Moses Litowski

Moses (genannt: Moritz) Litowski, geboren am 17.3.1903 in Uman, Gouvernement Kiew(Ukraine), war von jüdischer Herkunft, denn beide Elternteile waren Juden. Er wurde am 31.10.1942 in Auschwitz ermordet.
Die Ehefrau Berta Litowski, geborene Iris, war ebenfalls jüdischer Abstammung. Sie wurde am 3.11.1909 in Stuttgart geboren. Die Eheleute hatten am 22.10.1931 vor dem Standesamt Stuttgart geheiratet. Sie hatten drei Kinder: Inge, Siegfried und Judis. Die Familie wohnte in einer Zweizimmerwohnung in der Wagenburgstraße 135 in Stuttgart-Ost. Nach seiner verfolgungsbedingten Entlassung aus seinem Arbeitsverhältnis bei der Wirkwarenfabrik Isco am 30.6.1935 arbeitete er als Gärtner.
Nach dem Pogrom am 9.11.1938 entschlossen sie sich zur Auswanderung nach Brasilien, wo die Mutter der Ehefrau in Rio de Janeiro lebte. Nach den dortigen Vorschriften durfte sie nur Verwandte in gerader Linie, somit nur ihre Tochter Berta und ihre Enkel, nicht jedoch ihren Schwiegersohn Moses Litowski aufnehmen. Deshalb flüchtete Moses zunächst nach Belgien, wo er unter falschem Namen unterkam. Die spätere Zusammenführung der Familie in Brasilien war geplant.
Die Eheleute hatten zu dieser Zeit zwei Kinder, die damals sechsjährige Tochter Inge und den drei Jahre alten Sohn Siegfried. Die Ausreise der Restfamilie nach Brasilien verzögerte sich, weil die Ehefrau Berta mit ihrem dritten Kind Judis schwanger war. Weil ihr als Jüdin die Entbindung in einer Klinik verboten war, musste sie Judis in ihrer kleinen Wohnung ohne kompetente Hilfe am 8.5.1939 zur Welt bringen. Das hatte eine schwere Brustentzündung zur Folge, die aber nach dem energischen Auftreten eines mutigen Arztes im Marienhospital behandelt werden konnte.
Mit den erforderlichen Papieren konnten Berta und ihre 3 Kinder im November 1939 nach Brasilien auswandern. Sie waren gezwungen viele persönliche Habseligkeiten, darunter eine wertvolle Briefmarkensammlung und selbst der Schmuck von Berta zurücklassen Die Reise war mühsam.
Danach lebte Berta in Rio de Janeiro mit ihren Kindern
- Inge Bordovsk, geborene Litowski, geboren am 29.03.1933 in Stuttgart,
- Siegfried Litowski, geboren am 6.3.1936 in Stuttgart,
- Judis Grimberg, geborene Litowski, geboren am 05.05.1939 in Stuttgart.
Inge und Judis wurden als klassische Tänzerinnen ausgebildet. Inge tanzte auf der Bühne in Brasilien und international. Siegfried als Fernsehtechniker ausgebildet.
Sofort nach dem Ende der Nazi-Herrschaft hat Berta nach dem Verbleib ihres Ehemannes recherchiert. Erst im Januar 1952 hat sie durch eine Nachricht des Belgischen Ministeriums für Wiederaufbau die traurige Gewissheit erhalten, dass er von der Gestapo gefasst, in das Sammellager Caserne Doss in Belgien interniert und dort durch den Transport XVII (Pris. Nr. 72653, 432) nach Auschwitz deportiert und dort am 31.10.1942 ermordet worden ist. Das Amtsgericht Stuttgart hat ihn am 25.1.1952 für tot erklärt.
Berta Litowski kam 1963 nach Stuttgart zum Besuch ihrer Schwägerin Else Blum in der Heusteigstraße 64 in Stuttgart Süd zurück, die sie bei ihren Entschädigungsverfahren vertreten hatte. Am 25.1.1982 ist Berta in Rio de Janeiro gestorben. Sie hinterließ 3 Kinder, 6 Enkelkinder, 1 Urenkelsohn, sowie ihre Schwester.
Recherche und Text Gerhard Hiller mit Ergänzungen von Mauro Bordovsky, Enkel von Moses und Berta, sowie Sohn von Inge
 

Publikationen aus dem Stuttgarter Norden

Else-Kahn-Broschüre Broschüre über „Else Kahn, geb. Jeselsohn. Nachgetragene Würde – nachgetragene Liebe. Eine Lebensgeschichte“

 

Broschüre „Der Killesberg unterm Hakenkreuz"
 

 

Broschüre JudenladenDer Stuttgarter "Judenladen": Ein fast vergessenes Stück Stuttgarter Stadtgeschichte
 

Mehr Infos

Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern

Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier

Weitere Infos

Das jüdische Zwangsaltenheim in Eschenau und seine Bewohner

Herausgegeben von Martin Ulmer und Martin Ritter

Infos und Bezug

Aus dem KZ Theresienstadt: "Was mich aufrecht erhielt, war die Post ..."

Postkarten aus Theresienstadt von Gertrud Nast-Kolb an ihre Tochter Ilse in Stuttgart (1944-1945)

Was mich aufrecht erhielt, war die Post... Titelblatt

 

heraus-gegeben von Margot Weiß

 

 

Infos und Bezug

Verlegt

Krankenmorde 1940-41 am Beispiel der Region Stuttgart
buchumschlag-verlegt-elke

 

heraugegeben von Elke Martin

 

 

 

Info und Bestellung

Neu aufgelegt: Spuren vergessener Nachbarn

Titel Stolpersteinbuch
Das
Stuttgarter
Stolpersteinbuch
 

 

 Info und Bestellung

Ernst Köhler

im August 1940 in Grafeneck ermordet - weil er krank war
weiter

Walter, Hanna, Sofie, Rose, Erich, Auguste, Albert und Werner Levi

die ganze Familie wurde von den Nazis auf erschreckend gründliche Weise vernichtet weiter

Max und Mathilde Henle

Letzter frei gewählter Wohnort:
Hohentwielstrasse 146 B, Stuttgart Süd

Lydia Heilborn und ihre Tochter Gertrud

die Tochter in Grafeneck ermordet, die Mutter in Theresienstadt weiter

Hermine Wertheimer

zwangsevakuiert, deportiert und enteignet weiter