Nächste Stolpersteinverlegung am 1. April 2019

Weitere Stolpersteine für jüdische Mitbürger, politisch Verfolgte, "Euthanasie"-Opfer und Kinder - Verlegung am 01. April 2019

Mit der Verlegung von Stolpersteinen wollen die Stuttgarter Stadtteil-Initiativen gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig (72) die Erinnerung an die Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der "Euthanasie"-Opfer im Nationalsozialismus lebendig erhalten.
Am Montag, dem 01. April 2019 wird Gunter Demnig nach Stuttgart kommen und 17 weitere Stolpersteine verlegen.

Im Zwangsarbeitslager Hessbrühl in Stuttgart-Vaihingen waren aus der Sowjetunion verschleppte Frauen und Männer untergebracht, die für Vaihinger Rüstungsbetriebe Zwangsarbeit verrichten mussten. Als dort zwei Kinder geboren wurden, mussten die Mütter weiterhin so arbeiten wie vorher. Die unerwünschten Babies ließ man absichtlich unversorgt. So wurde das Mädchen Nina Radionowa nur 22 Tage alt. Als sich der kleine Witscheslau Maschkanow mit 6 Monaten eine Lungenentzündung holte, half ihm kein Arzt. Für beide Kinder werden Stolpersteine in der Schockenriedstr. 1-11 verlegt (9:00 Uhr vor dem Regierungspräsidium).

Die Familie Guggenheim wohnte seit 1922 in Stuttgart West.  Als Juden waren sie zunehmender Schikane und Ausgrenzung ausgesetzt. Drei Monate nach Einführung des Judensterns mussten sie am 1. Dezember 1941 vom Stuttgarter Killesberg aus die Reise in das Vernichtungslager Riga antreten. Die Stolpersteine für Jakob Gustav, Lore Pia und Gretel Hella Guggenheim werden vor ihrer letzten Wohnung in der Johannesstraße 73 verlegt (9:40 Uhr).

In Stuttgart-Mitte am Rotebühlplatz 37 werden um 9:50 Uhr vier Stolpersteine verlegt für Lea und Ignaz Lentschner, die als Juden polnischer Herkunft 1938 nach Polen abgeschoben und nach dem Einmarsch der Deutschen 1940 ermordet wurden, sowie für deren Söhne Richard und Walter Lentschner.

In Stuttgart Ost werden zwei Stolpersteine an politische Opfer erinnern: Karl Dentler wurde Ende Mai 1935 „wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ verhaftet. Zunächst kam er in das berüchtigte Straflager Aschendorfer Moor im Emsland. Danach verurteilte man ihn zu vier Jahren Zuchthaus. Am 27. Dezember 1944 wurde er im KZ Buchenwald ermordet. Der Stolperstein für Karl Dentler wird im Wasserbergweg 8 verlegt (10:30 Uhr).
Dem Mechanikerlehrling Eugen Prötzel wurde zum Verhängnis, dass er im Jahr 1933 seinen kommunistischen Arbeitskollegen beim Flugblattfalten half. Die Strafe von 4 Wochen Haft hatte er bald abgesessen. Doch in den Daten der politischen Polizei blieb er sein Leben lang. Als er 1938 in Holland ohne Pass aufgegriffen und an Deutschland ausgeliefert wurde, musste er deswegen für 6 Wochen in Haft. Die Gestapo behandelte ihn als das, was man heute „Gefährder“ nennt: nach verbüßter Strafe nahm sie ihn ohne weiteres Gerichtsurteil sofort in „Schutzhaft“. Er lernte die Brutalität von Gestapo und SS in den Konzentrationslagern Welzheim und Dachau kennen, bis er Anfang 1940 im KZ Mauthausen ermordet wurde. Für ihn wird ein Stolperstein in der Hornbergstraße 91 verlegt (10:45 Uhr).

