Am Dienstag, den 15. September 2015, ab 13 Uhr:
Gunter Demnig verlegt wieder Stolpersteine in Stuttgart

Gerade hat der Kölner Künstler Gunter Demnig erstmals in Griechenland Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Mittlerweile erinnern damit in 20 europäischen Ländern an weit über 1.300 Orten rund 54.000 Stolpersteine an Juden, "Euthanasie"-Opfer, Politisch Andersdenkende, Zeugen Jehova, Sinti und Roma, Homosexuelle und andere Opfer des Nazi-Wahnsinns.

Da das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana, einer der höchsten Feiertage im Judentum, auf den 15. September 2015 fällt, werden wir an diesem Tag keine Stolpersteine für jüdische Opfer der Shoa in Stuttgart verlegen. Der Fokus der Verlegungsaktion liegt deshalb auf "Euthanasie"-Opfern, also auf Menschen, die wegen einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung ermordet wurden. Zu den bereits mehr als 800 Stolpersteinen in Stuttgart werden insgesamt sechs weitere hinzukommen:

In Bad Cannstatt wird ein Stolperstein für Berta Grau verlegt, die als "Euthanasie"-Opfer im Alter von 42 Jahren in Grafeneck mit Gas ermordet wurde.

In Stuttgart-Ost wird an Ernst Dreher, Karl Wieland und Hedwig Lutz erinnert. Ernst Dreher (32) entwickelte seit 1935 eine psychische Erkrankung und wurde, da Klinikaufenthalte nur vorübergehend Besserung brachten, 1939 in die Heilanstalt Zwiefalten gebracht, von wo er am 9. Dezember 1940 nach Grafeneck kam. Vier Tage später wurde das Morden dort endgültig eingestellt. Karl Wieland (69) war 1932 krankheitsbedingt in den Ruhestand versetzt worden. Danach zeigten sich bei ihm psychische Veränderungen, die 1934 zur Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Weissenau bei Ravensburg führten. Von dort aus kam er 1940 zur Ermordung nach Grafeneck. Auch Hedwig Lutz (34) war wegen einer psychischen Erkrankung seit 1933 in Weissenau, kam dann im Mai 1939 in die Heilanstalt Liebenau, von wo sie 1940 nach Grafeneck gebracht und ermordet wurde.

Adolf Fritz Müller (29) aus Feuerbach wurde 1932 wegen psychischer Auffälligkeiten in das Bürgerhospital eingewiesen, von wo er in die Heilanstalt Weissenau kam. 1940 wurde er in Grafeneck ermordet.

Das jüngste Opfer ist Lore Ruisinger aus Weilimdorf. Sie wurde am 20. Februar 1939 mit einer geistigen Behinderung geboren, was dem Gesundheitsamt in Stuttgart gemeldet werden musste, und kam deshalb auf Anweisung aus Berlin im Oktober 1941 in die sogenannte "Kinderfachabteilung" der Heilanstalt Eichberg bei Hattenheim im Rheingau, wo sie am 21. April 1942 mit einem Medikament getötet wurde.

Verlegungsplan für Stolpersteine in Stuttgart am 15. September 2015
 
Die im nachfolgenden Plan angegebenen Uhrzeiten können nur eine grobe Orientierung für den vorgesehenen Zeitpunkt der Verlegung sein. Verschiebungen lassen sich trotz sorgfältiger Planung leider nicht ganz ausschließen. Änderungen sind möglich. Aufgrund des eng bemessenen Zeitplans kann Gunter Demnig an den vor Ort stattfindenden Rahmenveranstaltungen jeweils nur kurz teilnehmen! Wer bei einer Steinverlegung dabei sein will, sollte sich deshalb möglichst frühzeitig am Verlegungsort einfinden.

