Wird mit "Da Vinci" Geschichte entsorgt?

Das Land Baden-Württemberg und die Fa. Breuninger haben sich auf die Eckpunkte für die Bebauung am Stuttgarter Karlsplatz geeinigt. Unter der Bezeichnung "Da Vinci" soll das Projekt bis 2013 an der Stelle des jetzigen Innenministeriums ein "urbanes Viertel" (Oettinger) aus Hotel-, Büro- und Ladenflächen schaffen. (siehe Pressemeldung Stgt. Nachrichten v. 05.08.08 als .pdf)

Diskutiert wird bisher viel über Baumasse, Fassadengestaltung, etc., wenig darüber, dass das ehemalige Hotel Silber diesen kühnen Plänen weichen muss - und damit auch ein Stück mahnende Geschichte. Immerhin wird stellenweise beteuert, dass der historische Aspekt irgendwie berücksichtigt werden soll. Innenministerium WürttembergGarnicht diskutiert wird bisher darüber, dass auch der Standort des ehemaligen Innenministeriums Württemberg nicht ohne angemessene historische Bearbeitung überbaut werden kann. Den Umstand, dass das Innenministerium Württemberg eine zentrale Rolle bei der Durchführung der Kranken- und Behindertenmorde in Grafeneck im Jahre 1940 spielte, und dass ein Mahnmal an diesem Ort für das Gedenken der Opfer notwendig wäre hat der AK "Euthanasie" bisher in verschiedenen Zusammenhängen immer wieder betont. Dass darauf offenbar nicht eingegangen wird, hat Mitglieder der Gruppe zu folgender Pressemitteilung veranlasst:

Stuttgart, den 21. August 08
Pressemitteilung

Städtebauliches Entwicklungsprojekt ?Da Vinci?

Es ist erfreulich, dass sich die Junge Union und der Stadtjugendring in die Diskussion zum städtebaulichen Entwicklungsprojekt einmischen und die Forderung erheben, dass in die Stadtentwicklung Geschichte einbezogen werden soll. Hierbei wird auf das ?Hotel Silber? verwiesen, worin sich in der NS-Zeit die Gestapo-Leitzentrale Stuttgart befand.  

Die regionale Instanz zur Planung, Umsetzung und Absicherung der Kranken- und Behindertenmorde in Gestalt des damaligen württembergischen Innenministeriums wird vom Stadtjugendring und der Jungen Union ausgespart, übergangen und mit einer Erinnerungsverweigerung behandelt. Das Ministerium hatte seinen Sitz im Gebäude des heutigen Innenministeriums Baden-Württemberg. Grafeneck auf der Schwäbischen Alb war der Tatort. Innerhalb eines Jahres wurden dort über 10.600 kranke oder behinderte Menschen ermordet. Der Ort, wo der Massenmord von Menschen nach industrieller Machart vorgedacht, geplant, umgesetzt und abgesichert wurde, lag im württembergischen Innenministerium. Im Verbrechenskomplex der NS-?Euthanasieverbrechen? bilden deshalb Grafeneck und Stuttgart eine Einheit, die weit über Stuttgart hinausreicht. Jede Gemeinde in Baden und Württemberg hat Menschen, die im Rahmen der NS-?Euthanasie? ermordet wurden. Es wäre nun endlich an der Zeit, die Erinnerungsverweigerung zum NS-?Euthanasieverbrechenskomplex? aufzugeben und im ?Da Vinci?-Prozeß nach Formen der Erinnerung zu suchen. Dafür würde der Architektenwettbewerb zur städtebaulichen Entwicklung eine gute Möglichkeit bieten.

Harald Habich
>>Zeit trifft Da Vinci<<

Lesen Sie hier eine ausführliche Beschreibung der Rolle des Innenministeriums Württemberg bei der ersten Massentötung in Deutschland


 

StolperKunst belebt Erinnerung

 

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...ein Projekt der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen gegen Geschichtsvergessenheit!

 

http://www.stolperkunst.de

Warum Stolpersteine?

Für Hannelore Levi und ihre Eltern Berta und Ernst, letztere 1942 in Riga ermordet, wurden im Herbst 2017 Stolpersteine in Stuttgart verlegt. Pip McCosh (*1965, Neuseeland), Tochter von Hannelore Levi (*1928, Stuttgart,  gest. 2012, Neuseeland) schrieb am 22. Januar 2018 eine e-mail, die anschaulich zeigt, dass Stolpersteine ihre Schleifen bis ins Hier und Jetzt ziehen...

 

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in der Reihe TÜBINGER JUDAISTISCHE STUDIEN erschienen:

Briefe zur JÜDISCHEN EHEVERMITTLUNG 1911-1921

 

Info von Rainer Redies

im November erschienen:

Unerwünscht

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Buchcover: "Behandlung empfohlen"

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Publikationen aus dem Stuttgarter Norden

Else-Kahn-Broschüre Broschüre über „Else Kahn, geb. Jeselsohn. Nachgetragene Würde – nachgetragene Liebe. Eine Lebensgeschichte“

 

Broschüre „Der Killesberg unterm Hakenkreuz"
 

 

Broschüre JudenladenDer Stuttgarter "Judenladen": Ein fast vergessenes Stück Stuttgarter Stadtgeschichte
 

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Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern

Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier

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Das jüdische Zwangsaltenheim in Eschenau und seine Bewohner

Herausgegeben von Martin Ulmer und Martin Ritter

Infos und Bezug

Aus dem KZ Theresienstadt: "Was mich aufrecht erhielt, war die Post ..."

Postkarten aus Theresienstadt von Gertrud Nast-Kolb an ihre Tochter Ilse in Stuttgart (1944-1945)

Was mich aufrecht erhielt, war die Post... Titelblatt

 

heraus-gegeben von Margot Weiß

 

 

Infos und Bezug

Verlegt

Krankenmorde 1940-41 am Beispiel der Region Stuttgart
buchumschlag-verlegt-elke

 

heraugegeben von Elke Martin

 

 

 

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Neu aufgelegt: Spuren vergessener Nachbarn

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Das
Stuttgarter
Stolpersteinbuch
 

 

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Ernst Köhler

im August 1940 in Grafeneck ermordet - weil er krank war
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Walter, Hanna, Sofie, Rose, Erich, Auguste, Albert und Werner Levi

die ganze Familie wurde von den Nazis auf erschreckend gründliche Weise vernichtet weiter

Max und Mathilde Henle

Letzter frei gewählter Wohnort:
Hohentwielstrasse 146 B, Stuttgart Süd

Lydia Heilborn und ihre Tochter Gertrud

die Tochter in Grafeneck ermordet, die Mutter in Theresienstadt weiter

Hermine Wertheimer

zwangsevakuiert, deportiert und enteignet weiter