In Bad Cannstatt werden Stolpersteine an vier „Euthanasie“-Morde erinnern. Die Planer in Berlin hatten für ihre geheime „Aktion T4“ die Beseitigung von 70.000 psychisch Kranken und Behinderten aus den Heilanstalten des Reichs als Ziel vorgegeben. Für den Südwesten richteten die Innenministerien in Stuttgart und Karlsruhe auf der Münsinger Alb die Tötungszentrale Grafeneck mit Gaskammer und Verbrennungsofen ein. Die Anstaltsleitungen wurden in das Verbrechen eingebunden. An Weihnachten 1940 hatte Grafeneck sein Soll von über 10.000 Tötungen erreicht. Fast niemand brach das Schweigen – für Jahrzehnte.
Die Stolpersteine werden verlegt für Georg Ebe in der Kissinger Straße 48 (11:00 Uhr), für Emma Bertha Lutz in der Wildunger Str. 41 und für Albert Schoor in der Wildunger Str. 46 (je ca. 11:10 Uhr) sowie für Friedrich Kühner in der Kreuznacher Str. 17 (11:20 Uhr).

In Stuttgart Nord vor dem Haus Knollstraße 38 (11:50 Uhr) wird ein Stein an den zweijährigen Rudolf Rathgeb erinnern. Seine Eltern gaben ihn zur Behandlung einer Gehirnschädigung in die „Kinderfachabteilung“ des Städtischen Kinderkrankenhauses Stuttgart in der Türlenstraße. Dort wurde er im Zuge des geheimen „Kindereuthanasie“-Programms ermordet.

Auch der letzte zu verlegende Stolperstein in der St. Pöltener Straße 17 in Feuerbach (12:15 Uhr) erinnert an ein ermordetes Kind. Anneliese Schillinger, geboren im November 1943, wurde im Alter von 5 Monaten in der „Kinderfachabteilung“ der Städtischen Kinderklinik getötet. Die Todesursache „Hirnhautentzündung“ auf ihrem Totenschein war genauso erlogen wie der Name des ausstellenden Arztes.

Ausführliche Informationen zu den Opfern und den Verlegungen erhalten Sie bei den beteiligten Stadtteil-Initiativen, die auch ehrenamtlich die Schicksale der Opfer erforscht haben.

Im angefügten Verlegungsplan finden Sie die vorgesehenen Zeiten für die einzelnen Steinverlegungen. Bitte beachten Sie, dass diese auch schon früher beginnen können.

Stolpersteine für Stuttgart am Montag, den 1. April 2019 (Uhrzeit~Steinverlegung):

9:00 Vaihingen  Schockenriedstr. 1-11 1 Kopfstein für die im Lager „Hessbrühl“ internierten sowjetischen ZwangsarbeiterInnen
2 Steine für die hier geborenen
und an mangelnder Versorgung
gestorbenen Kinder
NINA RADIONOWA und
WITSCHESLAU MASCHKANOW
9:40 S-West Johannesstr. 73 3 Steine für JAKOB GUSTAV,
LORE PIA und GRETEL HELLA
GUGGENHEIM
9:50 S-Mitte Rotebühlplatz 37 4 Steine für IGNAZ, LEA, RICHARD und WALTER LENTSCHNER
10:30 S-Ost Wasserbergweg 8 1 Stein für KARL DENTLER
10:45 S-Ost Hornbergstr. 91 1 Stein für EUGEN PRÖTZEL
11:00 Cannstatt Kissinger Str. 48  1 Stein für GEORG EBE
11:10 Cannstatt

Wildunger Str. 41

Wildunger Str. 46

1 Stein für EMMA BERTHA LUTZ

1 Stein für ALBERT SCHOOR

11:20 Cannstatt    Kreuznacher Str. 17 1 Stein für FRIEDRICH KÜHNER
11:50 S-Nord Knollstr. 38 1 Stein für RUDOLF RATHGEB
12:15 Feuerbach St. Pöltener-Str. 17

1 Stein für ANNELIESE SCHILLINGER

 

 

