Der lange Lauf zum Stolperstein

Artikel aus der Stuttgarter Zeitung

Kai Müller, vom 18.04.2012 08:00 Uhr

Vaihingen - Als die drei Läufer eintreffen, gibt es spontan Applaus für Sozialarbeiter Jürgen Mennel und seine beiden Schützlinge Manfred Stark und Michael Hermann. Die Marathongruppe der Stiftung Lichtenstern (Landkreis Heilbronn) ist an diesem Tag vom Wohnheim des Behindertenzentrums Stuttgart (BHZ) in Birkach zehn Kilometer zur Stolpersteinverlegung nach Vaihingen gelaufen.

„Das ist eine große Ehre für uns“, sagt Mennel, der Vize-Weltmeister im 100-Kilometer-Lauf war. Beim Laufen und der Stolperstein-Bewegung brauche es Ausdauer und Elan: „Das ist daher eine gute Symbolik.“ Begleitet wurden sie bei ihrem Lauf nach Vaihingen auch von Harald Habich mit dem Rad. Doch bei der Verlegung fehlt das Mitglied der Stolperstein-Initiative, weil er sich die Kelley-Barracks für ein Foto als Hintergrund ausgesucht hat. „Die Militärpolizei hat ihn in Gewahrsam genommen“, erklärt Karl-Horst Marquart den etwa 50 Bürgern, die der Stolpersteinverlegung beiwohnten.

Wurde nur 28 Jahre alt

Immerhin die Läufer schafften es rechtzeitig, um zu hören, was Marquart über das Leben Robert Rebmanns zu Tage gefördert hatte. Der psychisch kranke Mann wurde nur 28 Jahre alt. Am 27. Mai 1940 gehörte er zu den 72 Patienten, die von der Heilanstalt Weissenau mit drei grauen Bussen in die NS-Tötungsanstalt Grafeneck gebracht wurden. Für den jungen Mann war dies das Todesurteil: Noch am gleichen Tag wurde Rebmann dort in der Gaskammer ermordet. Insgesamt haben die Nationalsozialisten im Jahr 1940 mehr als 10 600 psychisch kranke und behinderte Menschen in der NS-Tötungsanstalt Grafeneck ermordet.

Damit Rebmanns Schicksal nicht in Vergessenheit gerät, erinnert nun ein Stolperstein an den Vaihinger Bürger. An diesem legen einige Zuhörer Blumen nieder. Die passende Musik steuert die Flötengruppe der Karl-Schubert-Gemeinschaft aus Bonlanden bei. Auch Bezirksvorsteher Wolfgang Meinhardt lauscht dem Klassiker „Die Gedanken sind frei“.

Markus Seeg berichtet über seine Arbeit mit behinderten Menschen im Raphaelhaus im Stuttgarter Osten: „Nicht ich bringe diesen Menschen etwas bei, sie sind vielmehr meine Lehrer geworden.“ Er hoffe, dass noch viele Menschen über die Gedenktafel für Robert Rebmann stolpern und sich Gedanken darüber machen, wie „bunt und vielfältig“ die Gesellschaft ist.
 

StolperKunst belebt Erinnerung

 

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...ein Projekt der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen gegen Geschichtsvergessenheit!

 

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Warum Stolpersteine?

Für Hannelore Levi und ihre Eltern Berta und Ernst, letztere 1942 in Riga ermordet, wurden im Herbst 2017 Stolpersteine in Stuttgart verlegt. Pip McCosh (*1965, Neuseeland), Tochter von Hannelore Levi (*1928, Stuttgart,  gest. 2012, Neuseeland) schrieb am 22. Januar 2018 eine e-mail, die anschaulich zeigt, dass Stolpersteine ihre Schleifen bis ins Hier und Jetzt ziehen...

 

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Briefe zur JÜDISCHEN EHEVERMITTLUNG 1911-1921

 

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Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern

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Das jüdische Zwangsaltenheim in Eschenau und seine Bewohner

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Aus dem KZ Theresienstadt: "Was mich aufrecht erhielt, war die Post ..."

Postkarten aus Theresienstadt von Gertrud Nast-Kolb an ihre Tochter Ilse in Stuttgart (1944-1945)

Was mich aufrecht erhielt, war die Post... Titelblatt

 

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Krankenmorde 1940-41 am Beispiel der Region Stuttgart
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im August 1940 in Grafeneck ermordet - weil er krank war
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Walter, Hanna, Sofie, Rose, Erich, Auguste, Albert und Werner Levi

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