Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte wird beleuchtet

Artikel aus der Nord-Rundschau vom 03.04.2008:

Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte wird beleuchtet
In der Bismarckschule wird die Ausstellung "... weggekommen - Abschied ohne Wiederkehr" gezeigt - Schicksal der Sinti und Roma aufgearbeitet
 
Feuerbach. ". . . weggekommen - Abschied ohne Wiederkehr" heißt die Ausstellung des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma. Sie ist noch bis zum 11. April in der Feuerbacher Bismarckschule zu sehen. Im Mai wird sie in der Zuffenhäuser Hohensteinschule gezeigt.

Von Georg Friedel

Am 16. Mai 1940 begann die Deportation von 2800 Sinti und Roma aus Deutschland ins besetzte Polen. Ganze Familien wurden deportiert. Der Weg der Sonderzüge führte mitten durch Asperg. Im Sammellager Hohenasperg wurden mehr als 800 Sinti aus dem süddeutschen Raum zusammengeführt. Dort wurden sie nochmals "rassenbiologisch" untersucht. Endstation war meist die Abteilung "B II e" im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau: "Es hat nichts zu essen gegeben, es hat kein Wasser gegeben, die Leute sind verhungert", berichtet Elke Martin einigen Schülerinnen aus der Klasse 10 der Bismarckschule. Nach der Eröffnung führte die Feuerbacher Vertreterin der örtlichen Stolperstein-Initiative durch die Ausstellung und berichtete anhand der Schautafeln auch über das bittere Schicksal der Sinti-Kinder von Mulfingen. Diese Kinder seien zunächst aufgrund eines besonderen Heimerlasses in der St. Josefspflege, einem katholischen Kinderheim, zusammengefasst worden. Sie dienten dort der sogenannten Forschungsstelle für Rassenhygiene als Versuchsobjekte. Bis zum Ende dieser Untersuchungen blieben die Kinder von Himmlers "Auschwitz-Erlass" ausgenommen. Nach dem Abschluss der Arbeiten wurden sie im Mai 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Auch die medizinischen Versuche, die zu den dunkelsten Kapiteln des Nationalsozialismus gehörten, werden in der Ausstellung nicht ausgespart.

Zudem sind in einem Extra-Schaukasten die sieben Stolpersteine für die ermordeten Sinti aus Feuerbach zu sehen. Die Steine wurden im März auf Wunsch eines Angehörigen nicht vor dem Haus an der Stuttgarter Straße 114 verlegt. Stattdessen werden sie nun als Exponate in der Bismarckschule gezeigt. Die Quadersteine sind mit Messingplatten belegt und weisen auf die Schicksale der in Feuerbach lebenden Familie Reinhardt hin. Am 15. März 1943 wurden Franz und Johanna Reinhardt sowie ihre Kinder Josef, Rudi, Adele Jolanta, Julietta und Roswitha mit dem Transport der württembergischen Sinti vom Güterbahnhof in das KZ Birkenau verschleppt. Sie starben voraussichtlich an Hunger, Entkräftung und Krankheit.

Der Schulleiter der Bismarckschule, Gerald Mandl, betonte, dass die Ausstellung verschiedene Anknüpfungspunkte biete. Zum einen öffne sich die Schule nach außen: "Uns sind alle Besucher willkommen. Sie können ins Schulgebäude kommen und sich die Ausstellung zu den üblichen Öffnungszeiten ansehen", sagt Mandl. Zum anderen könne die Ausstellung im Schulunterricht behandelt werden: "Es ist wichtig, dass auch dieser unrühmliche Teil der deutschen Geschichte ins Bewusstsein der Schüler gerückt wird."

Die Ausstellung ist bis zum 11. April in der Bismarckschule zu sehen. Danach wird sie an die Grund- und Hauptschule Ostheim und anschließend an die Hohensteinschule in Zuffenhausen weitergegeben.
 
Aktualisiert: 03.04.2008 06:05 Uhr
 

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