Künstler Gunter Demnig verlegt die ersten Stolpersteine in Vaihingen

Artikel aus der Filder Zeitung vom 11.11.2006:

Gegen das Vergessen
 
Künstler Gunter Demnig verlegt die ersten Stolpersteine in Vaihingen
 
Vaihingen. 1941 haben die Nazis das Ehepaar Henriette und Franz Fried deportiert. Ihnen zum Gedenken hat der Künstler Gunter Demnig gestern zwei Stolpersteine vor dem Haus der Deutschen Bank an der Hauptstraße verlegt.

Von Alexandra Böttinger

"Wir sind sehr dankbar, dass diese Steine verlegt wurden. Unsere Verwandten haben kein Grab. Bisher hatten wir keinen Ort, an dem wir trauern konnten. Nun gibt es diese Stolpersteine, und unsere Verwandten können nicht mehr vergessen werden", sagte Anita Rosenak bei der Verlegung der Steine am Freitag. "Außerdem werden auch andere Bürger auf das Schicksal dieser Menschen aufmerksam gemacht", ergänzte ihre Schwester Julia. Die beiden Frauen aus Großbritannien sind Urenkelinnen von Franz Frieds Schwester Melanie. Die Initiatoren der Gruppe "Stolpersteine für Vaihingen", Elisabeth und Karl-Horst Marquart, hatten die beiden Schwestern ausfindig gemacht und nach Stuttgart eingeladen.

Das Ehepaar Fried war nach dem Ersten Weltkrieg nach Stuttgart gekommen. Franz Fried leitete von 1919 bis 1939 die Bank an der Hauptstraße 11 in Vaihingen. Von 1929 bis 1938 wohnten er und seine Frau Henriette in den Räumen im ersten Stock des Gebäudes. "Für hunderte von Jahren haben Bürger jüdischen Glaubens in Deutschland gelebt. Sie waren nicht anders als andere, sie hatten die deutsche Kultur verinnerlicht. Es ist unbegreiflich, warum die Nazis sie vernichten wollten," sagte Anita Rosenak. Am 1. April 1939 wurde Franz Fried vorzeitig in den Ruhestand entlassen. Am 28. November 1941 holte die Geheime Staatspolizei (Gestapo) das Ehepaar aus seiner Wohnung ab. Mit dem ersten Deportationszug, der Stuttgart verließ, wurden sie nach Riga in das Lager Jungfernhof gebracht. Wie sie gestorben sind, ist ungewiss. "Ich möchte meinen Verwandten sagen, dass wir noch immer hier sind. Es gibt noch immer Nachfahren der Familie Fried, aber das Dritte Reich gibt es nicht mehr", so Julia Rosenak.

Die beiden Stolpersteine vor der Bank an der Hauptstraße 11 sind die ersten in Vaihingen. Gunter Demnig hat sie selbst verlegt. "Es sind keine Grabsteine, aber es sind Schlusssteine", sagte der Künstler und Initiator des bundesweiten Projekts. Seit 1993 hat Gunter Demnig mehr als 6000 dieser kleinen Denkmäler in ganz Deutschland vor den Häusern von NS-Opfern in den Gehweg eingelassen. Die zehn mal zehn Zentimeter großen Pflastersteine sind mit einer Messingtafel versehen, auf denen unter der Überschrift "Hier wohnte . . ." die wichtigsten Daten der Opfer eingraviert sind: Name, Lebensdaten und Todesursache.

Viele Vaihinger Bürger waren bei der Verlegung der Stolpersteine vor Ort dabei. "Die Deutschen sind schuldig gewesen. Sie haben damals tausende von Juden ermordet", sagt Anita Rosenak, "aber die Nachfahren trifft keine Schuld, sie sind für den Massenmord nicht verantwortlich. Aber sie haben die Verantwortung, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, und sie dürfen nicht vergessen, was damals geschehen ist."
 
Aktualisiert: 11.11.2006, 06:03 Uhr

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