Rundgang zu Stolpersteinen in Stuttgart-Süd

Der Rundgang zu Stolpersteinen in Stuttgart-Süd soll die Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes wach halten, er ist eine Einladung, Spuren jüdischen Lebens nachzugehen und Orte des Widerstands gegen Hitler aufzusuchen.
Ausgangspunkt ist der Markusplatz 1 bei der Markuskirche. Hier wohnte bis 1941 der Arzt Dr. Robert Gutmann (? 1942 in Theresienstadt). In der Markuskirche gab Pastor Martin Niemöller den Anstoß für das Stuttgarter Schuldbekenntnis vom 19.10.1945.
In der Tulpenstraße 5 wohnte seit 1915 der Grafiker Wilhelm Bodenheimer, der am 22.8.1942 nach Theresienstadt deportiert und am 29.9.1942 in Treblinka ermordet wurde. In der Tulpenstraße 7 lebten seit 1934 Isidor und Klara Fromm, die 1942 nach Theresienstadt deportiert wurden. Ihr Sohn Otto war bereits 1938 ins KZ Buchenwald eingeliefert worden. In der Tulpenstraße 14 wohnte seit 1937 die 3-köpfige Familie Lax. Der Vater Arthur Lax konnte im Dezember 1938 noch in die USA auswandern, Edith Lax und die damals fünfjährige Ruth wurden am 1.12.1941 nach Riga deportiert und am 26.3.1942 im nahe gelegenen Wald von Bikernieki erschossen.
Auch die Familie Ehrlich (Adolf und Emma sowie deren Tochter Cilly Jablonsky) aus der Olgastraße 124 fiel dieser Massenexekution zum Opfer. Josef Stempa aus der Olgastraße 128 wurde 1939 ins KZ Buchenwald eingeliefert (? 1941 im KZ Dachau).
Der Buchhändler Walter Guttmann (Neue Weinsteige 3) wurde am 26.4.1942 nach Izbica deportiert.
In der Sonnenbergstraße 33 lebte seit 1930 der Rechtsanwalt Albert Mainzer, der im April 1943 zusammen mit seiner Frau Franziska nach Theresienstadt deportiert wurde. Im Oktober 1944 kam Albert Mainzer nach Auschwitz, Franziska hat als eine von ganz wenigen Theresienstadt überlebt.
Seit 1936 wohnte in der Altenbergstraße 42 das Ehepaar Grimminger. Nach der Verhaftung von Eugen Grimminger am 2.3.1943 wegen finanzieller Unterstützung der Widerstandsgruppe Weiße Rose wurde seine jüdische Frau Jenny, die bis dahin durch den Status einer Mischehe vor direkter Verfolgung relativ geschützt war, deportiert und in Auschwitz ermordet.
In der Tübinger Straße 70 liegen Stolpersteine für Max und Sofie Mayer, die sich durch Suizid der Vernichtung durch die Nazis entzogen haben.
Der weitere Weg führt über die Römerstaffel vorbei am sogenannten "Judenhaus" in der Hohenstaufenstraße 17 A (in diesen Häusern wurden die Juden ab 1939 zusammengepfercht) zur Arminstraße 11, wo seit 1920 der Textilgroßhändler Benno Bieringer mit seiner Frau Lucie wohnte (beide wurden am 1.12.1941 nach Riga deportiert). Vor dem Haus Arminstraße 38 befindet sich der vom Mörike-Gymnasium finanzierte Stein für Hermine Mayer befindet (ermordet 1942 in Treblinka).
In der Adlerstraße gab es 1933 mehrere jüdische Textilbetriebe (so z.B. Nr. 41: Fa. Hayum & Schwarz, Nr. 43: Fa. Gebr. Engländer). In Nr. 24  wohnte ab 1911 Else Himmelheber, die im Juni 1944 verhaftet und am 30.11.1944 im KZ Dachau zusammen mit acht anderen Mitgliedern der Widerstandsgruppe Schlotterbeck ohne Gerichtsverhandlung erschossen wurde. Im Haus 27 unterhielt der Schuhmacher Friedrich Blumhardt zeitweise ein getarntes KPD-Büro, in Nr. 48 wohnte der Heslacher Leiter des im Untergrund arbeitenden Rot-Front-Kämpferbundes Emil Joas (ermordet am 26.2.1943 im KZ Dachau).
In der Dornhaldenstraße 19 wohnten die Eheleute Gustav und Johanna Silberstein, die am 13.7.1942 nach Auschwitz deportiert wurden.
Am 15.2.1933 wurde bei der Direktübertragung einer Hitlerrede aus der Stadthalle das Sendekabel gekappt (Stuttgarter Kabelattentat). In der Wohnung von Naturfreund Karl Maier (Liebigstraße 35 im Eiernest) entstand noch am selben Abend das Flugblatt: ?Wir Antifaschisten haben Hitler das Wort entzogen!?
Am 12.2.1936 wurde Pfarrer Eugen Müller, der sich gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung durch die ?Deutschen Christen? wehrte, vom NSDAP-Ortsgruppenleiter scharf angegriffen, weil er die Matthäuskirche nicht mit der Hakenkreuzfahne beflaggt hatte.
In der Schickhardtstraße 35 wohnte Elias Gideon, der am 1.12.1941 nach Riga deportiert wurde.
In der Wannenstraße 16 lebten seit 1910 bis zur Deportation am 22.8.1942 nach Theresienstadt der Rechtsanwalt Dr. Robert Mainzer und seine Frau Helene. Die beiden Söhne konnten noch emigrieren.
In der Hasenbergsteige 79 war der Kunsthistoriker Dr. Gottfried Hermann Wurz zu Hause, der wegen seiner Tätigkeit für eine ?illegale Gruppe der demokratischen Freiheitsbewegung? im Juli 1944 von der Gestapo verhaftet und im März 1945 ins KZ Flossenbürg überstellt wurde (erschossen am 20.4.1945 auf Todesmarsch).
Der Buchdrucker und Sozialdemokrat Frieder Wurm (Böblinger Str. 198) wurde nach 1933 mehrmals verhaftet und am 17.1.1938 ins KZ Teufelsmoor (Weser-Emsland) verschleppt. Ende August wurde er entlassen, blieb aber unter Polizeiaufsicht.
In der Neugereutstraße 15 erinnern 5 Stolpersteine an die Witwe Emma Berger und ihre vier Kinder Amalie, Helene, Ida und Adolf, die 1943 in Auschwitz ermordet wurden.

Einen Stadtplan mit den eingezeichneten Orten der Stolpersteine können Sie sich
hier als PDF-Datei herunterladen (1.700 kB)

Wenn Sie an einem geführten Rundgang interessiert sind, schreiben Sie bitte an die
Initiative Stolperstein Stuttgart-Süd
werner.schmidt@n.zgs.de bzw. kreuz@ev-kirchengemeinde-heslach.de
oder wenden Sie sich direkt an die Mitglieder unserer Archivgruppe
Siegfried Bassler Tel. 60 69 82 - Franz Schönleber Tel. 6 49 43 43

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