Zukunft braucht Erinnerung!
??die Aura des authentischen Ortes verstärkt jede Dokumentation genau um jene entscheidende Impression, die die Nachhaltigkeit einer Auseinandersetzung mit der NS-Zeit benötigt.?
Prof. Dr. Nachama, Geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin
Resolution für den Erhalt des Gebäudes der ehemaligen Gestapozentrale Stuttgart als authentischen Gedenk- und Lernort
Das Gebäude der ehemaligen Gestapozentrale (1936 - 1945) in der Dorotheenstraße 10, bekannt als ?Hotel Silber?, soll ? wie weitere Gebäude zwischen Markthalle und Kaufhaus Breuninger ? abgerissen werden. Unter dem Projektnamen ?Da Vinci? planen das Land Baden-Württemberg und die Firma Breuninger die Errichtung eines Ministeriums- und Geschäftskomplexes sowie den Bau eines Luxushotels.
Das ?Hotel Silber? war einer der am meisten gefürchteten Folterorte in der Region und galt und gilt noch immer als Inbegriff des NS-Terrors in Württemberg. Hier begann für viele politische Regimegegner des Nationalsozialismus mit brutalen Verhörmethoden der Weg in Zuchthäuser, Konzentrationslager und in den Tod. Von hier aus wurde die Deportation der württembergischen Juden organisiert. Zusammen mit der Kriminalpolizei beteiligte sich die Gestapo am Terror gegenüber weiteren Minderheiten wie z. B. den Sinti und Roma, den Homosexuellen und anderen, der NS-Ideologie missliebigen Personenkreisen.
In unmittelbarer Nähe befanden sich zwei weitere NS-Einrichtungen, das damalige Württembergische Innenministerium, welches unter anderem für die Umsetzung der in Berlin geplanten systematischen Ermordung psychisch kranker und behinderter Menschen in Württemberg zuständig war, und das ?Deutsches Ausland-Institut" im ?Alten Waisenhaus?, das an führender Stelle an der Verwissenschaftlichung der nationalsozialistischen Rassenideologie arbeitete.
Die ehemalige Gestapozentrale ist als authentischer Ort der Geschichte unbedingt zu erhalten. Dieser Ort ist für die Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors und für die Auseinandersetzung mit der Tätergeschichte gleichermaßen wichtig.
Das Gebäude soll als zukünftige Gedenk- und Lernstätte ein NS-Dokumentationszentrum beherbergen und alle Opfergruppen darstellen, die in unserer Region während der Nazizeit verfolgt wurden. Neben einer Dauerausstellung über die Tätergeschichte soll es einer themenbezogenen Bibliothek und Mediathek Platz bieten. Es soll ein lebendiger Denk-Ort entstehen, an welchem sich Menschen begegnen und gemeinsam arbeiten können: Initiativen, Archivare, ForscherInnen, Betroffene, Schülerinnen und Schüler. Diese zukünftige Gedenk- und Lernstätte soll Menschen, Themen und Orte miteinander verbinden. Sie soll ein Forum werden für bereits bestehende wie noch zu entwickelnde Netzwerke und eine Brücke schlagen vom Gestern ins Heute.
Wir fordern das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart auf, eine historisch verantwortliche Entscheidung zu treffen, die dem Gedenken an die Opfer gerecht wird:
? Der ?Tatort Dorotheenstraße 10? muss erhalten und zukünftig als Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum genutzt werden.
? Dies soll in die Ausschreibung des Architekturwettbewerbs für die Neubebauung des ?Da Vinci? - Areals aufgenommen und bei der weiteren Planung berücksichtigt werden.
Initiative für einen Gedenkort im ehemaligen Hotel Silber
AK ?Euthanasie? der Stolpersteininitiativen, DieAnstifter, Initiative Deserteur-Denkmal für Stuttgart, Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg, Mauthausen Komitee Stuttgart, Stadtjugendring Stuttgart, Stuttgarter Stolpersteininitiativen, VVN Kreisverband Stuttgart, Verband Deutscher Sinti und Roma, Weissenburg e.V., Zeichen der Erinnerung
Sie können diese Resolution hier unterschreiben und an den Stadtjugendring schicken.
Weitere Infos unter www.gedenkort-hotel-silber.de
