"Was mich aufrecht erhielt, war die Post ...", Postkarten aus Theresienstadt von Gertrud Nast-Kolb an ihre Tochter Ilse in Stuttgart (1944-1945)
Als 1940 Dr. med. Alban Nast-Kolb, langjähriger Direktor der chirurgisch-orthopädischen Abteilung im Olgäle und evangelisch, verstarb, verlor seine jüdische Frau Gertrud den Schutz ihrer "privilegierte Mischehe". Sie kam im Januar 1944 in das Konzentrationslager Theresienstadt, überlebte jedoch und konnte nach der Befreiung durch die russische Armee Ende Juni 1945 nach Stuttgart zurück. Ihre heute hochbetagt in der Schweiz lebende Tochter Ilse Nathan erreichten in dieser Zeit in Stuttgart 120 Postkarten aus Theresienstadt. Obwohl die Karten strengen Regeln und der Zensur unterworfen waren, gelang es Gertrud Nast-Kolb versteckte Botschaften unterzubringen, die von der Tochter entschlüsselt wurden, was auch für das innige Verhältnis von beiden spricht. Schrieb die Mutter, dass "Frau Professor Unger" sie begleitete, dann wusste die Tochter, dass Hunger herrschte, und schickte Lebensmittel. Bedankte sich Gertrud Nast-Kolb für Dinge, die sie gar nicht geschickt bekommen hatte, dann wusste die Tochter, was gebraucht wurde. Und war der Empfängername auf der Karte etwa um "geborene Spängle" ergänzt, dann fehlten Haarspangen. Die Tochter setzte alles daran, mit Päckchen das Überleben der Mutter und anderer nach Theresienstadt deportierter Verwandten zu ermöglichen. Die Postkarten zeugen auch von dem Lebensmut der deportierten Frau und der energischen Hilfe der einfallsreichen Tochter in Stuttgart, die bereit war, dafür auch selbst zu hungern.
In einem erläuternden Gespräch mit Margot Weiß, das auch auf einer DVD mit Filmausschnitten dem Buch beiliegt, liest Ilse Nathan aus den Postkarten vor und gibt Erklärungen. Eindrucksvoll sind die hier erstmals veröffentlichen "Erinnerungen an Theresienstadt", die Gertrud Nast-Kolb unmittelbar nach der Befreiung des Konzentrationslagers, noch vor ihrer Rückkehr nach Stuttgart, aufgeschrieben hat. Ein allgemeiner Aufsatz von Dieter Kuhn über das Konzentrationslager Theresienstadt, wohin 1942, also vor 70 Jahren, erstmals aus Stuttgart deportiert wurde, und eine Textzusammenstellung mit Karten von Franz Schönleber über die Verfolgung und Vernichtung Württembergs bzw. Stuttgarts Juden runden dieses ungewöhnliche Buch ab.
Für Margot Weiß, die zur Initiative Stolpersteine Stuttgart-West gehört, war es ein besonderes Anliegen, mit der Herausgabe dieses liebevoll aufgemachten Buches die Postkarten und ihre Erklärungen auch für zukünftige Generationen zu sichern, was ihr eindrucksvoll gelungen ist. Das Buch mit DVD "Was mich aufrecht erhielt, war die Post ...", Postkarten aus Theresienstadt von Gertrud Nast-Kolb an ihre Tochter Ilse in Stuttgart (1944-1945), ist gerade erst im Barbara Staudacher Verlag Horb (ISBN 978-3-928213-18-9) zum Preis von 22 Euro erschienen.
Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern
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Das jüdische Zwangsaltenheim in Eschenau und seine Bewohner
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Aus dem KZ Theresienstadt: "Was mich aufrecht erhielt, war die Post ..."
Postkarten aus Theresienstadt von Gertrud Nast-Kolb an ihre Tochter Ilse in Stuttgart (1944-1945)
heraus-gegeben von Margot Weiß
Publikationen aus dem Stuttgarter Norden
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2. Der Stuttgarter "Judenladen": Ein fast vergessenes Stück Stuttgarter Stadtgeschichte
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im August 1940 in Grafeneck ermordet - weil er krank war
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