgetragene Liebe. Eine Lebensgeschichte“

 

Broschüre „Der Killesberg unterm Hakenkreuz"
 

 

Broschüre JudenladenDer Stuttgarter "Judenladen": Ein fast vergessenes Stück Stuttgarter Stadtgeschichte
 

Mehr Infos

Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern

Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier

Weitere Infos

Das jüdische Zwangsaltenheim in Eschenau und seine Bewohner

Herausgegeben von Martin Ulmer und Martin Ritter

Infos und Bezug

Aus dem KZ Theresienstadt: "Was mich aufrecht erhielt, war die Post ..."

Postkarten aus Theresienstadt von Gertrud Nast-Kolb an ihre Tochter Ilse in Stuttgart (1944-1945)

Was mich aufrecht erhielt, war die Post... Titelblatt

 

heraus-gegeben von Margot Weiß

 

 

Infos und Bezug

Verlegt

Krankenmorde 1940-41 am Beispiel der Region Stuttgart
buchumschlag-verlegt-elke

 

heraugegeben von Elke Martin

 

 

 

Info und Bestellung

Neu aufgelegt: Spuren vergessener Nachbarn

Titel Stolpersteinbuch
Das
Stuttgarter
Stolpersteinbuch
 

 

 Info und Bestellung

Ernst Köhler

im August 1940 in Grafeneck ermordet - weil er krank war
weiter

Walter, Hanna, Sofie, Rose, Erich, Auguste, Albert und Werner Levi

die ganze Familie wurde von den Nazis auf erschreckend gründliche Weise vernichtet weiter

Max und Mathilde Henle

Letzter frei gewählter Wohnort:
Hohentwielstrasse 146 B, Stuttgart Süd

Lydia Heilborn und ihre Tochter Gertrud

die Tochter in Grafeneck ermordet, die Mutter in Theresienstadt weiter

Hermine Wertheimer

zwangsevakuiert, deportiert und enteignet weiter