Dr. Abraham Schweizer und Sohn Aron

Abraham Schweizer wurde am 3. Februar 1875 in Schopfloch geboren. Von 1893-1896 besuchte er das Karlsgymnasium Stuttgart und machte dort Abitur.  Nach Studien in Würzburg und Berlin promovierte er 1900 in Tübingen, und ging dann bis 1913 als Rabbinatsvikar und Rabbiner nach Weikersheim.   Aus dieser Zeit stammt das einzige Foto, das wir von ihm besitzen.  Von 1913 bis 1936 wirkte er in Horb, im ersten Weltkrieg als Kriegsseelsorger für den ganzen Schwarzwaldkreis, dann als einziger Bezirksrabbiner für die Gemeinden rund um Horb und in Tübingen, Reutlingen und Rottweil.  1917 wurde er mit dem Charlottenkreuz ausgezeichnet.

Schweizer Abraham Dr.Dr. Schweizer war Vorstandsmitglied im Verein Württembergischer Rabbiner und Mitglied der Stuttgart-Loge.   Im November 1938 wurde Abraham Schweizer nach judenfeindlichen Ausschreitungen in Horb verhaftet und vom 12. bis 29. November 1938 im KZ Dachau gefangen gehalten.  Er kehrte nicht mehr nach Horb zurück, weil er dort, wie er einem Verwandten schrieb, „um sein Leben fürchtete“.  Stattdessen lebte er in Stuttgart zusammen mit seinem Sohn Aron drei Jahre lang in der Wohnung, die ihm früher gehört hatte.   Von dort wurde er im Herbst 1941 nach Oberdorf am Ipf zwangsevakuiert und von dort am 23. August 1942 nach Theresienstadt deportiert.
Am 29. September kam Abraham Schweizer ins Vernichtungslager Treblinka und wurde dort ermordet.

Abraham Schweizer war mit Zerline geb. Bamberger (*1880) verheiratet, die schon 1913 verstarb.   Aus dieser Ehe stammt der Sohn Aron Schweizer, geboren 25.02.1909 in Weikersheim, von dem wir leider nur sehr wenig wissen.  Nach den Stuttgarter Adressbüchern ist Aron Schweizer 1937 nach Stuttgart gezogen, wo seine verwitwete Großmutter Jette Schweizer lebte und die Familie seines Onkels Max.  Aron und Jette lebten im ersten Stock des Hauses Gymnasiumstr. 23 I (die runden Fenster, s.u.).
Als Berufsbezeichnung wird für Aron „Kaufmann“ genannt. Er betrieb im Erdgeschoss des Hauses kurze Zeit eine „Immobilien- und Wohnungsvermittlung“.  Aron Schweizer wurde von Stuttgart aus über Trier, Düsseldorf und Dortmund nach Auschwitz deportiert, wo er - wahrscheinlich am 1. März 1943 - ermordet wurde.

Der Stolperstein, der für Aron Schweizer verlegt wird, ist der 100. Stolperstein, den die Initiative Stuttgart–Mitte betreut.

Am 4. September 2011 wurde in Horb ein Platz nach Abraham Schweizer benannt.Schweizer Abraham u. Aron Stst

Recherche: Klaus Steinke, Stuttgart
Spender/Paten:
Für Gedenkstein Dr. Abraham Schweizer: Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen, vertreten durch Barbara Staudinger und Heinz Hoegerle, 72160 Horb a. N.
Für Gedenkstein Aron Schweizer: Klaus Steinke, Stuttgart

Quellen: Stadtarchiv Stuttgart

Fotos: Andreas Langen, Arge Lola Stuttgart.  Vorbereitung der Steinlegung; ca. 50 PersonenSchweizer-Steinke-Wurmser waren Zeugen der bewegenden Gedenk-Minuten am 22.11.2011.

Begegnung während Straßenaktion am 22.11.2011
Klaus Steinke – Natanel Wurmser.


StolperKunst belebt Erinnerung

 

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...ein Projekt der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen gegen Geschichtsvergessenheit!

 

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Warum Stolpersteine?

Für Hannelore Levi und ihre Eltern Berta und Ernst, letztere 1942 in Riga ermordet, wurden im Herbst 2017 Stolpersteine in Stuttgart verlegt. Pip McCosh (*1965, Neuseeland), Tochter von Hannelore Levi (*1928, Stuttgart,  gest. 2012, Neuseeland) schrieb am 22. Januar 2018 eine e-mail, die anschaulich zeigt, dass Stolpersteine ihre Schleifen bis ins Hier und Jetzt ziehen...

 

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