Karl-Bernhard Rothschild

Karl-Bernhard Rothschild wohnte in der Hohenstaufenstraße 19 von 1933 bis 1938.
Er war am 21.9.1891 in Stuttgart geboren, unverheiratet, berufstätig als Kaufmann und Abteilungsleiter.
Zur Zeit der Verfolgung war er Mitarbeiter bei der Jüdischen Mittelstelle, Hospitalstraße 36. Diese "Mittelstelle" war nach der "Kristallnacht" des 9. November 1938 entstanden. Sie war eine Art Restverwaltung der Israelitischen Kultusvereinigung unter der Doppelaufsicht von Gestapo und Sicherheitsdienst (SD). Sie bemühte sich um die Freilassung der Verhafteten, um Auswanderungen, musste aber auch die Benachrichtigungen für die Deportationen überbringen. "Unsere Stelle wurde ein Sammelpunkt des Jammers und der Verzweiflung", schreibt Karl Adler, der Leiter bis 1940.  

Über das Verfolgungsschicksal Karl-Bernhard Rothschilds wissen wir aus den Akten des Amtes für Wiedergutmachung in Stuttgart nach 1945, die im Staatsarchiv Ludwigsburg aufbewahrt werden. Seine nach Argentinien ausgewanderte Schwester Martha Meyer, geb. Rothschild, geb. 1886, stellte von Buenos Aires aus die Anträge: 
Im Juni 1941 wurde er von einem Berliner Gericht zu 6 Monaten Gefängnis und 1000 RM Geldstrafe verurteilt, weil er entgegen den Bestimmungen über die Vermögenssperre für Juden einige Wertpapiere ohne Genehmigung verkauft hatte.
Zur Zahlung der Geldstrafe und der unverhältnismäßig hohen Gerichtskosten musste er seine Wohnungseinrichtung verkaufen. Er wohnte zu dieser Zeit in der Richard-Wagner-Straße 75.

Weil er seine "Wohnungseinrichtung mit dem vorgeschriebenen Verkaufsantrag durch die Geheime Staatspolizei zum Verkauf gestellt" hatte, wie er im Juli 1942 der Gerichtskasse in Berlin-Moabit mitteilt, urteilt 1962 das Amt für die Wiedergutmachung, dass ihm kein Eigentumsschaden entstanden ist, also kein Anspruch auf Entschädigung besteht. "Nach § 51 BEG hat ein Verfolgter nur dann Anspruch auf Entschädigung, wenn ihm gehörende Sachen im Reichsgebiet nach dem Stand vom 31.12.1937 zerstört, verunstaltet oder der Plünderung preisgegeben worden sind. Dies war aber hier nicht der Fall, die Gestapo hatte die Wohnung bis zur Versteigerung versiegelt. Rothschild schuldete nachweislich der Gerichtskasse noch RM 9.905,92. " Die Anerkennung des Grundsatzes "Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein" ist kaum nachvollziehbar! 
 
Rothschilds Strafantritt wurde auf Betreiben der Mittelstelle mit Einwilligung der Gestapo wegen "großen Arbeitsanfalls" zweimal aufgeschoben.
Doch im Oktober 1942 musste er ins Gefängnis in Rottenburg, dann ins Zuchthaus auf dem Hohenasperg.
Noch im Dezember 1942 wurde er nach Auschwitz gebracht. Von dort kehrte er nicht zurück. Auf 31. Januar 1943 wurde er für tot erklärt.

Recherche & Text: 05/2007, Irma Glaub und Elisabeth Tielsch, Initiative Stolpersteine Stuttgart-Süd.

Quellen: Staatsarchiv Ludwigsburg, Stadtarchiv Stuttgart.

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