Aktivitäten des Arbeitskreises "Euthanasie"

Aktuell beschäftigt sich die Gruppe schwerpunktmäßig mit den Morden an kranken oder behinderten Kindern, speziell in der sog. "Kinderfachabteilung" im damaligen Städtischen Kinderkrankenhaus. Ziel ist es, diesen Tatort in der Türlenstrasse 22 für das öffentliche Bewusstsein zu markieren, denn er symbolisiert wie wenige andere Orte in Stuttgart die menschenverachtende Ideologie der Naziärzte. Nach der Verlegung eines Stolpersteines für ein Opfer dieser Taten, Gerda Metzger, und einer darauffolgenden Veranstaltungsreihe im Jahr 2013 haben wir die Stadt Stuttgart aufgefordert, zur Planung einer geeigneten Gedenkform eine Arbeitsgruppe NS-Medizin zu gründen. Nach einer langen Wartezeit kam Ende 2015 von seiten der Stadt - nicht viel mehr als ein schlichtes "Njet". In Form eines Aktionsbündnisses mit den Anstiftern wollen wir unser Anliegen mit verstärktem Nachdruck weiter vorantreiben. Diesen Prozess dokumentieren wir auf einer eigenen Aktionsseite.

Schauen Sie hier, wo bereits Stolpersteine für Stuttgarter Opfer der NS-"Euthanasie" verlegt wurden.

Neue Mitstreiter sind jederzeit gerne willkommen.

Die Gruppe trifft sich grundsätzlich am letzten Donnerstag jeden Monats im Rotebühlzentrum: 
Nächster Treff

Rückblick auf unsere bisherige Arbeit:

Unser erstes Treffen am 8.02.06 diente natürlich zunächst der Erörterung von Arbeitsschwerpunkten. Es bestand Einigkeit, daß Orte des Gedenkens für die Opfer der "Euthanasie"-Verbrechen in Stuttgart nur für Insider aufzuspüren sind. Auf dem Hauptfriedhof Steinhaldenfeld gibt es einen solchen Ort, der mit seiner Verschleierungspoesie ("Den Opfern der Gewalt", "Den Opfern aus schwerer Zeit") allerdings viele Fragen offen läßt. Diese Situation führte zu der Idee, sich für eine zeitgemäße Form der Erinnerung und Mahnung an einem zentralen Ort einzusetzen - z.B. am Innenministerium als der damals federführenden Organisation. Im Oktober 2009 wurde dieser Zusammenhang mit der Aktion Spur der Erinnerung eindrucksvoll unterstrichen. 
Auch das temporäre Mahnmal der grauen Busse - es war im selben Jahr vom Sozialministerium nach Stuttgart geholt worden - begrüßen wir als einen weiteren Hinweis für die Notwendigkeit eines solchen Gedenkortes. Aus diesem Grund unterstützen wir tatkräftig die Forderung nach einem NS-Dokumentationszentrum in der ehemaligen GESTAPO-Zentrale, welches sich ja direkt neben dem damaligen Standort des Innenministeriums befindet.

Dennoch halten wir die Gedenk-Form mit Stolpersteinen hier für anwendbar - auch wenn die Zuordnung von Namen zu Orten schwieriger recherchierbar ist als bei anderen Opfergruppen. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß diese Form bei den hier lebenden Angehörigen schmerzhafte Wunden aufreissen könnte und somit das weitere Vorgehen sorgfältig überlegt werden muß. Dieser Prozeß wird sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Andererseits gibt es bereits Anfragen von Angehörigen, die für Opfer aus der Familie gerne einen Stolperstein gesetzt haben möchten.

Das Gedenkjahr 2010, 70 Jahre nach den Morden in Grafeneck, wurde mit besonderen Aktivitäten begangen: Am 29./30. April und am 8./9. Oktober wurden in allen Stadtteilen Stolpersteine für Stuttgarter "Euthanasie"-Opfer verlegt. Dazu gab es verschiedene Begleitveranstaltungen, darunter ein gut besuchter Vortrag von Ernst Klee im Gewerkschaftshaus. 

Die weitere Arbeit wird im fortgesetzten Suchen nach weiteren Rechercheansätzen bestehen. Dabei hoffen wir auf die Unterstützung der damals beteiligten Anstalten wie z. B. Winnenden, Stetten, Zwiefalten, usw., die jeweils ihre eigene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit führen. Außerdem wünschen wir uns, daß sich betroffene Angehörige äußern und Kontakt mit uns aufnehmen - und sei es nur, um uns ihre Meinung zu unserem Vorhaben mitzuteilen.

Der erste Stolperstein für ein "Euthanasie"-Opfer aus Stuttgart wurde im November 2006 für Ernst Köhler in der Schwanenstrasse 1 in Hedelfingen verlegt. Ein ausführlicher Bericht zu den langwierigen Recherchen des Bruders und dessen Tochter steht im Buch von Harald Stingele (Hg.) "Stolpersteine in Stuttgart - Spuren vergessener Nachbarn", Markstein-Verlag, 3. Auflage von 2010. Im Beitrag der Nichte von Ernst Köhler wird die gesamte Dimension dieses Themas - bis hin zu den Verschleppungstricks der Nachkriegsjustiz - eindrucksvoll deutlich.

im November erschienen:

Unerwünscht

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im Januar erschienen:

Buchcover: "Behandlung empfohlen"

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Verlegt

Krankenmorde 1940-41 am Beispiel der Region Stuttgart
buchumschlag-verlegt-elke

 

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Info und Bestellung

Neu aufgelegt: Spuren vergessener Nachbarn

Titel Stolpersteinbuch
Das
Stuttgarter
Stolpersteinbuch
 

 

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im August 1940 in Grafeneck ermordet - weil er krank war
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