Stolpersteine für Stuttgart am Dienstag, den 15. September 2015
(Uhrzeit~Steinverlegung):

13:00 Uhr, Cannstatt, Schmidener Str. 152, 1 Stein für Berta GRAU - Ermordet 1940 in Grafeneck

13:30 Uhr, S-Ost, Rotenbergstr. 120, 1 Stein für Ernst DREHER - Ermordet 1940 in Grafeneck

13:45 Uhr, S-Ost, Grünblickstr. 1, 1 Stein für Karl WIELAND - Ermordet 1940 in Grafeneck

14:00 Uhr, S-Ost, Farrenstr. 21, 1 Stein für, Hedwig LUTZ - Ermordet 1940 in Grafeneck

14:30 Uhr, Feuerbach, Kapfenburgstr. 23, 1 Stein für Adolf Fritz MÜLLER - Ermordet 1940 in Grafeneck

15:00 Uhr, Weilimdorf, Dachtlerstr. 5, 1 Stein für Lore RUISINGER - Opfer der Kinder-“Euthanasie“

Die öffentlichen Stolperstein-Verlegungen werden von ausschließlich ehrenamtlich tätigen Stadtteilinitiativen organisiert, über die Sie auch Informationen zu den einzelnen Opferschicksalen sowie weitere Aktivitäten erhalten.

Weitere Informationen über die Stolpersteine in Stuttgart und die Stuttgarter Stolperstein-Initiativen finden Sie im Internet unter www.stolpersteine-stuttgart.de, über Stolpersteine allgemein und Gunter Demnig unter www.stolpersteine.com.

Alle Stuttgarter Stolperstein-Initiativen freuen sich über Ihre Unterstützung, beispielsweise bei der Erforschung der Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus oder der Pflege bereits verlegter Stolpersteine.

Verlegungsplan

StolperKunst belebt Erinnerung

 

Logo StolperKunst

 

...ein Projekt der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen gegen Geschichtsvergessenheit!

 

http://www.stolperkunst.de

Warum Stolpersteine?

Für Hannelore Levi und ihre Eltern Berta und Ernst, letztere 1942 in Riga ermordet, wurden im Herbst 2017 Stolpersteine in Stuttgart verlegt. Pip McCosh (*1965, Neuseeland), Tochter von Hannelore Levi (*1928, Stuttgart,  gest. 2012, Neuseeland) schrieb am 22. Januar 2018 eine e-mail, die anschaulich zeigt, dass Stolpersteine ihre Schleifen bis ins Hier und Jetzt ziehen...

 

Mehr lesen...

in der Reihe TÜBINGER JUDAISTISCHE STUDIEN erschienen:

Briefe zur JÜDISCHEN EHEVERMITTLUNG 1911-1921

 

Info von Rainer Redies

im November erschienen:

Unerwünscht

Mehr Infos

im Januar erschienen:

Buchcover: "Behandlung empfohlen"

Jetzt bestellen...

Publikationen aus dem Stuttgarter Norden

Else-Kahn-Broschüre Broschüre über „Else Kahn, geb. Jeselsohn. Nachgetragene Würde – nachgetragene Liebe. Eine Lebensgeschichte“

 

Broschüre „Der Killesberg unterm Hakenkreuz"
 

 

Broschüre JudenladenDer Stuttgarter "Judenladen": Ein fast vergessenes Stück Stuttgarter Stadtgeschichte
 

Mehr Infos

Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern

Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier

Weitere Infos

Das jüdische Zwangsaltenheim in Eschenau und seine Bewohner

Herausgegeben von Martin Ulmer und Martin Ritter

Infos und Bezug

Aus dem KZ Theresienstadt: "Was mich aufrecht erhielt, war die Post ..."

Postkarten aus Theresienstadt von Gertrud Nast-Kolb an ihre Tochter Ilse in Stuttgart (1944-1945)

Was mich aufrecht erhielt, war die Post... Titelblatt

 

heraus-gegeben von Margot Weiß

 

 

Infos und Bezug

Verlegt

Krankenmorde 1940-41 am Beispiel der Region Stuttgart
buchumschlag-verlegt-elke

 

heraugegeben von Elke Martin

 

 

 

Info und Bestellung

Neu aufgelegt: Spuren vergessener Nachbarn

Titel Stolpersteinbuch
Das
Stuttgarter
Stolpersteinbuch
 

 

 Info und Bestellung

Ernst Köhler

im August 1940 in Grafeneck ermordet - weil er krank war
weiter

Walter, Hanna, Sofie, Rose, Erich, Auguste, Albert und Werner Levi

die ganze Familie wurde von den Nazis auf erschreckend gründliche Weise vernichtet weiter

Max und Mathilde Henle

Letzter frei gewählter Wohnort:
Hohentwielstrasse 146 B, Stuttgart Süd

Lydia Heilborn und ihre Tochter Gertrud

die Tochter in Grafeneck ermordet, die Mutter in Theresienstadt weiter

Hermine Wertheimer

zwangsevakuiert, deportiert und enteignet weiter