"Man stolpert mit Kopf und Herz"

Artikel aus den STUTTGARTER NACHRICHTEN vom 24.09.2007:

"Man stolpert mit Kopf und Herz"
30 neue Stolpersteine werden in Stuttgart verlegt und an NS-Opfer erinnern

"Hier wohnte Moses Oppenheimer, 1940 ermordet, KZ Buchenwald": Vor dem Haus Griesinger Weg 9 im Stuttgarter Osten wird von Heute an eine kleine Metalltafel im Boden an den ehemaligen Bewohner und das Opfer der NS-Herrschaft erinnern. Ein Stolperstein, wie es ihn in Stuttgart schon 250-mal gibt. Heute kommen 30 neue dazu.

VON HEIDEMARIE A. HECHTEL

Sie sind 10 mal 10 Zentimeter groß, in den Boden eingelassene Betonsteine mit einer Platte aus Messingblech, in die der Kölner Künstler Gunter Demnig Namen und dürre biografische Daten der NS-Opfer schlägt. "Niemand muss fürchten, dass er wirklich drüberstolpert und zu Schaden kommt", versicherte Demnig am Sonntag bei einer Matinee der Naturfreunde im Clara-Zetkin-Haus in Sillenbuch. Es sei vielmehr so, wie es vor ein paar Tagen ein Schüler in Würzburg ausgedrückt habe: "Man stolpert mit dem Kopf und dem Herzen."

"Ich wollte die Namen dorthin zurückbringen, wo ihre Besitzer einmal gelebt haben", erklärte Demnig die Idee seines Projekts, das er seit 1993 verfolgt und das eine Lawine der Erinnerungskultur ins Rollen gebracht hat: Über 12 500 Steine habe er bisher verlegt, auch in Österreich, "darunter in Braunau", und in Ungarn. Nie habe er das zu hoffen gewagt. Dass 70 Stolpersteine zum Ziel von Zerstörung und Beschädigung, auch in Stuttgart, wurden, entmutigt weder den Künstler noch die Initiativen.

In Stuttgart fand diese Idee zehn Jahre später ihre erste Resonanz im Osten der Stadt, freilich gegen den Widerstand der "Konservativen", wie ein Zeitzeuge berichtete. Mittlerweile sorgen 14 Stolperstein-Initiativen in fast allen Stadtteilen dafür, dass den Verfemten und Ermordeten Namen und damit auch Würde zurückgegeben wird. "So viele Initiativen wie hier gibt es nirgends", bescheinigte Demnig Stuttgart ein exemplarisches Engagement. Denn der Anstoß müsse immer von örtlichen Initiativen und Patenschaften ausgehen. Nicht zuletzt für die Finanzierung der Gedenksteine.

Zum achten Mal ist Demnig hier, um an 18 verschiedenen Adressen im Osten, Westen und Süden der Stadt, in Vaihingen, Zuffenhausen, Stammheim und Bad Cannstatt 30 neue Stolpersteine zu verlegen. Mit, und auch das findet Demnig keineswegs überall vor, Unterstützung des Tiefbauamts.
 
Aktualisiert: 24.09.2007 06:16 Uhr

StolperKunst belebt Erinnerung

 

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...ein Projekt der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen gegen Geschichtsvergessenheit!

 

http://www.stolperkunst.de

Warum Stolpersteine?

Für Hannelore Levi und ihre Eltern Berta und Ernst, letztere 1942 in Riga ermordet, wurden im Herbst 2017 Stolpersteine in Stuttgart verlegt. Pip McCosh (*1965, Neuseeland), Tochter von Hannelore Levi (*1928, Stuttgart,  gest. 2012, Neuseeland) schrieb am 22. Januar 2018 eine e-mail, die anschaulich zeigt, dass Stolpersteine ihre Schleifen bis ins Hier und Jetzt ziehen...

 

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in der Reihe TÜBINGER JUDAISTISCHE STUDIEN erschienen:

Briefe zur JÜDISCHEN EHEVERMITTLUNG 1911-1921

 

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Krankenmorde 1940-41 am Beispiel der Region Stuttgart
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Neu aufgelegt: Spuren vergessener Nachbarn

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im August 1940 in Grafeneck ermordet - weil er krank war
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Walter, Hanna, Sofie, Rose, Erich, Auguste, Albert und Werner Levi

die ganze Familie wurde von den Nazis auf erschreckend gründliche Weise vernichtet weiter

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Hohentwielstrasse 146 B, Stuttgart Süd

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