Melanie, Ignatz und Lothar Oppenheim

Ignatz Oppenheim, * 13.5.1889 , ermordet 1.03.1943 in Auschwitz
Melanie Oppenheim, geb. Richnowsky, * 20.1.1892, ermordet
1.03.1943 in Auschwitz,
Sohn: Lothar, * 14.11.26, ermordet 1.03.1943 in Auschwitz 

 

 

 

 

 

 

 

 

                       

Blick von Leonhardplatz zur Marktstrasse, Pfeil zeigt Lage von alter Schwanen-Apotheke               

Melanie Oppenheim, geb. Richnowsky, war eine von zwei Töchtern von Maximilian Richnowsky und Hanna, geb. Rothschild.  Ihr Vater hatte zusammen mit seinem Bruder Edward ein Gold- und Silberwarengeschäft
gegründet.  In zweiter Generation wurde das Geschäft von Eduards Sohn Max und Melanies Ehemann Ignatz Oppenheim weitergeführt.  Im Wiedergutmachungsantrag beschreibt Max, der 1939 noch fliehen konnte, die Geschichte der Firma folgendermaßen:
“ Die Firma E.&M. Richnowsky wurde 1879 von meinem verstorbenen Vater und dessen Bruder unter dem Namen Eduard & Max Richnowsky gegründet (lt. Eintrag bei der Gewerbesteuer).  Die Firma entwickelte sich aus kleinen Anfängen zu einem ausgedehnten Betrieb.
Das Haus in der Eberhardstr. 23 wurde im Jahre 1907 gekauft und das Ladenlokal dort bezogen.  Die Firma spezialisierte sich in der Folge auf den Gold-, Silber- und Juwelenhandel - An- und Verkauf von Edelmetallen etc.
Es handelte sich um ein gut eingerichtetes Juwelengeschäft, insbesondere auch in antike Gold- und Silbersachen.  Die Firma hatte ständig laufende Inserate in allen führenden Stuttgarter Tageszeitungen täglich.
Die Inhaber der Firma besuchten auch einschlägige Auktionen sowohl in Stuttgart, als auch in benachbarten großen Städten wie München, Mannheim, Karlsruhe und Frankfurt a. M.  Die Firma befasste sich außerdem mit der Übernahme und dem Verkauf großer Warenvorräte von Firmen, die ihren Betrieb einstellten.  Durch diese weit verzweigte Tätigkeit gewann die Firma einen sehr großen Kundenkreis, sowohl in Stuttgart, als auch außerhalb.  Auch gewann die Firma große Anerkennung bei amtlichen Stellen, weil die Inhaber zur Aufdeckung vieler Diebstähle und Einbrüche mitwirkten, indem sie verdächtige Angebote der Polizei meldeten.”  Außer diesem von den Eltern übernommenen Laden eröffnete
Melanie im selben Haus Eberhardstr. 23 einen Laden für „bestickte Vorhänge, Tischdecken, Bettvorlagen usw.“
Melanie und Ignatz hatten zwei Söhne.  Sohn Lothar und Kurt.  Kurt * 6.5.1922 überlebte den Terror der Nazis in England.  Er nannte sich dort Kenneth Albert Osborne.  Sohn Lothar blieb bei den Eltern und zog mit diesen 1941/42 zwangsweise aus der 5-Zimmer-Wohnung in ein Zimmer in der Blumenstr. 2.  Ignatz, dessen Kompagnon Max bereits geflohen war, musste das Geschäft, das in der „Reichspogromnacht“ zerstört worden war, liquidieren.  “Um die Volkswut zu besänftigen“ vereinnahmte die Gestapo den Rest der Waren und übergab sie der Schmuckhandlung von Frau Gallion.
Ignatz war bis zu seiner Deportation als Arbeiter in Stuttgart tätig.
Zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn Lothar *14.11.1926, der noch zur Schule ging, wurde Ignatz Februar 1943 deportiert. Sein Weg ging über Trier, Düsseldorf, Dortmund quer durch Deutschland in das Vernichtungslager nach Auschwitz, mit demselben Transport, wie die Verwandten seiner Frau, Frieda und Arthur Richnowsky.
 

Sitz der Firma E.&.M. Richnowsky, Eberhardstr. 23

Eberhardstr. 23

Heute Schwabenzentrum: Eberhardstr. 33/Nadlerstraße
Die Fortführung der Nadlerstraße hieß früher Dornstraße und davor Kreuzstraße

Quellen:Staatsarchiv Ludwigsburg
            Stadtarchiv Stuttgart
            Foto: G. Unglaub Stuttgart

Recherche und Text: Barbara Heuss-Czisch und Jennifer Lauxmann.
Paten/Spender: Brigitte und Franz Hergenröder

 

 

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