Stolperstein als Erinnerung an Max Helfer

Fellbacher Zeitung vom 25.04.2006:

Stolperstein als Erinnerung an Max Helfer
 
Gedenktafel im Gehweg für den jüdischen Betreiber von Kaufhäusern in Fellbach, Untertürkheim und Feuerbach
 
Fellbach. Er wurde aus dem Geschäftsleben gedrängt und kam in einem Arbeitslager um. Zum Gedenken des Fellbacher jüdischen Kaufhausbesitzers Max Helfer wird jetzt vor seinem ehemaligen Wohnhaus ein Stolperstein in den Gehweg eingebaut.

Von Hans-Dieter Wolz

Die Brüder Sigmund und Max Helfer hatten seit 1939 Jahren in der Bahnhofstraße 71 in Fellbach ein Konfektionsgeschäft betrieben. Weitere Kaufhäuser bestanden in Untertürkheim und Feuerbach. Von den Brüdern Helfer hat nur Sigmund Helfer den Nazi-Terror überlebt. Mit unglaublichem Mut holte seine deutsche Frau Martha ihn aus der Abschiebehaft in Polen zurück. Sie brachte ihn später aus Buchenwald heraus - und lebend durch die Kriegsjahre. 1944 gebar sie mit Hanna das einzige jüdische Kind dieser Jahre in der Region. Im Oktober 1945 eröffneten die Helfers ihr 1938 arisiertes Kaufhaus unter alter Leitung. Max Helfers letzte Spur weist in ein Arbeitslager im Osten, wohin er als polnischer Staatsangehöriger deportiert wurde. Er soll 1942 in einem Lager in Polen umgekommen sein.

Das Konfektionsgeschäft Helfer war bei den Nazi-Größen in Fellbach nicht wohl gelitten. Des Öfteren gab es Aufrufe, nicht bei Juden einzukaufen. Auch mit Parolen auf dem Gehweg wurde das Geschäft im August 1937 eingedeckt. Im Heimatbuch Otto Borsts wird ein Brief des Nazi-Ortsgruppenleiters Jung zitiert, der auf den Vermieter starken Druck ausübte, den Laden an einen Deutschen zu vermieten. So kam es auch: Im Januar 1938 wurde das Geschäft von den Kaufleuten Erich und Kurt Sayler übernommen.

Das zehn mal zehn Zentimeter große Kleindenkmal ist aus Beton und trägt eine Messingplatte. Diese so genannten Stolpersteine sind eine Idee des Aktionskünstlers Gunter Demnig, die in vielen deutschen Städten Fuß gefasst hat. In Stuttgart hat Oberbürgermeister Schuster Stolperstein-Verlegungen im öffentlichen Raum genehmigt. Sie werden in öffentliche Gehwege eingelassen, und zwar bündig, damit niemand zu Schaden kommt. Dennoch heißen sie Stolpersteine, damit Vorübergehende im Geiste kurz darüber stolpern, innehalten und den in die Messingplatte gravierten Text lesen. Unter der Überschrift "Hier wohnte . . ." wird damit direkt vor dem Wohnhaus von Opfern des Naziregimes ein Stück Geschichte in den Alltag zurückgeholt.

Stolpersteine sollen als Zeichen der Erinnerung die Opfer rassischer und politischer Verfolgung genau dort aus der Anonymität holen, wo sie gelebt haben.

Die geplante Stolpersteinverlegung vor dem ehemaligen Wohnhaus Max Helfers findet am Samstag, 29. April, um 10.30 Uhr in der Uhlbacher Straße 88 in Untertürkheim statt.

StolperKunst belebt Erinnerung

 

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...ein Projekt der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen gegen Geschichtsvergessenheit!

 

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Warum Stolpersteine?

Für Hannelore Levi und ihre Eltern Berta und Ernst, letztere 1942 in Riga ermordet, wurden im Herbst 2017 Stolpersteine in Stuttgart verlegt. Pip McCosh (*1965, Neuseeland), Tochter von Hannelore Levi (*1928, Stuttgart,  gest. 2012, Neuseeland) schrieb am 22. Januar 2018 eine e-mail, die anschaulich zeigt, dass Stolpersteine ihre Schleifen bis ins Hier und Jetzt ziehen...

 

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