Alle angegebenen Uhrzeiten können nur eine grobe Orientierung für den geplanten Zeitpunkt der Verlegung sein — Verschiebungen lassen sich trotz sorgfältiger Planung leider nicht ganz ausschließen — Änderungen sind möglich — Die Rahmenveranstaltungen zu den einzelnen Verlegungen können auch schon vor den im zentralen Routenplan angegebenen Zeiten beginnen — wer bei einer Steinverlegung dabei sein will, sollte sich deshalb möglichst frühzeitig vor Ort einfinden! Außerdem wird um Verständnis gebeten, dass Gunter Demnig an den Rahmenveranstaltungen zu den einzelnen Verlegungen jeweils nur kurz teilnehmen kann!

Die öffentlichen Stolperstein-Verlegungen werden von ausschließlich ehrenamtlich tätigen Stadtteilinitiativen organisiert, über die Sie auch Informationen zu den einzelnen Opferschicksalen sowie weitere Aktivitäten erhalten. Alle Stuttgarter Stolperstein-Initiativen freuen sich über Ihre Unterstützung, beispielsweise bei der Erforschung der Lebensgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus oder der Pflege bereits verlegter Stolpersteine.

Die gesamte Pressemitteilung zur Verlegung am 1. April 2019 gibt es hier zum Ausdrucken

StolperKunst belebt Erinnerung

 

Logo StolperKunst

 

...ein Projekt der Stuttgarter Stolperstein-Initiativen gegen Geschichtsvergessenheit!

 

http://www.stolperkunst.de

Warum Stolpersteine?

Für Hannelore Levi und ihre Eltern Berta und Ernst, letztere 1942 in Riga ermordet, wurden im Herbst 2017 Stolpersteine in Stuttgart verlegt. Pip McCosh (*1965, Neuseeland), Tochter von Hannelore Levi (*1928, Stuttgart,  gest. 2012, Neuseeland) schrieb am 22. Januar 2018 eine e-mail, die anschaulich zeigt, dass Stolpersteine ihre Schleifen bis ins Hier und Jetzt ziehen...

 

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in der Reihe TÜBINGER JUDAISTISCHE STUDIEN erschienen:

Briefe zur JÜDISCHEN EHEVERMITTLUNG 1911-1921

 

Info von Rainer Redies

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Publikationen aus dem Stuttgarter Norden

Else-Kahn-Broschüre Broschüre über „Else Kahn, geb. Jeselsohn. Nachgetragene Würde – nachgetragene Liebe. Eine Lebensgeschichte“

 

Broschüre „Der Killesberg unterm Hakenkreuz"
 

 

Broschüre JudenladenDer Stuttgarter "Judenladen": Ein fast vergessenes Stück Stuttgarter Stadtgeschichte
 

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Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern

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Das jüdische Zwangsaltenheim in Eschenau und seine Bewohner

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Aus dem KZ Theresienstadt: "Was mich aufrecht erhielt, war die Post ..."

Postkarten aus Theresienstadt von Gertrud Nast-Kolb an ihre Tochter Ilse in Stuttgart (1944-1945)

Was mich aufrecht erhielt, war die Post... Titelblatt

 

heraus-gegeben von Margot Weiß

 

 

Infos und Bezug

Verlegt

Krankenmorde 1940-41 am Beispiel der Region Stuttgart
buchumschlag-verlegt-elke

 

heraugegeben von Elke Martin

 

 

 

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Neu aufgelegt: Spuren vergessener Nachbarn

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Das
Stuttgarter
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Ernst Köhler

im August 1940 in Grafeneck ermordet - weil er krank war
weiter

Walter, Hanna, Sofie, Rose, Erich, Auguste, Albert und Werner Levi

die ganze Familie wurde von den Nazis auf erschreckend gründliche Weise vernichtet weiter

Max und Mathilde Henle

Letzter frei gewählter Wohnort:
Hohentwielstrasse 146 B, Stuttgart Süd

Lydia Heilborn und ihre Tochter Gertrud

die Tochter in Grafeneck ermordet, die Mutter in Theresienstadt weiter

Hermine Wertheimer

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